Zweiter Platz in der Klassenstufe 5 bis 7, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen: Levin Schuh von der Realschule Niefern (Klasse 5) über einen vereitelten Diebstahl.
Die Zwillinge Lena und Leon wollten zusammen mit ihren Eltern in den Urlaub fahren. Ihr Ziel war die Schweiz. Die Eltern hatten ein Ferienhaus nahe den Alpen gemietet. Als sie nach mehrstündiger Fahrt endlich ankamen und alles ausgepackt hatten, kundschafteten die Kinder die Umgebung aus. Da sahen sie einen fremden Jungen, der auf einem umgestürzten Baum saß und schnitzte. „Wer bist du?“, fragte Lena. Der fremde Junge antwortete: „Ich bin Timo. Und wer seid ihr?“ „Ich bin Lena, und das ist mein Bruder Leon“, antwortete Lena. „Sollen wir zusammen etwas spielen?“ „Ja, gerne. Wie wäre es mit Verstecken?“, fragte Timo. Die Geschwister waren einverstanden. Als sie mitten im Spiel waren, zeigte Leon auf ein großes, schönes Haus, das von einem großen Park umgeben war, und fragte: „Was ist das eigentlich für ein Haus?“ „Das gehört einem komischen Kauz, der niemanden an sich ranlässt“, antwortete Timo. „Er soll wohl sehr reich sein. Aber keiner kennt ihn so wirklich. Aber komm, spielen wir weiter!“
Am Abend mussten die Kinder wieder zurück in ihr Ferienhaus. Nachdem sie Pizza zu Abend gegessen hatten, gingen sie müde zu Bett. Leon konnte aber nicht einschlafen. Irgendwie vermisste er sein Zimmer und sein eigenes Bett. Er stand auf und schaute aus dem Fenster in die Nacht hinaus. In der Nähe sah er das große Haus, welches ihm schon heute Nachmittag aufgefallen war. Es lag völlig im Dunkeln. Für Leon war das Haus irgendwie unheimlich. Kein einziges Licht brannte dort. Plötzlich sah er einen Schatten im Park. „Was ist das?“, dachte sich Leon. Er sah, dass eine Gestalt am Zaun entlang ging und sich in alle Richtungen umsah. Auf den Schultern trug er einen prall gefüllten Sack. Leons Blick fiel zurück zum Haus. Da sah er, dass die Terrassentür offenstand. „Das ist bestimmt ein Dieb.“ Schnell holte er seine Digitalkamera und rannte zurück zum Fenster. Er sah gerade noch, wie die Gestalt über den hohen Zaun kletterte. Leon konnte ihn jetzt ganz deutlich sehen. Schnell richtete er seine Kamera auf ihn. In dem Moment zog die Gestalt die Maske vom Gesicht, und Leon konnte genau sein Gesicht fotografieren. Dann verschwand der Dieb.
Leon rannte aufgeregt nach unten, wo seine Eltern noch fernsahen. „Bei dem reichen Mann“, keuchte Leon, „wurde eingebrochen. Ich habe den Dieb fotografiert.“ Aufgebracht zeigte er ihnen das Foto. Der Vater rieb sich die Augen und rief ungläubig: „Tatsächlich! Schnell, wir rufen die Polizei.“ Blitzschnell griff er zum Telefon und wählte die Nummer der Polizei. Fünf Minuten später war die Polizei da, und Leon berichtete, was er beobachtet hatte. Währenddessen zeigte er ihnen die Bilder. „Ah, sieh mal an“, knurrte ein Polizist. „Das ist doch Langfinger Luke, ein lang gesuchter Dieb.“ „Vielen Dank, dass Sie so aufmerksam waren und uns gleich verständigt haben. Sie werden noch von uns hören“, verabschiedete sich ein anderer Polizist.
Am nächsten Morgen beim Frühstück klingelte es an der Tür. „Ich mach auf!“, rief Leon und sprang auf. Als er die Tür öffnete, stand ein kleiner, rundlicher Mann mit dichten Augenbrauen und einem Schnurrbart an der Tür. Seine Augen hatten einen etwas traurigen Ausdruck. „Bist du der Junge, der den Einbrecher beobachtet hat?“, fragte er mit einer etwas krächzenden Stimme. „Ja-aa“, stotterte Leon. In dem Moment kam der Vater dazu. „Mein Name ist Herr von Rosenau. Mir gehört das große Haus nebenan. Ich wollte mich bei Ihnen ganz herzlich bedanken. Sie wissen gar nicht, was Sie für mich getan haben“, sagte er mit bewegter Stimme. „Kommen Sie doch herein“, lud der Vater ihn ein, „wir frühstücken gerade. Sie können sich gerne dazusetzen.“ Kurze Zeit später saßen alle gemeinsam am Tisch. Herr von Rosenau begann zu erzählen: „Gestern war der Todestag meiner geliebten Frau. Obwohl es schon fünf Jahre her ist, dass sie gestorben ist, ist es immer noch ein sehr trauriger und schmerzlicher Tag für mich. Um mich abzulenken, unternahm ich einen langen Abendspaziergang. Ich setzte mich auf eine Bank, um mich auszuruhen, und vergaß die Zeit völlig. Ich bemerkte erst spät, wie dunkel es ist. Als ich zu Hause ankam, stand die Polizei vor meiner Tür. Es stellte sich heraus, dass viele wertvolle Erinnerungsstücke meiner Frau gestohlen worden sind. Doch dank eures Fotos konnte die Polizei den Täter erkennen und schnell festnehmen. Ich war so froh, als ich die Erinnerungsstücke zurückerhalten habe.“
Herr von Rosenau blickte Leon dankbar an. „Du hast dir eine Belohnung verdient. Eigentlich lebe ich seit dem Tod meiner Frau sehr zurückgezogen. Doch für euch steht mein Haus offen. Wenn ihr möchtet, könnt ihr jedes Jahr bei mir Urlaub machen.“ „In Ihrem schönen Haus?“, fragte Leon ungläubig. Herr von Rosenau strich ihm über das Haar und erwiderte: „Mein Haus ist so groß, und ich lebe so einsam. Da würde mir ein wenig Gesellschaft von so lieben Menschen ganz guttun.“ Und seine Stimme war gar nicht mehr krächzend, sondern ganz freundlich. Somit erlebten sie gemeinsam schöne Ferien. Herr von Rosenau zeigte ihnen viele Sehenswürdigkeiten und schöne Orte in der Schweiz. Am letzten Tag klopfte Timo Leon anerkennend auf die Schulter und sprach: „Nicht schlecht, Leon. Das war wirklich eine Glanzleistung!“ Doch Leon winkte ab: „Ach, eigentlich war das nur Zufall.“ Und als sie später wieder im Auto saßen, dachte er sich: „Ich habe in diesen Ferien einen großen Schatz gefunden. Wertvoller als Geld. Nämlich gleich zwei neue Freunde.“

