Der Ausbruch des Hantavirus bei einer Kreuzfahrt löst in immer mehr Ländern Sorgen aus. Bei einem Zwischenstopp des Schiffes «Hondius» hatten noch nach dem ersten Todesfall 29 Passagiere das Schiff verlassen. Sie kamen aus etwa zwölf Ländern, darunter auch Deutschland, teilte der Reiseveranstalter Oceanwide Expeditions mit.
Die Passagiere wurden den Angaben zufolge alle über den Ausbruch des Virus informiert und sollen nun von Gesundheitsbehörden kontrolliert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekräftigt aber, dass die Infektionsgefahr klein sei und dass dies nicht mit dem Coronavirus zu vergleichen sei. Nur bei direktem und längerem Kontakt mit infizierten Menschen sei eine Ansteckung möglich.
Stewardess infiziert
Inzwischen wurde ein weiterer möglicher Fall aus den Niederlanden gemeldet. Eine Stewardess liegt mit Symptomen in einem Amsterdamer Krankenhaus. Sie stand in direktem Kontakt mit einer infizierten Frau, die wenig später an dem Virus starb.
Die infizierte Frau sollte mit einem KLM-Flug von Johannesburg nach Amsterdam fliegen. Doch die Crew hatte sie wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes nicht mitgenommen. Die niederländischen Gesundheitsbehörden haben nach eigenen Angaben Kontakt zu allen Personen an Bord des KLM-Fluges.
Zwischenstopp auf St. Helena
29 Passagiere hatten am 24. April auf der britischen Insel St. Helena im Süden des Atlantischen Ozeans das Schiff verlassen. Das war den Angaben zufolge gut zehn Tage vor der Bestätigung des ersten Hantavirus-Falls.
Auch die niederländische Frau, die wenig später in Johannesburg an dem Virus starb, verließ auf der Insel das Schiff. Etwa zwei Wochen zuvor war bereits ihr Mann an Bord gestorben. Zum Zeitpunkt des Zwischenstopps war aber unklar, dass das Hantavirus möglicherweise die Ursache war.
Auch ein Schweizer hatte in St. Helena das Schiff verlassen. Er ist jetzt ebenfalls mit dem Virus infiziert und befindet sich in einer Klinik in Zürich. Sein Zustand sei stabil, berichtet das Krankenhaus.
In Großbritannien befinden sich zwei Passagiere in Selbstisolation. Auch sie hatten das Schiff laut der Nachrichtenagentur PA auf St. Helena verlassen. Sie hätten den Behörden zufolge keine Symptome. «Das Risiko für die Allgemeinheit bleibt weiterhin sehr gering», hieß es.
«Hondius» unterwegs nach Teneriffa
Das unter niederländischer Flagge fahrende Schiff mit knapp 150 Menschen an Bord ist nun auf dem Weg nach Teneriffa, wo es am Sonntag im Hafen von Granadilla im Süden der Insel ankommen soll. Es lag tagelang vor Kap Verde vor Anker, nachdem Anfang der Woche deutlich wurde, dass es vom Hantavirus betroffen ist. Drei Menschen starben, mehrere wurden infiziert und krank.
Am Mittwoch wurden drei Personen evakuiert – zwei erkrankte Crew-Mitglieder und eine 65 Jahre alte Deutsche. Diese wurde noch am Abend in eine Klinik nach Düsseldorf gebracht. Sie hat nach Angaben der Klinik keine Symptome, stand aber in direktem Kontakt zu einer deutschen Frau, die am Virus gestorben war. Die beiden Crewmitglieder, ein 41 Jahre alter Niederländer und ein 56 Jahre alter Brite, befinden sich in Krankenhäusern in den Niederlanden.
Passagiere ohne Symptome
An Bord der «Hondius» befinden sich zwei auf Infektionskrankheiten spezialisierte niederländische Ärzte sowie zwei Epidemiologen. Keiner der Passagiere und Crew-Mitglieder weise Symptome auf, teilte der Veranstalter mit.
Die Stimmung an Bord sei gut, sagte eine Sprecherin der Reederei. «Die Menschen fühlen sich sehr miteinander verbunden», sagte sie der Nachrichtenagentur ANP.
Auf Teneriffa sollen alle Menschen an Bord untersucht und getestet werden. Wenn sie keine Symptome aufweisen, könnten sie nach Angaben des Veranstalters in ihre Heimatländer zurückkehren. An Bord sind auch sechs Deutsche. Unklar ist aber noch, wie die Heimreise organisiert wird.
Das britische Außenministerium organisiert der Nachrichtenagentur PA zufolge einen Charterflug, um symptomfreie Briten nach Hause zu bringen.
Spanier sollen in Madrid in Quarantäne
Die 14 Spanier an Bord sollen von Teneriffa aus mit einer Militärmaschine nach Madrid geflogen werden und dort in dem Krankenhaus Gómez Ulla, das über eine Isolationsabteilung verfügt, in Quarantäne gehen. Gesundheitsministerin Mónica García sagte in einem Interview mit dem Sender Cadena Ser, sie rechne auf Freiwilligkeit der Betroffenen, notfalls bestünden aber auch die gesetzlichen Voraussetzungen für eine obligatorische Quarantäne. Die Länge dieser Isolierung hänge davon ab, wann die Menschen zuletzt Kontakt zu Infizierten gehabt hätten, fügte die Ministerin im Hinblick auf die lange Inkubationszeit von bis zu 45 Tagen hinzu.
Zwar kann das Hantavirus mit Hilfe eines PCR-Tests oder eines Antikörpertests nachgewiesen werden. Diese Verfahren sind aber nicht absolut sicher. Quarantäne und Symptombeobachtung gelten daher als die sichersten Methoden, um eine mögliche Übertragung zu verhindern oder eine Infektion früh zu erkennen. Eine Impfung oder ein Medikament gegen Hantaviren gibt es derzeit nicht.
Argentinien sucht nach Ursprung der Infektionen
Forscher in Argentinien sollen nun die Frage nach dem Ursprung der Infektionen klären. In Ushuaia ganz im Süden des Landes, wo die «Hondius» am 1. April aus in See gestochen war, sollen Nagetiere einfangen und auf das Virus untersucht werden, wie die Regierung in Buenos Aires mitteilte.
Hantaviren werden meist durch infizierte Nager wie Ratten oder Mäuse übertragen. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelt es sich bei dem auf dem Kreuzfahrtschiff festgestellten Infektionen um den Andes-Typ des Virus. Ein niederländisches Paar, das die ersten Symptome zeigte und später an der Infektion starb, war nach Angaben der argentinischen Regierung bereits seit vergangenem Jahr in der Region unterwegs.
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