Statue einer römischen Göttin
Mara Golds Debüt legt den Fokus auf Frauenfiguren in der antiken Mythologie. (Symbolbild)
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Buchcover «Antike Mythen ohne Männer»
Cover des Buches «Antike Mythen ohne Männer» von Mara Gold.
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Antike Mythen neu erzählt – Fokus auf Frauen und Außenseiter

Seit einiger Zeit erlebt die antike Mythologie eine bemerkenswerte Renaissance, allerdings nicht unbedingt als Heldenepos aus männlicher Perspektive, sondern neu erzählt durch die Stimmen von Frauen und bislang übersehenen Figuren. Mara Gold will in ihrem kürzlich auf Deutsch erschienenen Debüt «Antike Mythen ohne Männer» ihr Augenmerk auf queere und feministische Ansätze der bekanntesten Sagen des Altertums legen.

Während sich Autorinnen wie Jennifer Saint («Elektra») oder Madeline Miller («Ich bin Circe») mit ihren Mythenadaptionen in Romanform einen Namen gemacht haben, verfolgt die Wissenschaftlerin aus Oxford einen anderen Ansatz: ein erzählerisch gestaltetes Nachschlagewerk über Figuren wie Penelope, Athene oder die Amazonen.

Für Leser und Leserinnen ohne tiefes Vorwissen ist die klare Struktur nach Kategorien («Kriegerin», «Jungfrau», «Hausfrau» oder «Hexe») sicher ein idealer Einstieg. Mit Verweisen auf popkulturelle Umsetzungen des jeweiligen Mythos etwa in Netflix-Serien oder Kino-Blockbustern nimmt die Autorin ein modernes Publikum in den Blick, dem ein Standardwerk wie Gustav Schwabs «Die schönsten Sagen des klassischen Altertums» womöglich kaum noch geläufig ist.

Design top, doch wenig feministische Schärfe

Golds Hintergrund als Klassizistin ist dabei immer spürbar. Allerdings reiht sie allzu häufig Information an Information, ohne dabei erhellend herauszuarbeiten, was das tatsächlich Feministische an einer Figur ist. Dem Ansatz, patriarchale Lesarten vergangener Jahrhunderte zu hinterfragen, wird die Autorin kaum gerecht. Zu oft beschränkt sie sich auf die Nacherzählung eines Mythos.

Hervorzuheben allerdings ist das Design des Buches: Seine modernen Illustrationen und die variantenreiche Typografie geben der Lektüre eine angenehme Abwechslung. Enttäuscht werden Leser und Leserinnen sein, die mehr Sprachkraft erwarten. Die eigentliche Stärke des Buches liegt weniger in erzählerischer Tiefe als in seinem Potenzial, die Neugier auf einzelne Figuren und ihre Deutungen zu wecken.

Verlag über «Antike Mythen ohne Männer»

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