Mannheim. Von wegen Enthüllung: Wer bei der Präsentation der umstrittenen und daher umgestalteten „Sarotti-Mohr“-Werbung im Mannheimer Kulturzentrum Capitol darauf wartete, dass etwas enthüllt wird, wartete vergeblich. Denn der Schriftzug „Sarotti“ und die beiden in der Kritik stehenden „Mohren“-Embleme an jeder Seite wurden und blieben eingepackt. Der künstlerische Leiter des Capitols, Georg Veit, hat die Werbung mit einer eierschalenweißen Jute und einer schwarzen Schnur umwickelt. Die Buchstaben sind noch zu lesen, die beiden schwarzen Figuren mit Silbertablett aber nicht mehr zu sehen.
„Ich wünsche mir, dass der Betrachter irritiert wird, nachdenkt und dann mit anderen ins Gespräch kommt“, sagte Veit gestern in Mannheim. Die Verhüllung spiele auch darauf an, dass „Rassismus gerne unter den Teppich gekehrt“ werde.
Die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland kritisierte, dass die Figuren nicht entsorgt werden. Eine Diskussion über Rassismus dürfe nicht auf dem Rücken der Betroffenen ausgetragen werden, sagte Sprecher Tahir Della. Der Versuch, die Dekoration in einen neuen Kontext zu stellen, sei ein „Krampf“.
Geschäftsführer Thorsten Riehle betonte, dass die Positionen für oder gegen eine Beseitigung der Dekoration unversöhnlich nebeneinanderstehen. „Es wäre gut, wenn wir das Thema weniger emotional diskutieren.“ Mit dem gewählten Mittelweg gehe er das hohe Risiko ein, dass dies von keiner Seite akzeptiert werde. Er räumte ein, als weißer, deutscher Mann könne er sich nicht in die Lage Betroffener versetzen. „Es ist unser Ziel, die Anlage zu nutzen, um ins Gespräch zu kommen.“
Sein Kollege Veit macht kein Geheimnis daraus, wer für seine Idee Pate stand: der Verpackungskünstler Christo, der 1995 den Reichstag in Berlin verhüllt hat. Dadurch seien die Menschen gezwungen worden, sich mit der wechselhaften Geschichte des Gebäudes auseinanderzusetzen, erläuterte der Historiker Veit. Die Verfremdung führe dazu, dass Alltägliches neu wahrgenommen werde. So sei es auch ihm ergangen: Als er vor 23 Jahren erstmals das Capitol betrat, habe er die „Sarotti-Bar“ als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Im Laufe der Zeit habe er sich aber nicht mehr an ihr gestört.


