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Das Ensemble bedankt sich für den begeisterten Beifall. Foto: Kühn
Das Ensemble bedankt sich für den begeisterten Beifall. Foto: Kühn
17.07.2017

„Aureliano in Palmira“ in konzertanter Aufführung bei „Rossini in Wildbad“

Bad Wildbad. Am Anfang war Verwunderung. Das Publikum in der Wildbader Trinkhalle, das die wenig gespielte Rossini-Oper „Aureliano in Palmira“ erwartete, bekam gleich zu Beginn eine altbekannte Musik zu hören: die wunderbare Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“. Eine Programmänderung der Veranstalter? Keineswegs. Vielmehr verwendete Rossini 1816 bei seinem „Barbier“ musikalisches Material, das er schon früher für den „Aureliano“ komponiert hatte.

Grandiose Bravour-Arien

Im Übrigen aber ist das „dramma serio“ um den römischen Kaiser Aurelianus, der sich in Zenobia, die besiegte Königin von Palmyra, verliebt, ein ganz und gar eigenständiges Werk, das sich durch eine Fülle von grandiosen Bravour-Arien und Ensembles auszeichnet. Schon 1996 war die Oper beim Wildbader „Belcanto Festival“ zu sehen, und auch die jetzige Wiederbegegnung bestätigte ihre hohe musikalische Qualität, die den Überschwang einer glanzvollen Huldigungsoper mit heroischen Farben, dramatischen Momenten und romantischem Melos verknüpft. Das Hohelied der schwer geprüften Treue von Zenobia und Arsace mündet in den Hymnus auf die großmütige Gnade des anfangs so rachsüchtigen Aureliano, bevor dann das Werk in einem konventionellen Happy End ein wenig abrupt endet.

Die Premiere des „Aureliano“ an der Mailänder Scala 1813 verlief zunächst enttäuschend. Zeitgenössische Quellen führen das auf die schlechten Gesangsleistungen der Solisten zurück. Davon freilich konnte bei der nun umjubelten, konzertanten Aufführung in Wildbad keine Rede sein. Im Gegenteil, der weit über dreistündige Abend lebte vom famosen Stimmenglanz der Solisten, der für den Verzicht auf szenische Beigaben völlig entschädigte, und darüber hinaus von der überzeugenden Leistung des in Wildbad bestens bekannten Dirigenten José Miguel Pérez-Sierra, der die Virtuosi Brunenses zu mitreißend gespanntem, farbenreichem Spiel animierte und auch dem nicht immer ganz sattelfesten Camerata Bach Chor Poznán über manche Klippe half.

Nobel timbrierter Gesang

In der dankbaren Titelpartie des Kaisers gab der argentinische Tenor Juan Francisco Gatell einen fulminanten Wildbader Einstand. Seine nobel timbrierte Stimme ist in allen Lagen ausgeglichen und verfügt neben lyrischen Farben auch über eine souveräne dramatische Kraft. Neben ihm sang die ausgezeichnete, technisch und stilistisch versierte Sopranistin Silvia Dalla Benetta die standhafte Zenobia mit sicherer Höhe und brillanten Verzierungen.

Die Rolle des Arsace, von Rossini ursprünglich für Kastraten geschrieben, fand in der jungen Schweizerin Marina Viotti eine vorzügliche Interpretin. Ihr warm getönter Mezzo war den vertrackten Ansprüchen der Partie mit virtuoser Leichtigkeit und expressiver Energie hervorragend gewachsen, und ihre mit vokalen Schwierigkeiten gespickte große Szene des zweiten Aktes geriet zu einem lautstark beklatschten Höhepunkt des Abends, dem es doch auch sonst an sängerischen Glanzleistungen beileibe nicht mangelte.

Auch kleinere Partien waren hörenswert besetzt; besonders der prächtige chinesische Tenor Xian Xu als Heerführer Orsaspe und der Kasache Baurzhan Anderzhanov als Hohepriester mit kernigem Bass. Das Publikum zeigte sich jedenfalls entzückt und feierte alle Mitwirkenden mit begeistertem Beifall.