Pforzheim. Zwei Hirteninstrumente stehen im Zentrum des Benefizkonzertes in der Christuskirche zugunsten der 30 Jahre alten, zu reinigenden Orgel. Die helle, quirlige Flöte (Johannes Hustedt) und das dunkel und erhaben klingende Alphorn (Chai Min Werner) – allein diese Kombination ergibt einen klangschönen Kontrast. Mit der eher zurückhaltend und differenziert eingesetzten Orgel (Diethard Stephan Haupt) bekommt die Zusammenstellung eine ganz eigene Note, besonders bei Stücken wie Mozarts „Kleiner Nachtmusik“. In der Version für Flöte, Alphorn und Orgel von Johannes Hustedt ist der Klassiker jedenfalls nicht oft zu hören.
Eine Stunde musiziert das Karlsruher „duo querhorn“, das sich vor knapp zehn Jahren bei den Pforzheimer Bachstunden formierte, mit dem Organisten auf der Empore. Naturverbundene Frühjahrsklänge stehen auf dem Programm, Stücke von Bartók, Rutter, Mendelssohn oder Grieg. Manchmal scheint es, als rufe es aus den Bergen, bei „Überm Nebel!“ von Alfred Leonz Gassmann (1876–1962) etwa – im Original für drei Alphörner, in Triobesetzung.
Mit langen, satten Tönen bringt Chai Min Werner das längste ihrer drei Fichtenholz-Alphörner zur Geltung – das 3,60 Meter lange Horn in F. Passend erklingt direkt danach die „Karpaten-Landschaft“ von Wladimir Guba aus Kiew (geboren 1938), einem Originalstück für Flöte und Orgel. Langsam-suchend steigt der Bläser ein, leise, dann mit Nachdruck tritt die Orgel hinzu. Es folgen wunderbar weiche Melodiebögen und lange Pedaltöne, mal klingt es schnell-getupft, mal verhangen-melodiös.
Mit geschmeidig-leichter Hand agiert der Flötist, der unter anderem mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester konzertierte, auch bei Griegs „Morgenstimmung“. Zart und schleierbedeckt begleitet Haupt an der Orgel. Für Gänsehaut sorgt das Duo schließlich bei Gabriel Faurés „Après un reve“ op. 7 und op. 1. Nur wenige, tiefe Töne erzeugt der Organist, darüber schwebt die Flöte federleicht und faszinierend schön. Moderne Variationen für Altflöte und Alphorn, das Siegmund Schmidt (geboren 1939) dem auch privat verbundenem duo querhorn widmete, präsentieren Werner und Hustedt mit „Abend wird es wieder“. Der Flötist hat dabei die längeren Strecken, eilt voraus, hüpft und tanzt und passt sich wieder dem langsamen Alphorn an. Originalkompositionen für Flöte, Alphorn und Orgel gibt es auch – von Etienne Isoz (1905–1986) und Hans-Jürg Sommer (geboren 1950) aus der Schweiz. Eine genussreiche Konzertstunde!

