Im Bestseller «Generation Golf» beschrieb Florian Illies vor gut 25 Jahren nostalgisch die heile Welt deutscher Mittelschichtskinder der 80er Jahre. Sie durften damals samstagabends im Kapuzenbademantel «Wetten, dass..?» gucken: «Niemals wieder hatte man in späteren Jahren solch ein sicheres Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das Richtige zu tun.»
Auf diesem trügerischen Gefühl aus der Vergangenheit und der Fernsehtradition der Samstagabendshow wird in der neuen halbstündigen Satire «ZDF Magazin vor Ort» mit Caro Worbs herumgeritten (Start im ZDF-Streaming-Portal 25. September; linear 25.9., 23.00 Uhr).
«Mit nassen Haaren vorm Fernseher»
«Ich saß als Kind schon am Samstagabend nach dem Baden mit nassen Haaren vor dem Fernseher», sagt Reporterin Joana Giesswein (gespielt von Caro Worbs), die in einer epischen Countdown-Show mit dem Publikum hinter die Kulissen der letzten Ausgabe der fiktiven Show «Was ist da im Busch?» schaut.
Auch der hinter den Kulissen interviewte Showgast Henning Krautmacher (Ex-Höhner-Frontmann, «Wenn nicht jetzt, wann dann?») hat «schon als kleiner Junge mit nassen Haaren vorm Fernseher jesessen».
Im «ZDF Magazin vor Ort» geht das «ZDF Magazin Royale»-Team um Jan Böhmermann (dessen Format bekanntlich Ende des Jahres endet) raus aus der gewohnten Umgebung und «berichtet fast live von fast echten Ereignissen», wie die Beschreibung des Formats lautet.
In dieser neuen Ausgabe geht es um die angeblich 1977 bis 2013 ausgestrahlte Show «Was ist da im Busch?», die in Deutschland, Österreich und der Schweiz und natürlich auch in Liechtenstein Kultstatus genießt.
«Das wird man wohl noch sagen dürfen...»
Moderiert hat sie der angeblich legendäre Showmaster Achim «Trenki» Trenkberger (Miguel Robitzky), der heutzutage eigentlich nur noch einen Podcast mit seinem Kumpel und Wegbegleiter Luggi Kramer macht - Titel: «Das wird man wohl noch sagen dürfen - Früher war halt alles anders - Da haben wir uns über so was noch keine Gedanken gemacht».
«Trenki» soll 13 Jahre nach der letzten regulären Ausgabe eine Abschiedsshow bekommen, die an alte Zeiten erinnert.
Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind bei diesem Format natürlich null zufällig. Denkt hier irgendjemand etwa an «Wetten, dass..?» oder andere bekannte TV-Shows?
Die stets zu laut und bemüht sprechende Backstage-Moderatorin Giesswein füllt jedenfalls in der Pre-Show «ZDF Magazin vor Ort: Was ist da im Busch? – Der Countdown» die halbe Stunde vor diesem TV-Event aus der «Stadthalle Fellbach», als wäre es so was wie der Eurovision Song Contest.
Arbeitet sich das jüngere ZDF-Team hier an Gottschalk ab?
«Trenki» ist laut den Beschreibungen und den liebevoll retromäßig gemachten Ausschnitten zufolge irgendwas zwischen Peter Frankenfeld, Hans-Joachim Kulenkampff, Hans Rosenthal, Michael Schanze, Jürgen von der Lippe, Mike Krüger und natürlich Thomas Gottschalk.
Die Samstagabendshow «Was ist da im Busch?» war irgendwas mit Butler, ein paar Meerschweinchen, lustigen Ratespielen wie «Die springende Frikadelle» oder «Meine Frau ist dümmer» sowie Top-Stars der jeweiligen Zeit.
Es gab natürlich auch eine vom Moderator sexistisch behandelte Assistentin namens Pamela «Pammel» Hoffmann (auch gespielt von Caro Worbs), mit der es 2001 einen Skandal gab und jetzt eine Versöhnung stattfinden soll.
Bei der aktuellen Revival-Ausgabe hat Lars Klingbeil eine Garderobentür neben Zendaya, wie Giesswein zeigt, die auch aus dem Cateringbereich moderiert oder den «ZDF-Abteilungsleiter der Stabsstelle "Show, Kabarett & Lanz"» kurz befragt, außerdem auf die TikTok-Drillinge hinweist, die für die Show «ins Netz schauen». Ach ja: Es gibt auch einen Twitch-Stream irgendwie.
Gastauftritte von Sonya Kraus und Pierre M. Krause
Die Satire über unbeholfenes Live-Fernsehen und die gar nicht so tolle gute alte Zeit ist nicht zum Brüllen komisch, aber liebevoll gemachtes, nerdiges Fernsehen zum Schmunzeln.
Caro Worbs parodiert die Show-Welt der alten Samstagabendunterhaltung. Unterstützung in Kurzauftritten gibt es etwa von Sonya Kraus, Marijke Amado, Bettina Böttinger, Pierre M. Krause und natürlich Jan Böhmermann.
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