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Die Atomkatastrophe von Tschernobyl liegt fast drei Jahrzehnte zurück - doch die Folgen sind auch heute noch im Südwesten zu spüren. Viele Wildschweine sind nach wie vor stark radioaktiv belastet.
Die Atomkatastrophe von Tschernobyl liegt fast drei Jahrzehnte zurück - doch die Folgen sind auch heute noch im Südwesten zu spüren. Viele Wildschweine sind nach wie vor stark radioaktiv belastet. © dpa
20.08.2013

Viele Wildschweine radioaktiv belastet – auch in Calw

Freiburg (dpa/lsw) - Mehr als 27 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl sind noch immer viele Wildschweine im Südwesten stark radioaktiv belastet. In einigen Regionen Baden-Württembergs wiesen erlegte Tiere deutliche Cäsium-137-Gehalte auf, sagte ein Sprecher des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) in Freiburg. Die höchsten Werte seien mit rund 13 000 Becquerel pro Kilogramm im Kreis Biberach und mit 10 000 Becquerel pro Kilogramm im Alb-Donau-Kreis gemessen worden.

Die Daten wurden im vergangenen Jagdjahr gesammelt, das bis zum 31. März 2013 lief. Das Land will mit einem Wild-Überwachungsprogramm sicherstellen, dass kein Wildschweinfleisch mit einem Cs-137-Gehalt über dem Richtwert von 600 Becquerel in den Handel gelangt. Stichproben hätten zuletzt keine Überschreitungen ergeben.

Besonders hoch war die Zahl der radioaktiv belasteten Wildschweine im Schwarzwald-Baar-Kreis. Dort lagen bei 11 von 16 Proben Werte über dem Richtwert von 600 Becquerel vor - das entspricht nach Angaben des CVUA einem Anteil von 69 Prozent. Ab 600 Becquerel darf Wildfleisch nicht mehr verwertet werden. In Freudenstadt lag der Anteil der überdurchschnittlich belasteten Tiere bei 49 Prozent, in Calw bei 41 Prozent.

Insgesamt wurden im Südwesten im vergangenen Jagdjahr 4562 Proben getestet, von denen 1375 einen Wert von mehr als 600 Becquerel aufwiesen. Die Wildschweine nehmen das Cäsium über das Futter im Wald auf, beispielsweise durch Pilze am Boden. Die stark belasteten Tiere dürfen anschließend nicht weiter verarbeitet werden - die Jäger bekommen nach Angaben des CUVA aber eine Entschädigung.