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Auf dem Münsterplatz erinnern diese Figuren an Einstein. Foto: Puchner

Albert Einstein: Ulm huldigt dem größten Sohn der Stadt

Ulm. Der Schöpfer der Relativitätstheorie soll in seiner Geburtsstadt Ulm mit einer Dauerausstellung geehrt werden. Für die Einrichtung der Schau „Albert Einstein und seine Ulmer Familie“ stellt die Donaustadt ein wertvolles altes Gebäude und eine Million Euro sowie jährliche Folgekosten von 300 000 Euro zur Verfügung. Das hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, wie Stadtsprecherin Marlis Gildehaus mitteilte.

Wenn alles nach Plan läuft, soll die Ausstellung im 600 Jahre alten Haus „Engländer“ gegenüber der Neuen Synagoge und unweit des Münsters mit dem höchsten Kirchturm der Welt Anfang 2022 eröffnet werden. Rechtzeitig zum 100. Jahrestag der Verleihung des Nobelpreises für Physik an den Mann, den viele Ulmer als den „größten Sohn der Stadt“ ansehen.

Freilich gibt es beim Thema Einstein und Ulm durchaus mehr als nur einen Wermutstropfen: Das Physikgenie wurde zwar 1879 in der Schwabenmetropole an der Donau geboren. Er war noch ein Kleinkind, als seine Eltern mit ihm nach München zogen. Zudem sah sich Einstein angesichts der Judenverfolgung seit der Machtübernahme Hitlers 1933 gezwungen, seiner Heimat den Rücken zu kehren und in die USA zu gehen.

Noch im selben Jahr wurde die Ulmer Einsteinstraße in Fichte-straße umbenannt – was nach dem Ende der Naziherrschaft flugs wieder rückgängig gemacht wurde. In Ulm erinnert heute weit mehr als der Straßenname an den Physiker: vom Einstein-Denkmal, über den Einstein-Brunnen bis zur Volkshochschule im Einsteinhaus.

Dass manchmal moniert wird, das Genie habe nur 15 Monate in der Stadt seiner Geburt verbracht, nimmt man dort gelassen hin. Michael Wettengel, Direktor des Stadtarchivs, verweist Kritiker darauf, dass Einstein immer wieder Interesse an Ulm bekundet habe. Nachzulesen unter einem in einem Brief von 1929, den die Stadt 2017 erworben hat: „Auch der Geburtsstadt verdanken wir einen Teil unseres Wesens“, schrieb Einstein. „So gedenke ich Ulm in Dankbarkeit, da es edle künstlerische Tradition mit schlichter und gesunder Wesensart verbindet.“ Zudem unterhielt Einstein enge Beziehungen zu Verwandten und Freunden in Ulm, vielen verhalf er zur Flucht vor den Nazis.

Daran knüpft das Konzept der Dauerausstellung an: „Die Geschichte der Ulmer Einsteins ist zugleich die Geschichte des schwäbisch-jüdischen Bürgertums im 19. und 20. Jahrhundert“, heißt es im Gemeinderat. Die Ausstellung werde „ein Bild jüdischen Lebens bis zu seiner Vernichtung im Nationalsozialismus zeichnen“.