Ein seit sechs Jahren verschwundenes Mädchen - einer von zahlreichen Cold Cases der Frankfurter Polizei. Auch wenn der Fall bei den Akten gelandet ist, hat er Kommissarin Maryam Azadi nicht losgelassen. Als es neue Hinweise gibt, rollt die empathische Polizistin den Fall wieder auf.
An ihrer Seite: ihr Kollege Hamza Kulina. Für das Duo ist es die zweite gemeinsame Ermittlung. Ihr Start als neues Team beim Frankfurter «Tatort» Anfang Oktober hatte Lust auf mehr gemacht. Viel mehr.
Nach dem Auftakt mit dem Titel «Dunkelheit» folgt nun: «Licht». Zu sehen ist der Krimi vom Hessischen Rundfunk (hr) am Sonntag (30.11. um 20.15 Uhr) im Ersten. Er ist dann auch in der ARD-Mediathek abrufbar.
Zwischen den Hauptdarstellern Melika Foroutan und Edin Hasanović stimmt die Chemie ebenso wie zwischen den Figuren, die sie spielen. Beide Kommissare sind nicht ganz freiwillig im Keller der Frankfurter Polizei gelandet, in der Abteilung für Cold Cases.
Sachlich, aber mitfühlend
Aber beide nehmen ihren Job ernst, weil sie erkennen, welche enorme Bedeutung er für die Angehörigen hat. Und noch eine Eigenschaft zeichnet das Duo aus: Sie verbinden notwendige, sachliche Nüchternheit mit großem Mitgefühl. Im neuesten Fall ist es Anna Reiter (Maren Eggert), die die Kommissare mit ihrer verzweifelten Suche nach ihrer Tochter bewegt.
Die kleine Viktoria ist als Dreijährige zusammen mit ihrem Vater Julian nahezu spurlos verschwunden. Und die Spuren, die es gab, deuteten darauf hin, dass der Vater sich und seiner Tochter das Leben genommen hat. Weil die beiden aber nicht gefunden wurden, landete der Fall bei den ungeklärten Cold Cases. Auch bei Maryam Azadi waren Restzweifel geblieben.
Als Anna Reiter in Social Media einen Suchaufruf startet und eine Belohnung für Hinweise verspricht, beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Ein Obdachloser behauptet, Viktoria sei noch am Leben. Kurz darauf ist der Mann tot, und Anna gilt plötzlich als mordverdächtig. Bei ihren Nachforschungen bekommen es Azadi und Kulina mit einer gefährlichen Sekte zu tun.
Autor Senad Halilbašić, der auch am Buch zum ersten Fall des neuen Kommissar-Duos mitschrieb, entwickelt einen spannenden Cold Case, der plötzlich brandaktuell wird. Regie führte Rick Ostermann, der erst kürzlich mit der starken und außergewöhnlichen ARD-Reihe «Hundertdreizehn» überzeugte.
Das Licht und seine Wirkung
Das Thema «Licht» spielt dabei nicht nur inhaltlich eine Rolle, es dient auch als filmisches Mittel, wie Ostermann im ARD-Interview sagt: «Wir wollten nicht nur zeigen, wie das Licht wirkt, sondern auch, wie es reflektiert, gebrochen und zurückgeworfen wird – genau wie die Überzeugungen der Figuren selbst.»
Die Sonne sollte demnach eben auch in der Bildsprache allgegenwärtig sein: als wärmendes, hoffnungsvolles Element, aber auch als gnadenloses, fast übermächtiges Prinzip.
Dabei sollte das Licht immer wieder gespiegelt werden: in Glasflächen, im Wasser, auf Metall oder in den Augen der Figuren, so der Regisseur. «So entsteht eine visuelle Mehrdeutigkeit – das Licht zeigt sich, aber es blendet auch; es offenbart und verschleiert zugleich.»
Fazit: Die zweite Folge des neuen Frankfurt-Tatort-Duos knüpft in jeder Hinsicht an die Premiere an. Sehenswert. Man darf auf den dritten Fall der Cold-Case-Spezialisten gespannt sein.
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