Pforzheim. Keiner bleibt verschont. Weder Beethoven noch Mozart. Chopin nicht und auch Tschaikowsky nicht. Im Programm des Comedy-Duos Ass-Dur springen sie alle über die Klinge. Oder besser: über die Saiten. Am Flügel neu vermixt, begeistern die beiden Musik-Kabarettisten ihr Publikum im Kulturhaus Osterfeld mit unerhörten Variationen.
Schon nach zweijährigem Bestehen räumten die beiden Berliner Musikstudenten Dominik Wagner und Benedikt S. Zeitner Kleinkunstpreise in Reihe ab. Zu Recht, das wird an diesem Abend rasch deutlich. Da macht es auch nichts, dass ärztlich verordnete Trauma-Therapien auf offener Bühne praktiziert und Beethovens „Für Elise“ erst zum Tango, dann zum Boogie-Woogie verwurstet wird. Ganz im Gegenteil.
Die Grenzen zwischen musikalischer Virtuosität und handfester Comedy bis hin zu klassischen Slapstickeinlagen, aber auch zotigem Vulgärhumor sind fließend. Allerlei spontan erscheinende Situationskomik, Zaubertricks und Interaktionen mit dem Publikum tun ihr Übriges. Das zeigt sich begeistert und hält sich mit lautem Lachen nicht zurück, sodass von der Bühne herunter angemahnt werden muss: „Hysterische Heiterkeit führt zu psychogener Impotenz!“ Was das Publikum so erheitert, sind Gaga-Gags wie diese: „Was ist gelb und kann nicht schwimmen? Ein Bagger. Warum? Er hat nur einen Arm.“ Oder aber: „Warum gehen Ameisen nicht in die Kirche? Weil sie In-sekten sind.“ Noch einer? „Auf Mallorca gibt’s jetzt Re-Animation. Wie bitte? Vorne steht ein Hirsch, und die Rehe machen’s nach.“
Die Dialoge zwischen dem betont distinguiert auftretenden Benedikt und dem sediert-lethargischen Dominik, der die meiste Zeit die Tastatur des Flügels bespielt, flutschen wie geschmiert. Gemeinsam variieren sie schließlich nach streng wissenschaftlicher Methodik auch den „Bi-Ba-Butzemann“ zu Tode, das „Meisterwerk des okzidentalen Minnegesangs“, gnadenlos und unter Zuhilfenahme des Flügels sowie einer Blockflöte. Beide selbstverständlich „gut eingespeichelt“, das muss so, erklären sie. Feuchte Wärme und so, alles klar.
Akrobatisch und clownesk
Auch Klassiker müssen ran. Die Melodie des Geburtstagsschlagers „Happy Birthday“ wird mit weithin bekannten Werken von Mozart, Beethoven und Tschaikowsky zwangsverheiratet. Ebenso die Titelmelodien vom Agenten-Hit James Bond und „Star Wars“, bevor die „Titanic“ und Celine Dion in den Untergang begleitet werden. Für den Schlussapplaus braucht’s noch die würdige Garderobe, der knittrige Leinenanzug hat keine Chance, also umziehen. Zu zweit, am Flügel, spielend, akrobatisch und clownesk, eine Nummer, die inzwischen zum Markenzeichen der beiden gehört.

