Vampire sehen im Europa des 21. Jahrhunderts ziemlich gewöhnlich aus. Manche tragen Strickpulli zu langer Unterhose, andere Hemd und Lederjacke oder Latzhose mit Gummistiefeln. Sie fallen also kaum auf, gäbe es da nicht einen Haken: Sie töten Menschen und trinken ihr Blut - zumindest viele von denen, die noch übriggeblieben sind.
Mit der zweiten Staffel der erfolgreichen Mystery-Thriller-Serie «Oderbruch» setzt die ARD die Geschichte rund um eine brutale Mordserie und die Enttarnung eines Vampir-Ordens fort. Die sechs Folgen sind seit Freitag in der ARD-Mediathek (am 22. und 27. Februar werden sie im Fernsehen ausgestrahlt).
Kampf gegen die eigenen Triebe
Die Vampir-Geschwister Kai (Julius Gause) und Maggie Kring (Karoline Schuch) wollen darin dem mörderischen Treiben der Vampire ein Ende setzen und machen Jagd auf ihre Artgenossen. Ihre Reise führt sie weg aus dem düsteren Oderbruch im deutsch-polnischen Grenzgebiet, quer durch Europa bis ins sonnige Spanien. Immer wieder kehrt die Handlung aber auch ins fiktive Krewlow in Brandenburg zurück, dem Heimatort von Kai und Maggie.
«Wir sollten mehr Menschen retten, als ich auf dem Gewissen habe», sagt Kai, den seine Vergangenheit quält, zu seiner Schwester. Inzwischen ist es dem Vampir gelungen, auf Tierblut umzusteigen. Maggie hingegen, die erst seit kurzem von ihrer wahren Identität weiß, hat ihr starkes Verlangen nach Menschenblut noch nicht überwunden und muss ständig gegen ihre Triebe ankämpfen.
So erfolgreich war die erste Staffel
Mit der ersten Staffel landete die ARD Anfang 2024 einen Hit. Fast 13 Millionen Abrufe erzielte sie eigenen Angaben zufolge bisher in der ARD-Mediathek. Die zweite «Oderbruch»-Staffel ist genauso düster und blutig, aber deutlich actionreicher als die erste. Es wird gekämpft, geschossen und natürlich gebissen.
Karoline Schuch bereitete sich mit einer Kung-Fu-Trainerin auf die zweite Staffel vor, Julius Gause fing mit dem Kickboxen an. Als Vampire haben sie übermenschliche Kräfte.
Dabei wünscht Vampirin Maggie sich eigentlich ihr normales Leben ohne Verfolgungsjagden und heimliches Bluttrinken aus dem Flachmann zurück. Sie hadert mit ihrer Abstammung. «Wann ist das Ende, wann ist deine Schuld beglichen?», fragt sie ihren Bruder Kai, der antwortet: «Wir werden nicht aufhören, bis sie alle tot sind. Jeder einzelne.»
«Wer dich besitzt, hat alle Macht»
Doch die Vampir-Bosse und Angehörigen eines sinistren Vampir-Ordens haben ihren ganz eigenen Plan. Sie wollen das Überleben ihrer Art sichern. Sie werden hervorragend gespielt von Sabin Tambrea und Martin Feifel. Als Schauspieler mit transsylvanischen Wurzeln habe er sich besonders über das Angebot gefreut, einen Vampir spielen zu dürfen, sagt Tambrea.
Als die Vampir-Bosse herausfinden, dass Maggie eine Tochter hat, die in Spanien lebt, fassen sie einen Entschluss: Sie wollen Maggie und Vera (Emily Kusche) in ihre Gewalt bringen, um Nachkommen für den aussterbenden Orden zu zeugen.
Denn Mutter und Tochter sind die letzten noch lebenden Frauen ihrer Art. «Wer dich besitzt, hat alle Macht», sagt einer der Bösewichte zu Maggie. Die will ihre Tochter, die sie nach der Geburt zur Adoption freigab, beschützen. Auch der mittlerweile suspendierte Polizeibeamte Stanislaw Zajak, gespielt von «Polizeiruf»-Star Lucas Gregorowicz, taucht in Staffel zwei wieder auf und mischt sich in die dramatischen Geschehnisse ein.
Moderne Vampire ohne spitze Zähne
Mit beeindruckenden Drohnenaufnahmen und einem liebevollen Set-Design ist «Oderbruch» vor allem visuell überzeugend. Manche Szenen wirken allerdings etwas albern, etwa wenn die Geschwister wie in einem Survival-Camp das Kämpfen üben oder auf der Flucht vor der Polizei, mit Sonnenbrille und blond gefärbten Haaren getarnt, über die Landstraße heizen.
Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die ARD sich mit «Oderbruch» traut, mit üblichen Sehgewohnheiten und bekannten Serienformaten zu brechen. Im Gegensatz zu Vampir-Klassikern wie «Nosferatu» haben Maggie, Kai und ihre Artgenossen keine spitzen Zähne und schlafen auch nicht in Särgen.
Sie sehen aus wie normale Menschen, nur halt mit Superkräften und einem unstillbaren Durst nach Blut. Wird Maggies und Kais Abstammung ihnen zum Verhängnis? Ohne Todesopfer kommt auch die zweite Staffel nicht aus, so viel soll verraten sein.
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