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Martina Roth als Antigone, vorne real auf der Bühne, im Hintergrund ihr Alter Ego.  bbt.bewegtbildtheater
Martina Roth als Antigone, vorne real auf der Bühne, im Hintergrund ihr Alter Ego. bbt.bewegtbildtheater
26.02.2018

„Antigone.stimmen“: ein Bewegtbildtheater nach Sophokles im Mühlacker Uhlandbau

Nichts für zarte Gemüter, die einen Abend der unterhaltenden Zerstreuung im Mühlacker Uhlandbau erleben wollten. Was sonstige Uhlandbau-Besucher wohl geahnt hatten: entsprechend dürftig war dann auch am Samstag die Publikumsresonanz.

Denn bitterböse geht es zu in Sophokles‘ „Antigone“, einer der vielen Facetten des Fluchs auf dem Geschlecht der Labdakiden, der Herrscherdynastie der Stadt Theben – Ausgangspunkt des zweiten großen, griechischen Sagenkreises neben dem trojanischen Zyklus. Schon der (unbewusste) Vatermord des Ödipus geht auf das Konto dieses Fluchs, der dann auch die Tochter Antigone wegraffen wird.

Ausgangspunkt ist das Verbot von Thebens König Kreon, den Bruder von Antigone, Polyneikes, nach dessen Tod im Kampf um die Stadt würdevoll bestatten zu lassen. Er soll stattdessen unbegraben verwesen. Der würdevolle Eintritt ins Reich der Toten ist ihm damit verwehrt. Dieses Verbot verstößt gegen allgemeines Recht, was Antigone keinesfalls dulden möchte – und sie übertritt das Verbot. Zur Strafe wird sie lebendig eingemauert, allerdings mit so viel Nahrung, dass sie noch Sühne leisten und damit der Strafe entgehen kann. Doch sie bringt sich um.

Die Suche einer Verzweifelten

Nicht die Spur eines Lächelns huscht während gut 75 Minuten übers Gesicht von Martina Roth, der alleinigen Darstellerin, die dennoch als Person, gleich mehrfach gespiegelt, unterschiedlichste Facetten der Antigone ihres persönlichen Lebensdramas zeigt. Antigone, das ist in dieser Choreografie die nahezu körperlich spürbare Suche einer Verzweifelten nach dem richtigen Weg, nach moralischen Ansprüchen – und dem Gegenpol, einer Staatsräson, die nur den Machterhalt und die Selbstgefälligkeit der Herrschenden kennt. Regisseur Johannes Conen verortet dabei die Handlung in eine mit kubistischen Steinquadern ausgestatteten Bühne, den Hintergrund bestimmt ein überdimmensioniertes Tablet mit wechselnden erodierten Wüstenlandschaften, die auch als Projektionsfläche für Filmeinspielungen mit besagten Facetten der Antigone dienen: die Zweifelnde in ihrem Dilemma, die Animalische mit bacchantischen Schreitänzen, die Reflektierende – sie alle tragen zum verzweifelten inneren Monolog bei. Nicht immer ist es leicht nachzuvollziehen, was hier an Sprachlich-Szenischem Geboten wird. Ein Alptraum eben, der konsequenterweise in eine reale Katastrophe der Heldin mündet.