Keine Angst, keine Unruhe: Christa Schlunk hat das Warten in Blautönen als meditativen Zustand dargestellt. Foto: Meyer
Kultur
Ansichten des Wartens: Raphael-Kirche geht mit facettenreicher Schau ins neue Jahr

Pforzheim. Manch einer reagiert frustriert, verärgert, fühlt sich ausgebremst, wenn er warten muss. Manfred Bauer hat dies aufgegriffen und in seinem Objekt „Warten auf Thonet“ symbolhaft einen Stuhl zerlegt. Der lehnt ganz hinten an der Wand des Sichtbetonbaus der Raphael-Kirche. Die Arbeit ist eine von 34, die ab dem morgigen Sonntag in einer von Monika Ziemer kuratierten Gemeinschaftsausstellung in dem modernen Sakralgebäude der Christengemeinschaft zu sehen sind. Zum Großteil ausgebildete Künstler hinterfragen in Gemälden, Zeichnungen, Plastiken und Installationen: Wie sieht das Warten aus? Wie fühlt es sich an? In Hubert Hoopmanns Objekt „Anspannung“ wird dies körperlich fühlbar.

Wie Aquarelle wirken die Fotografien von Michael Hecht. Foto: Meyer

Einige Werke widmen sich dem Warten auf Wärme, Sommer, Heilung – oder einfach nur den nächsten Kaffee. Die meisten beschäftigen sich jedoch mit einer Art Innehalten, dem Bereitsein, Sich-Öffnen. Christa Schlunk hat ihr meditativ anmutendes Gemälde in Blautönen gehalten. „Die Gestalt auf dem Bild macht sich leer, gleichzeitig kommt aber etwas auf sie zu“, beschreibt die gebürtige Hamburgerin ihre vieldeutige Visualisierung.

Heidi Heyer versucht in ihrer Mischtechnik-Arbeit aus dem Jahr 2011, den Moment zu greifen, jenen Augenblick ohne feste Vorstellungen, der durch Warten auf etwas Zukünftiges aus dem Blick gerät. Warten können auf den richtigen Augenblick, den wirkungsvollen Lichteinfall, die stimmige Umgebung prägt die poetische Fotografie einer reifen Frucht von Harald Spies. Wie Aquarelle wirken Michael Hechts Smartphone-Fotos. Erst bei genauem Hinsehen werden die verrosteten Stahlträger sichtbar, die er bei den Offenen Ateliers im Alten Schlachthof vorgefunden hat. Eine feine Tuschezeichnung mit teppichartiger Struktur hat Ute Morof angefertigt.

Intensive Installation im Innenhof: Skulpturen von Martin Rapp. Foto: Meyer

Der Pforzheimer Künstler Harald Kröner bezieht sich in seinem Siebdruck auf eine Liedzeile („I spend all my days in the search for dry wood“) aus dem Song „The Hounds Of Winter“ von Sting. Er erzählt von einem Mann, dessen Frau weggelaufen ist und hinterfragt metaphorisch, wie er sein Leben auf die Reihe bekommt – ohne die Wärme seiner Frau.

Die Ausstellung „...warten...“ wird am Sonntag um 11.45 Uhr in der Raphael-Kirche, Turnstraße 5 in Pforzheim eröffnet, mit Musik von Jonas Gavril, Eva Hafner und Martin Flasch. Sie ist bis 25. Januar zu sehen: dienstags von 15 bis 16.30 Uhr, donnerstags von 12 bis 13 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon: (07044) 48117.

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