Haus der Evangelischen Kirche
Hier wird aufgetischt. Im Elisabeth Schumacher Saal (Ecke rechts) im Haus der evangelischen Kirche an der Melanchthonstraße 1 findet das neue Projekt statt.
Meyer
In eigener Sache
„Menschen in Not“ ermöglicht einmal im Monat ein Mittagessen für ältere Menschen aus Pforzheim

Pforzheim. Hat sie an alles gedacht? Es ist eine Premiere. Sarah Spohn, Abteilungsleiterin Soziale Beratung bei der Diakonie Pforzheim, lässt ihren Blick ins Rund des offenen Besprechungsraums im schönen Gebäude gegenüber der Stadtkirche schweifen. Sie scheint die Tische zu scannen. Wie viele Männer und Frauen werden heute kommen? Wird das neue Angebot angenommen?

Dann öffnet sich die Türe und das gespannte Warten wird nicht enttäuscht. Vorsichtig treten die ersten Gäste ein. „Ja, Sie sind richtig“, begrüßt Spohn sie mit spürbarer Erleichterung und Freude. Heute findet zum ersten Mal ein neues Angebot statt, das dem Projektbeirat von „Menschen in Not“ ganz besonders am Herzen liegt: Künftig gibt es im Haus der evangelischen Kirche einmal im Monat ein warmes Mittagessen und Gesellschaft für betagte Menschen aus Pforzheim. Insgesamt 10.000 Euro sind für zehn Mittagessen im Jahr 2026 veranschlagt. „Menschen in Not“ trägt die gesamten Kosten. Und das ist gut. Denn hier, im Herzen der Stadt, kommen Menschen zusammen. Hier entsteht an diesem Mittag etwas Wertvolles: Begegnung. Nähe. Gemeinschaft.

Menschen in Not Mittagessen für Senioren
Ehrenamtlich hilft Marc Kunzmann in der Küche mit.
Röhr

Viele Gäste sind glücklich und dankbar. „Schreiben Sie das ruhig“, sagt die 57 Jahre alte Hanne B. (Name geändert). „Dafür kann man sich nur bedanken.“ Sie lebt von einer kleinen Rente, knapp über der Grundsicherung. Für sie zählt jede Entlastung – und doch ist es nicht nur das Essen, das ihr guttut. „Es ist schön, dass hier Menschen sind, die zuhören. Sonst gibt es das nicht.“

Menschen in Not Mittagessen für Senioren
Der knackige Salat wird von Marc Kunzmann auf Portionsgröße verteilt.
Röhr

Für diese erste Runde wurden gezielt Seniorinnen und Senioren eingeladen, die die Beratungsstelle „Hilfen im Alter“ besuchen, ebenso Gäste der Diakoniepunkte in der KF und in Dillweißenstein. „Zum Auftakt ist das Essen kostenlos“, erklärt Spohn. „Langfristig denken wir über einen symbolischen Euro nach, ähnlich wie bei der Vesperkirche.“

Die Mahlzeit kommt von Goll Gastronomie aus Niefern-Öschelbronn: Kräuterbraten mit Spätzle und Salat, später Kaffee und Kuchen. In ruhiger Atmosphäre werden die Teller serviert, Gespräche entstehen, ein Lächeln wandert über manche Gesichter. Stunden, die guttun und fehlen würden, wenn es dieses Angebot nicht gäbe.

„Senioren wurden in den vergangenen Jahren in Pforzheim vernachlässigt“, sagt Thomas Lutz, Geschäftsführer der Diakonie. Die beiden Seniorenbegegnungsstätten erhielten keine Förderung mehr; dennoch führte das Diakonische Werk die Treffs in Dillweißenstein und in der KF weiter. Momentan laufen Gespräche mit der Stadt, ob Familienzentren künftig Angebote für Ältere integrieren können.

Menschen in Not Mittagessen für Senioren
Sarah Spohn, Abteilungsleiterin Soziale Beratung bei der Diakonie Pforzheim, und Martin Flasch, Hilfen im Alter, versorgen die Gäste mit Mittagessen.
Röhr

Umso mehr freut sich Lutz über den Start des neuen Mittagstischs. „Einsamkeit macht krank“, betont er. Studien zeigen: Wer allein ist, leidet häufiger unter Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden und psychischen Problemen. Regelmäßige Begegnung hingegen schafft Netzwerke – praktische Hilfen entstehen wie von selbst. „Alle, die hierherkommen, sind in Not: die einen in Kontaktnot, die anderen in existenzieller Not“, so Lutz.

Menschen in Not Mittagessen für Senioren
Thomas Lutz, Geschäftsführer der Diakonie Pforzheim, berichtet Susanne Knöller, Vorsitzende von „Menschen in Not“, von den Angeboten für ältere Menschen.
Röhr

In der Evangelischen Kirche gibt es inzwischen einen eigenen Themenbereich „Begegnung schaffen“. Aus diesem Bereich ist bei den Mittagessen immer jemand dabei und wird auch einen kurzen geistlichen Impuls geben. Vielleicht entwickeln sich daraus sogar Spielenachmittage – Raum und Bereitschaft sind vorhanden.

Was bereits sichtbar wurde: Ein gemeinsamer Mittagstisch kann mehr sein als eine warme Mahlzeit. Er kann ein sicherer Ort sein, ein Stück Lebensqualität, ein Lichtblick im Monat. Damit dieses Angebot dauerhaft bestehen kann, ist „Menschen in Not“ auf Spenden angewiesen. Jede Unterstützung hilft, Einsamkeit zu lindern und Gemeinschaft zu ermöglichen.

Die nächsten Termine (jeweils dienstags): 13. Januar, 24. Februar, 17. März, 14. April, 12. Mai und 16. Juni 2026.