AbiMove2015_29062015_143
Ausgelassen feiern beim Abimove in Pforzheim: Früher wurde hier auch reichlich Alkohol getrunken, doch der DRK-Sanitätsdienst vor Ort konnte oft schon vorbeugend eingreifen und schlimmere Exzesse verhindern. 
ka-schlossplatz
Die Karlsruher Polizei musste eine Abiparty auf dem Schlossplatz beenden. Der Rettungsdienst konnte nicht mehr alle Volltrunkenen versorgen. 

Zu viele Betrunkene: Polizei beendet Abifeier - Abimove hatte Sanitätsdienst

Karlsruhe. Eine Abifeier mit etwa 1000 Schülern im Karlsruher Schlosspark musste von der Polizei am Mittwochabend gegen 21 Uhr beendet werden. Das sei nötig gewesen, weil der Rettungsdienst nicht mit der Versorgung von Betrunkenen nachgekommen sei, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag.

Demnach treffen sich Gymnasiasten jedes Jahr nach den schriftlichen Abiturprüfungen für eine Feier im Schlosspark. Den Angaben zufolge verlief die Räumung des Geländes friedlich. Es seien elf Platzverweise ausgesprochen worden.

Für Christoph Nießner, leitender Notarzt vor Ort, stellte sich schon am späten Nachmittag die Frage, wie die Rettungseinsätze wegen der volltrunkenen Schüler bewältigt werden können. Nach einem Dutzend Rettungsfahrten nebst Versorgung der jungen Menschen vor Ort und inklusive Transport zur Beobachtung oder Behandlung ins Krankenhaus sei schon nach wenigen Stunden klar geworden, dass der Rettungsdienst an seine Grenzen gestoßen sei. Hätte die Veranstaltung noch länger gedauert, wäre der Alkoholpegel bei den feiernden Jugendlichen wohl weiter gestiegen und dann hätte die Zahl der Rettungseinsätze eine nicht mehr zu bewältigende Dimension angenommen.

Für jede Rettungsfahrt zum Schlosspark hätte ja ein anderer Notfallpatient in Karlsruhe eventuell länger als vertretbar auf die Retter warten müssen. Man habe zwar ehrenamtliche Sanitätskräfte mobilisiert, aber die nicht angemeldete und ohne Veranstalter zustande gekommene Abifeuer sei angesichts der fortschreitenden Alkoholisierung der etwa 1000 Schüler nicht mehr zu betreuen gewesen, so Nießner. So beendete die Polizei um 21 Uhr das spontane Treffen der Abiturienten, die sich friedlich in verschiedene Richtungen entfernten.

Beim Abimove in Pforzheim, so DRK-Sprecherin Daniela Kneis, habe man in den vergangenen Jahren keine Notlage wie am Mittwoch in Karlsruhe gehabt. Aber der Umzug der Abiturienten mit anschließender Party auf dem Messplatz sei ja auch eine angemeldete Veranstaltung gewesen und da sei es Pflicht, den Rettungsdienst zu integrieren. So habe der DRK-Ortsverein Pforzheim den Sanitätsdienst übernommen, sei mit ehrenamtlichen Kräften und einem Krankenwagen vor Ort gewesen, um zum einen präventiv einzugreifen und zum anderen im Notfall schnell handeln zu können.

Auch in Pforzheim sei der Alkoholkonsum der Schüler die Basis für die meisten Abimove-Einsätze des DRK-Teams gewesen. Doch habe man hier durch die Präsenz vor Ort den eigentlichen Rettungsdienst entlasten können. 

In Karlsruhe, so Nießner, habe es keinen Veranstalter und daher auch keinen vorab geplanten Sanitätsdienst gegeben. Und: „Wir haben es hier mit einer Dimension zu tun, die wir vor wenigen Jahren noch nicht gekannt haben“, sagt der leitende Notarzt zum Thema exzessiver Alkoholgenuss bei spontanen Feiern junger Menschen. Das merke man insbesondere zur Faschingszeit. 13-jährige Mädchen, die in der Faschingszeit an einer Bushaltestelle im Koma liegen, seien da keine Seltenheit. Generell werde zu früh und zu viel Hochprozentiges getrunken, wobei die jungen Frauen den trinkenden Männern in nichts mehr nachstehen würden. 

Nießner beklagt in diesem Zusammenhang auch das Verhalten einiger Eltern, die ihren Kindern in Sachen Alkoholkonsum zu viele Freiheiten gewähren ließen, die nicht zum verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol erziehen würden.