Die Welt muss sich verstärkt für Extremwetter wappnen. Das Klimaphänomen El Niño steht nach Angaben der Weltwetterorganisation WMO) vor der Tür, und vorherige Episoden zeigen, was das je nach Weltregion bedeuten kann: verheerende Dürren und Überschwemmungen sowie eine globale Durchschnittstemperatur, die den Rekord von 2024 brechen könnte.
Während extreme Wetterlagen nach Beginn eines El Niño um den Jahreswechsel ihren Höhepunkt erreichen, ist der Einfluss auf die globale Durchschnittstemperatur, die jeweils Messungen eines ganzen Jahres umfasst, vor allem im Folgejahr zu spüren, in diesem Fall also 2027.
Was kommt auf uns zu?
Dass El Niño kommt und das Wetter mindestens bis Ende des Jahres beeinflusst, steht mit hoher Wahrscheinlichkeit fest. Wie stark die Auswirkungen sein werden, ist schwer zu sagen. In Medien und Teilen der Forschungsgemeinschaft wird über einen Super-El-Niño spekuliert, ein besonders starkes Ereignis. Das letzte, 2023/24, gehörte zu den fünf stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen 1950. Wie stehen die Chancen? 50 zu 50, sagt Klimaforscher Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. «Es kann sein, kann aber auch nicht sein.»

Welche Auswirkungen gibt es für Mitteleuropa?
Eher wenige, sagt Daniela Domeisen von der ETH Zürich. «Das erklärt sich vor allem daraus, dass Europa nun mal sehr weit weg liegt vom tropischen Pazifik, und bis das Signal zu uns gelangt, wird es von vielen anderen atmosphärischen und ozeanischen Einflüssen gestört.» Wenn überhaupt, sei eher mit kälterem und nasserem Wetter als üblich zu rechnen.
Armin Bunde, Emeritus von der Universität Gießen, der selbst El Niños berechnet hat, verweist auf indirekte Auswirkungen: «So können schlechte Ernten im Pazifikraum zu höheren Preisen für Zucker, Kaffee und Kakao führen», sagt er.
Wovon hängt die Entwicklung eines Super-El-Niños ab?
Entscheidend für die Entwicklung und die Stärke seien Windschwankungen, die schwer vorherzusagen seien, erklärt Latif. Grundsätzlich ziehen bei dem Klimaphänomen in Äquatornähe im Pazifik warmes Wasser und Wolken an die sonst trockene Küste Südamerikas. Dies kann - oft in Südamerika und in der Folge auch in einigen Staaten Ostafrikas - für verheerende Überschwemmungen sorgen. In Südostasien, Ostaustralien und bis nach Südostafrika häufen sich dagegen Dürren und Waldbrände. Zwischen den El-Niño-Episoden zeigt sich ein Wetterphänomen mit genau umgekehrten Vorzeichen. Es wird La Niña genannt.
Macht der Klimawandel El Niños stärker?
Dazu gibt es bislang keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, betont die WMO. El Niños dauern meist neun bis zwölf Monate, erreichen den Höhepunkt zwischen November und Februar und passieren alle zwei bis sieben Jahre. Seit dem letzten (2023/24) sind erst zwei Jahre vergangen, der Abstand zum El Niño davor waren sieben Jahre (2015/16).
Das Phänomen kann aber die Folgen des Klimawandels verstärken. Bei einem El Niño sind der tropische Pazifische Ozean und die Atmosphäre wärmer, und dies kann mehr Energie und Feuchtigkeit für extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen und Starkregen bedeuten, so die WMO.

Wird das bislang heißeste Jahr 2024 übertroffen?
Die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Jahre 2026 bis 2030 eine noch höhere globale Durchschnittstemperatur aufweist als 2024, liegt nach einem aktuellen WMO-Bericht bei 86 Prozent. Wegen des El Niño könne dies schon 2027 der Fall sein. 2024 lag der Wert rund 1,55 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850-1900).
Im 2015 in Paris verabschiedeten Weltklimavertrag haben Länder zugesagt, den menschengemachten Temperaturanstieg durch eine Minderung beim Treibhausgasausstoß begrenzen zu wollen. Damit sollen die schlimmsten Folgen des Klimawandels abgewendet werden. Die globale Durchschnittstemperatur soll möglichst nicht mehr als 1,5 Grad über vorindustriellem Niveau liegen. Das Klimaziel gilt nach bisher verbreitet verwendeter Definition als gerissen, wenn die Durchschnittstemperatur in einem Mittel von 20 Jahren darüber liegt.

Wie können Länder sich auf El-Niño-Auswirkungen vorbereiten?
Die WMO empfiehlt, dass Regierungen und humanitäre Organisationen sich auf Folgen für klimasensible Sektoren wie Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Energie- und Wasserwirtschaft einstellen. Sie sollten Pläne für die Nahrungsmittelsicherheit und die Belastung des Gesundheitswesens ausarbeiten. «Frühzeitige saisonale Vorhersagen und Frühwarnungen sind entscheidend, um Leben zu retten und die Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und unsere Gemeinden abzufedern», so WMO-Chefin Celeste Saulo.
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