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Adolf Muschg bei der Ehrung mit dem Hesse-Preis. Foto: Recklies
Adolf Muschg bei der Ehrung mit dem Hesse-Preis. Foto: Recklies
15.05.2017

Adolf Muschg mit Preis der Internationalen Hermann Hesse Gesellschaft ausgezeichnet

Calw. Auch wenn er sich über Würdigungen freut, so sind Lobreden, wie sie am Samstag der Muschg-Kenner Christoph Gellner in der Calwer Aula hielt, für den Schriftsteller Adolf Muschg nur schwer zu ertragen, wenn man seinen Dankesworten glaubt. „Man hat ja das diabolische Bedürfnis, wenn so schön über einen geredet wird, dem Lobredner in die Parade zu fahren und zu sagen: Nicht mal das Gegenteil ist wahr. Aber zugleich ist man wieder ungemein geschmeichelt, dass diese schönsten Augenblicke des Lebens einem mit den schlimmsten, die man vielleicht vor allem als Kind in Erinnerung hat, gemeinsam, dass man sich schämt. Das klingt enorm protestantisch, aber ist eigentlich nicht so gemeint“, sagte Muschg bisweilen augenzwinkernd.

Zuvor hatte der schweizerische Schriftsteller als erster Preisträger den von der Hesse-Enkelin Sybille Siegenthaler-Hesse und ihrem Mann Hanspeter Siegenthaler gestifteten Preis der Internationalen Hermann Hesse Gesellschaft (IHHG) aus den Händen Karl-Josef Kuschels, dem Präsidenten der IHHG, in Empfang genommen. Es sei, anlässlich seines 83. Geburtstags, den Muschg am Samstag feierte, ein wunderbares Geburtstagsgeschenk, so der 1934 in Zollikon im Kanton Zürich geborene Autor. Er war an seinem Jubeltag mit seiner Frau, der Japanerin Atsuko Kanto, in die Geburtsstadt des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse gekommen, um den mit 10 000 Euro dotierten Preis entgegenzunehmen.

Für den Calwer Oberbürgermeister Ralf Eggert, wie auch den IHHG-Präsidenten Kuschel steht außer Frage, dass mit Muschg – wie von der Jury einstimmig empfohlen – ein würdiger Preisträger für den erstmals vergebenen Preis gefunden wurde.

Mit dem Preis, der künftig alle zwei Jahre vergeben werden soll, so machte es Karl-Josef Kuschel deutlich, sollen einerseits Wissenschaftler oder Autoren gewürdigt werden, die sich um Themen, die Hesse zeitlebens wichtig waren, verdient gemacht haben, die einen „Dienst an Werk und Wirkung“ Hesses vollbracht haben. Gleichzeitig will die IHHG mit dem Preis Hesse als einen „Vordenker des interreligiösen und interkulturellen Dialogs“ weiter im Bewusstsein halten. Nicht zuletzt um neue Mitglieder für die 2002 gegründete IHHG zu gewinnen. Denn der sei es in den vergangenen 15 Jahren nicht gelungen, „ausreichend viele Mitglieder zu gewinnen“, um Hesse mit der Gesellschaft gerecht werden zu können. Muschg, das machte der Laudator Gellner deutlich, hat sich einerseits in seinen Arbeiten stets dem interkulturellen Dialog verpflichtet gefühlt, setze sich andererseits auch seit Jahrzehnten intensiv und kritisch mit Hesse auseinander. Dies machte Gellner anhand zahlreicher Auszüge aus Interviews und Texten Muschgs deutlich, aus denen er nicht nur zitierte, sondern deren Verbindung zu Hesses Ideen und Idealen er auch gelungen aufzeigte.

Muschg, so Gellner, sei derjenige in der deutschen Gegenwartsliteratur, der sich „am intensivsten mit asiatischer Geistigkeit und Spiritualität auseinandergesetzt hat“. Er habe den auch von Hesse vollzogenen westöstlichen Brückenschlag in seinem Werk geschafft, so dass er den erstmals vergebenen Preis „zu Recht erhalte“.