Geografie und Landschaft gehen in den Werken Wolfram Aicheles eine kongeniale Verbindung ein. Foto: Privat
Wolfram Aichele ist im vergangenen Jahr gestorben. Foto: Privat
Kultur
Auf den Spuren von Wolfram Aichele: Pforzheimer Maler in Paris
  • Iris Caren von Württemberg

Paris. Wolfram Aichele ist ein Meister des Aquarells. Kaum ein Maler verfolgte so leidenschaftlich und konsequent einen so stringenten Weg innerhalb einer Kunsttechnik. Seine meist kleinen Arbeiten auf Papier sind von früh an bloß Aquarelle, nur ergänzt durch die Collage. Dabei schöpft er aus dem gesamten Farbkreis und versteht es, den Bildern eine Tiefenwirkung zu geben, insbesondere durch die dichte Farbigkeit.

Als Sohn des bekannten Tiermalers Erwin Aichele wurde Wolfram 1924 in Freiburg geboren. Er wuchs in Pforzheim-Eutingen auf. Mit 17 Jahren wurde er in die Holzbildhauerschule in Oberammergau aufgenommen, setzte die Ausbildung nach dem Krieg fort und wechselte während seiner anschließenden Studienzeit an der Kunstakademie Stuttgart von der Bildhauerei zur Malerei. 1976 ließ er sich in Paris nieder. Aichele starb am 9. Juni vergangenen Jahres in Fontenay-sous-Bois nahe Paris.

Abstrahiere Landschaften

In der Auseinandersetzung mit dem Kubismus und Paul Klee entstanden stark abstrahierte Landschaften, räumliche Kompositionen mit Dorf- und Stadtarchitekturen. Aber: „Nicht was wir sehen, sondern wie wir sehen, wird in Wolframs Bilder bewusst als Wirklichkeit“, schreibt der Kunsthistoriker Michael Bockemühl. Und er spricht vom „Blick durchs Prisma, wodurch sich Dinge trennen und Farben hervortreten“. Die Flächen sind oft gebrochen, die Dinge durch verdichtete Farben gestaltet. Als Quellen der Inspiration gibt Wolfram Musik und Architektur an. Dominierend ist die Verdichtung der Farben, so dass man mit Bockemühl von einem „Farbflächengewebe“ sprechen kann.

Auch die letzten Aquarelle zeigen noch imaginäre Landschaften, wenn auch die Komposition zuweilen strenger, aber immer noch klar und rhythmisch bewegt wird. Wolframs Malerei wirkt so, als ob die Kunst Lyonel Feiningers oder des späten Franz Marc eine Fortsetzung erfahren hätte – und damit weiter in die Zukunft der Malerei weisen würde. Sie besticht vor allem durch all dies: Feinheit, Leichtigkeit und Glanz.

Kunsthistorikerin Regina Fischer veranstaltet am Mittwoch, 21. Juni, eine „artandmemory“-Kunstfahrt nach Paris „Auf den Spuren von Wolfram Aichele“. Geplant ist unter anderem ein Bummel durch das Quartier Saint-Germain-des-Prés im sechsten Pariser Arrondissement. Das Viertel galt in der Mitte des 20. Jahrhunderts als Zentrum des französischen Existenzialismus um die Philosophen Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. In Saint-Germain-des-Prés gibt es berühmte Cafés wie Les Deux Magots oder Café de Flore, die teils schon ab den 1920er-Jahren zum Treffpunkt von Intellektuellen und Künstlern wurden. Hier lebte Wolfram Aichele in seinen ersten Pariser Jahren ab 1956. Am Nachmittag ist der Besuch der Ausstellung „Hommage an Wolfram Aichele“ in der Galerie Olivier Nouvellet gemeinsam mit Barbara Aichele, der Witwe des Künstlers, vorgesehen.

Treffpunkt für die Fahrt ist um 6.10 Uhr auf dem Hauptbahnhof Pforzheim, die Rückkehr ist für 21.25 Uhr geplant. Der Preis beträgt 159 Euro. Anmeldungen bei der PZ unter Telefon (0 72 31) 93 31 25.