Meister und Techniker liegen beim Gesamteinkommen die meiste Zeit ihres Lebens vorn. Erst mit Anfang 60 werden sie von den Akademikern überholt, die dann durchschnittlich ein höheres Lebenseinkommen haben. Das geht aus einer Untersuchung des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) hervor, die der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) vorstellte.
Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler des IAW das Lebenseinkommen von 12.453 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet der Jahrgänge 1948 bis 1986, also das Geld, das sie bis zu einem bestimmten Alter insgesamt verdient hatten. Die Wissenschaftler hatten Zugriff auf die Sozialversicherungsmeldungen der Untersuchten und konnten daher exakt berechnen, wie viel Menschen mit einer bestimmten Bildungsbiografie zu einem bestimmten Zeitpunkt verdienten.
Ein Studium hat sich demnach in der Vergangenheit erst mit Mitte 30 finanziell gelohnt: Bis zu einem Alter von 35 hatten Akademiker weniger Lebenseinkommen angesammelt als Menschen mit Ausbildung. Die hätten in der Phase die Nase vorn, in der Hausbau und Familiengründung wichtig seien, sagte BWIHK-Präsident Wolfgang Grenke. Mit 35 hatten Menschen mit Ausbildung und Studium um die 260.000 Euro verdient, Meister und Techniker kamen zu dem Zeitpunkt schon auf rund 355.000 Euro.
Beließen es Menschen bei einer Ausbildung und machten keine Weiterbildung, fielen sie laut der Studie im Laufe des Arbeitslebens zurück und verdienten insgesamt rund ein Drittel weniger als Akademiker sowie Techniker und Meister. Mit 65 hatten Menschen nur mit Ausbildung insgesamt rund 962.000 Euro, Meister und Techniker rund 1,41 Millionen Euro und Akademiker rund 1,45 Millionen Euro brutto verdient.
Die Studie unterscheidet nicht nach einzelnen Berufen, außerdem sind auch Personen eingerechnet, die zwar einen Abschluss erwarben, dann aber arbeitslos wurden oder aus anderen Gründen lange nicht arbeiteten. Die absoluten Zahlen sind laut dem Studienautor Tobias Brändle vom IAW daher weniger aussagekräftig als ihr Verhältnis zueinander.
Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte: „Akademische Bildung und berufliche Bildung sind gleichwertig.“ Es lohne sich, eine Ausbildung zu machen und sich auch danach kontinuierlich weiterzubilden.
Über die künftige Entwicklung am Arbeitsmarkt teilte der Leiter des Zentrums für Bildungsökonomik am Münchner ifo Institut, Ludger Wößmann, mit, es gebe Anzeichen, dass wegen Entwicklungen wie Künstlicher Intelligenz auch die Nachfrage nach höher Qualifizierten nachlassen werde.
Vieles deute darauf hin, dass künftig vor allem Routine-Tätigkeiten gefährdet sind, zum Beispiel mechanische Arbeiten, aber auch Bürojobs mit routinisierbaren Tätigkeiten im Banken- oder Versicherungssektor. Dagegen dürften Jobs profitieren, für die soziale oder kreative Kompetenzen nötig seien.

