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Einen wehmütigen wie wunderbaren Ausklang als Leiter des Maulbronner Kammerchors gab’s an diesem Wochenende für Jürgen Budday. Foto: Fotomoment
Einen wehmütigen wie wunderbaren Ausklang als Leiter des Maulbronner Kammerchors gab’s an diesem Wochenende für Jürgen Budday. Foto: Fotomoment
Ein Könner am Taktstock: Jürgen Budday. Foto: Fotomoment
Ein Könner am Taktstock: Jürgen Budday. Foto: Fotomoment
20.06.2016

Abschiedskonzert: Jürgen Budday begeistert noch einmal mit Maulbronner Kammerchor

Mit einer ebenso feierlichen sowie meisterhaften Interpretation von Bachs Messe in h-Moll hat der Maulbronner Kammerchor am Wochenende den Abschied für seinen Gründer und musikalischen Leiter Jürgen Budday gegeben. Gemeinsam mit der Hannoverschen Hofkapelle begeisterte der Chor unter Buddays Leitung das Publikum in der ausverkauften Klosterkirche Maulbronn. Große Spielfreude und höchstes Niveau fügten sich ineinander. Für Jürgen Budday gab es langen Applaus und stehende Ovationen.

Die Kerzen brannten festlich und schon beim Einzug des Chors wurde erwartungsfroh geklatscht. Umso lauter, als Jürgen Budday das Podium betrat, eine Art Begrüßung des Publikums: „Danke, dass Sie – für uns, für sich, überhaupt für Gott und alles – die h-Moll Messe spielen.“ Letzten Herbst wurde Bachs Handschrift in die Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen.

Die Aufführungen am Samstag und Sonntag in der Unesco-Welterbe-Stätte Maulbronn bildeten somit einen logischen Schlussstein von allem, was Jürgen Budday seit der Chorgründung 1979 in Maulbronn aufgebaut hat. Ansporn für den ehemaligen Musiklehrer war stets, dass der Spielort Maulbronn „nach dem Besten“ verlange. Diese h-Moll-Messe wurde dem Anspruch vollauf gerecht. Dieser Abschied war vom Feinsten.

Bereits das Kyrie zu Beginn der Messe umarmte das Publikum mit einem warmen, runden Chorklang und einer durchweg harmonischen Ausgewogenheit der Stimmen. Den darauf folgenden Instrumentalsatz formte Budday behutsam, leicht wiegend, in erhabener Ruhe, auf dass der Chor abermals sein Kyrie anstimmen konnte. Insbesondere bei den hervorragend koordinierten Fugen zeigte der Chor seine Stärken: klare Tenöre, bewegliche und kräftige Bässe, stützende, wohlig klingende Altistinnen und eine strahlende Soprangruppe. In der weiten Akustik des großen Gotteshauses war der Maulbronner Kammerchor immer klanglich transparent. Das Konzertgeschehen findet in Maulbronn ja lediglich in der unteren Hälfte des riesigen Kirchenschiffs statt. Der lange Nachhall entschwindet nach hinten, flieht jenseits des steinernen Lettners und ist dort hinter der Chorschranke noch für eine gute Sekunde zu hören. Vor allem bei den vollen Schlussakkorden in Dur der jeweiligen Sätze ein Hörerlebnis.

Mit der Hannoverschen Hofkapelle arbeitet Buddays Ensemble seit nunmehr 14 Jahren zusammen, und die Partner sind hervorragend aufeinander eingespielt. Musiziert wurde auf historischen Instrumenten.

Vor allem die solistischen Begleitungen in Arien und Duetten beeindruckten. Liebevoll ausgestaltet war etwa im Gloria das Duett mit Sopranistin Heidi Meier, Tenor Colin Balzer, den zwei Flöten und einer zupfenden Continuo-Gruppe. Hierin erwies die Interpretation nicht zuletzt eine große Ehrerbietung an Bach und dessen barocke Möglichkeiten orchestraler Klangfarbe.

Kein Mann fürs Rampenlicht

Regelrecht kernig im Sound erklang das ventillose Naturhorn im Bass-Solo mit Albrecht Pöhl. Als kurzfristige Änderung in der Besetzung sang die Altistin Ursula Eittinger, die bereits 2008 bei der h-Moll-Messe bei dem Maulbronner Kammerchor mitwirkte.

Noch als Budday nach dem letztem Takt die dirigierenden Hände oben hatte, wurde schon begeistert geklatscht. Doch Budday, Kirchenmusikdirektor und ehemaliger Musiklehrer, ist nicht der Typ, der sich ins Rampenlicht stellt und beklatschen lässt. Erst dankte er den Solisten, dem Ensemble, bevor er sich verbeugte.