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Für knallige Kunterbuntheit und eine fröhliche Prise Pop-Art sorgt der Brasilianer Bel Borba, in seinem Heimatland als „The People’s Picasso“ gefeiert. Foto: Deck
Für knallige Kunterbuntheit und eine fröhliche Prise Pop-Art sorgt der Brasilianer Bel Borba, in seinem Heimatland als „The People’s Picasso“ gefeiert. Foto: Deck
Der Pforzheimer Künstler René Dantes präsentiert im Skulpturenpark im Innenhof der Messe seine Arbeit „Großer Kopf I“ (patinierter Edelstahl, 2018). Foto: Volz
Der Pforzheimer Künstler René Dantes präsentiert im Skulpturenpark im Innenhof der Messe seine Arbeit „Großer Kopf I“ (patinierter Edelstahl, 2018). Foto: Volz
Bezüge zu Bauhaus: Konkrete Kunst des Sammlers Peter C. Ruppert. Foto: Volz
Bezüge zu Bauhaus: Konkrete Kunst des Sammlers Peter C. Ruppert. Foto: Volz
Der Fotograf Udo Spreitzenbarth zeigte seine Arbeiten für das Unternehmen Rudolf Schupp, das zahlreiche Prominente in die VIP-Lounge geladen hatte. Foto: Volz
Der Fotograf Udo Spreitzenbarth zeigte seine Arbeiten für das Unternehmen Rudolf Schupp, das zahlreiche Prominente in die VIP-Lounge geladen hatte. Foto: Volz
21.02.2019

Art Karlsruhe: Im Zeichen von Pop-Art, Bauhaus und Konkreter Kunst

Rheinstetten. Ein lebendiger Markt- und Schauplatz der Kunst: Das ist die 16. Ausgabe der art Karlsruhe, bis zum Sonntag Anlaufstelle für Sammler und Kunstinteressierte aus dem In- und Ausland. 50.000 Besucher werden erwartet, der Ansturm war bereits am Eröffnungstag sehr groß. Das Publikum erwartet ein Programm der Superlative. 208 Galerien aus 16 Ländern hat die Jury unter Kurator Ewald Karl Schrade aus 350 Bewerbern ausgewählt.

173 Galerien hatten sich bereits in den Vorjahren auf der Art präsentiert, 35 sind neu dabei, unter anderem aus Teheran, Istanbul und London. Tausende von Werken von 1500 Künstlern sind zu sehen. Die Sonderausstellung ist in diesem Jahr dem Würzburger Sammler Peter C. Ruppert gewidmet, der eine umfangreiche, museale Kollektion Konkreter Kunst aus Europa nach 1945 zusammengetragen hat. Der leidenschaftliche Kunstfreund konnte die Eröffnung der Sonderschau allerdings nicht mehr erleben, er ist am 11. Februar gestorben.

Das Bauhaus wird 100 Jahre alt, und dieses Jubiläum hat deutlichen Einfluss auf die diesjährige Messe. Das Bauhaus hat die Entwicklung der Konkreten Kunst mit beeinflusst, und so sind in der Sonderausstellung auch Künstler zu sehen, die direkte Anknüpfungspunkte haben, wie etwa Werke des Bauhaus-Meisters Josef Albers oder des Bauhaus-Schülers Max Bill.

Sonderschau mit Druckgrafik

Das Thema der Sonderausstellung setzt sich in den Galerie-Präsentationen fort. Die Zeit der 1950er-Jahre, Konkrete Kunst und ihr Gegenpol, das Informel, sowie Arbeiten von Zero-Künstlern wie Otto Piene, Günter Uecker und Heinz Mack stehen – wie auch in jüngster Zeit bei vielen Auktionen – im Fokus, und viele zeitgenössische Künstler beziehen sich wiederum direkt auf sie. Zum dritten Mal ist eine überaus qualitätsvolle Sonderschau mit Druckgrafik zu sehen, die die teilnehmenden Galerien bestückten. Von für 250 Euro bis für 40 000 Euro reichen die Angebote – für Einsteiger wie für arrivierte Sammler geeignet.

Die art Karlsruhe deckt 120 Jahre Kunst von der klassischen Moderne bis zur Gegenwartskunst ab. Die Galerien setzen vor allem auf Bewährtes und bekannte Namen. Auf der „Spielwiese“ der dm-Arena kann man aber auch immer wieder Neuentdeckungen machen – vom knallig Geschmäcklerischen bis hin zum provozierend Hinterfragenden.

Verschiedene Neuerungen tragen zu einem optisch verbesserten Erscheinungsbild der Messe bei. Der Innenhof wird erstmals als Skulpturenpark für Großformate genutzt. In den Hallen hat man die Gastronomiebereiche an die Seiten gerückt und dafür viele zusätzliche Skulpturenplätze geschaffen. Diese sind individuell und sehr sorgfältig gestaltet – vermutlich mit Blick auf den 2018 neu geschaffenen, von der L-Bank gesponserten Loth-Skulpturenpreis (20 000 Euro). Ein Hingucker auch in diesem Jahr die Installation von Bernd Reiter. Befasste er sich 2018 mit dem Flüchtlingselend auf dem Mittelmeer, ist dieses Jahr Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen sein „(schein)heilig“ benanntes, plakativ aufgearbeitetes Thema.

Preise werden vergeben

Im Rahmenprogramm der art befasst sich das „Artima art Meeting“, ein zweitägiges Symposium, in diesem Jahr mit dem Thema „Sammeln mit Konzept“. Außerdem werden neben dem Loth-Preis zwei weitere Auszeichnungen vergeben: der Hans-Platschek- Preis für Kunst und Schrift an Monica Bonvicini (5000 Euro) sowie der art-Karlsruhe-Preis des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Karlsruhe (15.000 Euro) für die beste One-Artist-Show der Messe.

Auf der Suche nach Arbeiten aus der Region

Die art Karlsruhe hat sich als internationale Kunstmesse etabliert. Mit etwas Suchen findet man auch Künstler aus Pforzheim und dem Enzkreis. Allen voran den renommierten Bildhauer René Dantes aus Pforzheim, der bei zwei Galerien und mit zwei Großskulpturen im Skulpturenpark vertreten ist. Er ist fast von Anfang an dabei und freut sich, dass die Messe immer weiter wächst und an Qualität gewinnt. „Die art ist eine Messe für Sammler wie für Neugierige“, bringt er auf den Punkt, was ihm besonders gefällt.

Eine neue, ganz in Schwarz gehaltene Arbeit von Harald Kröner gibt es zu entdecken. Mit einer aktuellen Spiegelstahl-Skulptur ist Stefan Faas dabei. Etwas versteckt finden sich Raum-Panoramen von Ben Willikens und drei kleinformatige Bilder der 2015 verstorbenen Ulrike Michaelis. Von Matthias Kohlmann, Professor an der Hochschule für Gestaltung Pforzheim, gibt es Zeichnungen zu entdecken. Unübersehbar eine große, schwarz bemalte Holzskulptur von Karl Manfred Rennertz, von 1999 bis 2000 Gastdozent an der Hochschule.

Der überregional bekannte, in New York lebende Fotograf Udo Spreitzenbarth aus Mühlacker stellt zwar nicht auf der art aus, seine Arbeiten für die Pforzheimer Schmuckmanufaktur Rudolf Schupp zeigt er dafür bei einem Empfang mit viel Prominenz in der VIP-Lounge.