Howard Carpendale
Streamingdienste machten alles kaputt, sagt Sänger und Entertainer Howard Carpendale. (Archivbild)
Rolf Vennenbernd/dpa
Boulevard/Kultur
Howard Carpendale: «Streamingdienste machen alles kaputt»

Schlagersänger Howard Carpendale hat vor einem tiefgreifenden Wandel in der Musikbranche gewarnt. «Ich sage den Satz ungern, aber die Leute haben noch nicht verstanden, dass die Musik allmählich ausstirbt. Jedenfalls die Musik, die wir kennen, die wir machen», sagte der 80-Jährige der «Zeit». Streamingdienste hätten die Branche grundlegend verändert, und Hits, die ein ganzes Land bewegen, gebe es kaum noch. 

«Die Streamingdienste machen alles kaputt», sagte Carpendale. Auch wenn viele Kollegen sagten, die Geschäfte liefen besser denn je, halte er als ehrlicher Mensch dagegen: «Das stimmt vorn und hinten nicht.» Früher habe man Goldene Schallplatten für 250.000 verkaufte Alben bekommen, heute gebe es sie für 75.000. Aber das schaffe fast keiner mehr: «Komponisten, Sänger, Arrangeure – wir sind raus, weg.» 

Carpendale kritisiert Kluft zwischen Arm und Reich

Carpendale äußerte sich auch kritisch zur gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Die Schere zwischen Arm und Reich mache ihn «wahnsinnig». Das Bildungssystem sei vielerorts marode. «Das Land hat seit 40 Jahren geschlafen», sagte er und betonte, dass er sich weiter berufen fühle, etwas Gutes zu tun. 

Der gebürtige Südafrikaner, der seit über 60 Jahren auf der Bühne steht, plant in diesem Jahr seine Abschiedstournee durch Deutschland. Vor so einer Tournee sei er nicht aufgeregt. Er wisse auf der Bühne genau, was er zu 
tun habe, sagte Carpendale. «Ich habe die Gabe, ein Publikum runterzubringen, sodass 10.000 Menschen ganz still sind. Eine Minute später mache ich sie so laut, dass sie noch in der nächsten Stadt zu hören sind.»

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