Filmfestival in Cannes
Sandra Hüller spielt im Drama «Vaterland» Erika Mann.
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Regisseurin Valeska Grisebach
Valeska Grisebach präsentiert im Wettbewerb ihren Film «Das geträumte Abenteuer». (Archivbild)
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Kino
Große Cannes-Momente für deutsche Stars und Geschichte

Stars wie Kristen Stewart, Adam Driver und Woody Harrelson präsentieren in Cannes ihre neuen Filme. Doch neben internationalen Größen sind in diesem Jahr bei dem glamourösen Filmfest auch viele deutsche Namen präsent. Allen voran Sandra Hüller, die in «Vaterland» als Erika Mann mit ihrem Vater Thomas Mann durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland reist - und dafür gefeiert wird.

Hinzu kommen etwa Regie-Größe Volker Schlöndorff, die Schauspieler Lars Eidinger, Jella Haase, Hanns Zischler, August Diehl und Regisseurin Valeska Grisebach, die mit ihrem Film «Das geträumte Abenteuer» ins Rennen um die Goldene Palme geht. Auffällig: Mehrere Produktionen beschäftigen sich mit deutscher Geschichte und Identität. 

Produktionen beziehen sich auf deutsche Geschichte

So zählt «Vaterland» des polnischen Regisseurs Pawel Pawlikowski, ein minimalistisch in Schwarz-Weiß gehaltenes Drama, bei Kritikern zu den frühen Favoriten im Wettbewerb. In «Moulin» des ungarischen Filmemachers László Nemes über den französischen Widerstandskämpfer Jean Moulin verkörpert Lars Eidinger den Gestapo-Chef Klaus Barbie. Und in Schlöndorffs Film «Heimsuchung - Eine Jahrhundertgeschichte», der außerhalb des Wettbewerbs läuft, wird ein Haus zum Speicher eines ganzen Jahrhunderts. 

Filmfestival in Cannes
Der Film «Vaterland» von Pawel Pawlikowski kam in Cannes gut an.
Scott A Garfitt/Invision/AP/dpa

Was macht das deutsche Kino für Cannes attraktiv? Aus Schlöndorffs Sicht sind Franzosen immer neugierig auf Deutschland gewesen. «Das ist ja so eine sogenannte Hassliebe. Sie sehen das Beste und das Schlimmste in uns und mögen, wenn wir das in unseren eigenen Filmen dann auch reflektieren.» Andersherum gebe es für die Branche hier «die größte Möglichkeit», den Film in die ganze Welt zu vertreiben.

Schlöndorff: Cannes-Einladung damals wie «ein Ritterschlag»

Seine Günter Grass-Verfilmung «Die Blechtrommel» hatte 1979 bei dem Filmfestival die Goldene Palme gewonnen. Er sei damals gleich aufgenommen worden in die internationale Filmgemeinschaft, erinnert sich der 87-Jährige. Das sei etwas wie «ein Ritterschlag» gewesen. «Jetzt gehörst du dazu. Ja, und wie bangt man, wenn man anfängt, ob man es schafft, dazuzugehören.»

Nun kehrt er mit «Heimsuchung» zurück, eine Verfilmung von Jenny Erpenbecks gleichnamigem Roman. In dem Drama mit Martina Gedeck, Lars Eidinger und Ulrich Matthes erzählt er eine Generationengeschichte, angesiedelt in einem Haus am See in Brandenburg. Über mehrere Jahrzehnte – von der Weimarer Republik bis zum Abriss des Gebäudes – spiegeln sich hinter dessen Mauern die Katastrophen des 20. Jahrhunderts: NS-Diktatur, Krieg, DDR und die Umbrüche nach 1989.

Filmfestival in Cannes - "El ser querido"
Der Cast von «Heimsuchung» kam nach Cannes.
Terenghi/Ipa-Agency.Net/IPA via ZUMA Press/dpa

«Irgendwie kommt die Politik immer bis auf diese entlegene kleine Enklave am See», sagt Schlöndorff. Ihm gelingt ein eindringliches Panorama deutscher Geschichte, das Schrecken und Verlust ebenso zeigt wie die seltenen Momente von Glück und Menschlichkeit. Besonders die eindrucksvollen Naturbilder verleihen dem Film trotz aller Härte eine poetische, fast versöhnliche Atmosphäre.

«Vaterland» hingegen verbindet politische Geschichte mit einer intimen Vater-Tochter-Beziehung zwischen dem berühmten Schriftsteller Thomas Mann (Hanns Zischler) und seiner Tochter Erika. Pawlikowski ist ein berührendes Porträt über Familie, Trauer, Identität, Exil und Heimat gelungen, das auf historischen Ereignissen beruht, aber keine historische Rekonstruktion sein soll. 

Welche Szenen für Hüller in «Vaterland» am schwierigsten waren

Die beiden Manns unternehmen für einen Besuch einen Roadtrip durch Deutschland im Jahr 1949. Thomas Mann hält anlässlich des 200. Geburtstags von Goethe im westdeutschen Frankfurt am Main sowie in Weimar in der sowjetischen Zone eine Rede. Doch die Reise wird durch den Tod von Klaus Mann (Diehl) überschattet. 

Für sie seien die Szenen am schwierigsten gewesen, in der es um die tiefe Trauer der Figuren ging, sagt Hüller. «Und zwar nicht nur über den Verlust des Familienmitglieds Klaus Mann, sondern auch über den Verlust der Heimat. Das ist etwas, das mich persönlich die ganze Zeit begleitet hat.»

In Cannes wird die Schauspielerin für ihre Darstellung hochgelobt. Das Magazin «Variety» schreibt etwa, ihr «GPS ist auf das Oscar-Rennen im nächsten Jahr eingestellt». Schon 2023 feierte sie hier große Erfolge: Das Drama «Anatomie eines Falls» gewann damals die Goldene Palme, später wurde sie für ihre Rolle für einen Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert.

Jella Haase: Europas Vielfalt im Film noch mehr feiern

Zum ersten Mal an der Croisette ist hingegen Schauspielerin Haase («Kleo», «Fack ju Göhte»). Die 33-Jährige spielt in dem Wettbewerbsfilm «Gentle Monster» der Österreicherin Marie Kreutzer an der Seite von Léa Seydoux, Laurence Rupp und Catherine Deneuve. Das vielschichtige Drama handelt von einer Frau, deren Leben aus den Fugen gerät, als sie ein dunkles Geheimnis ihres Mannes entdeckt.

Filmfestival in Cannes - "Gentle Monster"
Jella Haase ist im vielschichtigen Drama «Gentle Monster» zu sehen.
Olivier Chassignole/AFP/dpa

Haase hält die deutsche Präsenz dieses Jahr generell für ein «europäisches Phänomen». Tatsächlich bleiben große US-Studios dem renommierten Filmfest in diesem Jahr größtenteils fern, Europas Kino gewinnt international an Bedeutung. «Das ist ganz toll und wünschenswert, dass wir in Europa diese Vielfalt richtig nutzen und Co-Produktionen eingehen», findet die Schauspielerin. 

In «Gentle Monster» wird Englisch, Französisch und Deutsch gesprochen. «Es ist schön zu sehen, dass das so funktioniert. Wir könnten das noch viel mehr ausnutzen und feiern, dass wir in Europa diese große Vielfalt haben.»

Festival de Cannes

© dpa-infocom, dpa:260517-930-91002/1

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