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Neues Gorilla-Baby für die Wilhelma © privat
20.03.2012

Vier Tage altes Gorillababy in Wilhemla eingetroffen

Stuttgart. In der Aufzuchtstation der Wilhelma ist erneut ein kleiner Schützling eingezogen: das vier Tage alte Mädchen Vana aus dem Zoologischen Garten Wuppertal. Es kam vergangenen Freitag zur Welt – als erstes Baby der 20-jährigen Gorillafrau Grace, der Vater ist der 17-jährige Gorillamann Vimoto.

Bildergalerie: Vier Tage altes Gorillababy trifft in Wilhelma ein

Leider zeigte sich die Gorilla-Mutter von der neuen Aufgabe überfordert und nahm ihr Neugeborenes nicht an. Es blieb somit nur der Weg nach Stuttgart. Nach Tano aus Prag und Okanda aus England nun also die kleine Vana aus Wuppertal: Sie kam am Dienstag Vormittag nach viereinhalb Stunden Autofahrt, die sie fast komplett verschlief, zusammen mit zwei Pflegern heil in der Wilhelma an. Hier wird sie nun die nächsten Wochen in Quarantäne und unsichtbar für die Besucher hinter den Kulissen verbringen, von den Pflegerinnen und Pflegern in Wechselschicht rund um die Uhr betreut, gewärmt und gefüttert.

Die Wuppertaler Gorillagruppe besteht aus fünf Tieren: Zu Vimotos Harem gehören neben Grace, die 1993 in Dublin geboren und danach selbst in Stuttgart handaufgezogen worden war, noch die 40-jährige Lomela, die 37-jährige Roseli und die 29-jährige Ukiwa, eine Tochter der früheren Stuttgarterin Dina und ebenfalls Handaufzucht. Leider hatte Grace bislang keine Gelegenheit, bei einer älteren Gorillafrau eine Geburt und Aufzucht mitzuerleben und daraus zu lernen. Für Gorillas ist dieser Anschauungsunterricht jedoch sehr wichtig, damit sie später ihre eigenen Kinder annehmen und sich richtig um sie kümmern – ein aktuelles Beispiel dafür findet sich in der Gorillagruppe der Wilhelma, wo die dreijährige Mawenzi derzeit von ihrer Mutter Mutasi und ihrer kleinen Schwester Milele das Einmaleins des Babysittens lernt. Gorillafrau Grace fehlte diese Erfahrung. Da sie sich somit nicht um ihr Baby kümmerte, es weder trug, wärmte noch säugte, nahm sich der Wuppertaler Reviertierpfleger Thomas Hammes des rund zwei Kilogramm schweren, gesunden Mädchens an und gab ihm den Namen „Vana“, was in Afrika „Erfüllung“ bedeutet. Zum Glück fühlte sich Vana bei ihm sofort wohl und nahm alle eineinhalb bis zwei Stunden ein Fläschchen mit Ersatzmilch für Neugeborene von ihm an.

Einen Zweistunden-Rhythmus werden auch ihre neuen Ziehmütter und -väter in der Wilhelma zunächst beibehalten – was neuerliche Nachtschichten für das Pflegerteam bedeutet. Dabei war der kleine Tano aus Prag gerade soweit, dass er durchschlief und nachts keine Fläschchen mehr benötigte. Nun hieß es, die Dienstpläne neu zu schreiben, bereits eingeplanten Urlaub zu verschieben, um den nunmehr dritten Pflegling der Gorillakinderstube ebenso gut versorgen zu können wie bereits Tano und Okanda. Aber für solche Notfälle wurde die Aufzuchtstation der Wilhelma vor fast 30 Jahren schließlich eingerichtet, ihre Dienste können seither alle Zoos, die am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für Gorillas teilnehmen, nutzen. Der Vorteil einer gemeinsamen Kinderstube statt einzelner Handaufzuchten in den Herkunftzoos: Die Gorillakinder, die von ihren Müttern und Familien getrennt aufwachsen müssen, können so trotzdem von Anfang an mit Artgenossen zusammensein, eine ausschließliche Prägung auf Menschen wird verhindert.