Hoch «Annelie» hat Deutschland mit fast 40 Grad das heißeste Wochenende des Jahres beschert. Strände und Seen waren überfüllt, doch häuften sich die tödlichen Badeunfälle. Mindestens zwölf Menschen starben in Gewässern, weitere wurden am Sonntag noch vermisst.
Ein sechs Jahre alter Junge ist beim Spielen am Rheinufer in Köln von der Strömung erfasst worden und ertrunken. Die Polizei suchte nach dem Unglück am Samstagnachmittag mit einem Hubschrauber und Booten nach dem Jungen, der zunächst als vermisst gegolten hatte. Mit Hilfe eines Sonargeräts fanden ihn die Einsatzkräfte schließlich unweit der Unglücksstelle. Der Junge wurde tot aus dem Wasser geborgen. Er hatte im Beisein seines Vaters im Rhein nahe am Ufer gespielt.
Ein Vierjähriger ist in einem Baggersee in Bayern ertrunken. Feuerwehr und Wasserwacht eilten mit rund 125 Helfern an den See in Kleinsendelbach in Oberfranken. Ein Polizeihubschrauber kreiste in der Luft. Ein Taucher fand das leblose Kind auf dem Grund des Gewässers in Ufernähe. Wie es zu dem Unglück kam, ist noch nicht klar.
In einem Naturfreibad in Siegen ertrank ein Jugendlicher. Wie die Polizei mitteilte, war in Konstanz ein 73-Jähriger mit seiner Ehefrau im See geschwommen, als er auf einmal verschwand. Rettungskräfte zogen den Mann wenig später leblos aus dem See, er starb im Krankenhaus. Ebenfalls in Konstanz ging ein 80-Jähriger unter, als er von einem Boot zu einem anderen schwimmen wollte. Er wurde erst 20 Minuten später durch Rettungstaucher gefunden und in eine Klinik gebracht. Bei einem dritten Badeunfall in Unteruhldingen war eine 70-Jährige am frühen Samstagmorgen beim Schwimmen untergegangen. Ihr Ehemann barg die Frau mit Hilfe von Passanten, sie wurde wiederbelebt und in ein Krankenhaus gebracht.
Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) rief dazu auf, nur in bewachten Gewässern zu schwimmen. Bei Badeunfällen spiele oft Leichtsinn eine Rolle. Im vergangenen Jahr starben laut DLRG 392 Menschen beim Schwimmen in Deutschland, meist in Flüssen und Seen.
Auch an Land hatte die Hitze gefährliche Folgen. In Hattingen am Rande des Ruhrgebiets wurden zwei Menschen vom Blitz getroffen und schwer verletzt. In Thüringen kippte eine heftige Windböe auf der Au4 nahe Mellingen einen Lastwagen um. Das Führerhaus hing über einer Brücke und drohte in die Tiefe zu stürzen. Der Fahrer wurde gerettet.
Wegen Verdachts auf Hitzekollaps wurden mindestens sechs Teilnehmer des Deutschen Chorfestivals in Trier ins Krankenhaus gebracht. In Schwagstorf bei Osnabrück kollabierten 25 Erntehelfer auf einem Erdbeerfeld. In Berlin musste am Wochenende die Kuppel des Reichstagsgebäudes gesperrt werden - einige Menschen hatten zuvor bei 44 Grad Innentemperatur dort Kreislaufprobleme bekommen.
Die Polizei bekam auch Notrufe, weil Eltern ihre Kinder beim Einkauf in geparkten Autos zurückgelassen hatten. Auch Hunde mussten aus Fahrzeugen befreit werden. «Das ist unfassbar», sagte ein Beamter in Thüringen. Die Fahrzeughalter seien mit Megafonen ausgerufen worden.
Ein Hitze-Brand löste einen stundenlangen Komplettausfall der Sendungen des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte aus. Hitzeschäden bremsten den Verkehr auf einigen Autobahnen und regionalen Bahnstrecken aus.
Über die Temperaturen in Deutschland können viele Iraker nur lächeln - am Sonntag kletterte die Temperatur in Bagdad auf weit über 40 Grad. Wegen des Fastenmonats Ramadan ist das für die Muslime derzeit besonders hart, da sie zwischen Auf- und Untergang der Sonne weder essen noch trinken dürfen. Um Abkühlung in diesen heißen Wochen zu schaffen, haben viele Geschäftsinhaber zu einer besonderen Maßnahme gegriffen: Sie haben vor ihren Läden öffentliche Duschen aufgestellt. Ob sich das auch in Deutschland durchsetzen könnte?

