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Sehnt sich nach romantischer Liebe: Maryam (Susana Abdulmajid). Foto: MissingFilms
Sehnt sich nach romantischer Liebe: Maryam (Susana Abdulmajid). Foto: MissingFilms
09.05.2019

Aus Pforzheim stammende Regisseurin im KoKi mit neuem Liebesdrama im Gepäck

Pforzheim. Ganz schön im Stress ist Henrika Kull dieser Tage: Eigentlich müsste sie sich um die Besetzungen ihres neuen Filmprojekts kümmern. Doch heute läuft nun mal ihr Debüt „Jibril“ in bundesweit 17 Kinos an. Einige Orte besucht die Regisseurin persönlich, teils gemeinsam mit ihrer Hauptdarstellerin Susana Abdulmajid, um das ungewöhnliche Liebesdrama vorzustellen. Also reist sie durch die Republik

„Für mein ökologisches Gewissen mache ich das alles mit der Bahn“, sagt sie. Und fügt mit Augenzwinkern an: „Ich hoffe, dass ich immer pünktlich ankommen werde.“ Hamburg, Köln, Oldenburg, Esslingen – und am Sonntagabend das Kommunale Kino (KoKi). Für Kull wird dies ein besonderer Termin, hat die Wahl-Berlinerin doch ihre Jugend in Pforzheim verbracht. Sie sei sehr gespannt, wie der Streifen hier aufgenommen wird. „Mein Vater, der noch in Pforzheim lebt, wird den Film zum ersten Mal sehen. Ich bin natürlich besonders gespannt, ob er ihn mag“, sagt Henrika Kull. Natürlich freue sie sich generell sehr, dass ihre erste abendfüllende Regiearbeit, in der so viel Energie und Herzblut steckt, nun gesehen wird. „Aber ich bin auch aufgeregt“, gesteht die Regisseurin. „Im Festivalkontext wurde ,Jibril’ sehr positiv aufgenommen, und ich hatte tolle Kritiken.“ Der Film feierte seine Premiere auf der Berlinale 2018 in der Sektion Panorama, die als Trendmesser des Arthouse-Kinos gilt (die PZ berichtete). Er wurde bereits mit dem Best Film Award des Studio Hamburg Nachwuchspreises sowie dem Best Actor Award des Kinofestes Lünen ausgezeichnet. Dank „Jibril“ ist Kull zuletzt ganz schön rumgekommen. Sie durfte ihn auf Festivals begleiten, etwa nach Brasilien, Taiwan und nach Libanon.

Entbehrung und die Suche nach Liebe

Doch das Kinopublikum funktioniere noch mal anders, so Kull. Sie glaubt, dass der Film da stärker polarisieren wird. „Ich werde mein Baby sicher ganz schön verteidigen müssen.“ In dem romantischen Drama über das Verlieben stellt die Filmemacherin die Frage, wann genau man jemanden wirklich kennt – oder ob man sich ohnehin nur in die eigene Traumvorstellung vom Verliebtsein verliebt. Kull, die den in Berlin spielenden Film auch mitproduziert hat, porträtiert in dem 83-Minüter die Isolation und Beziehung zwischen der alleinerziehenden, arabisch-stämmigen Mutter Maryam (Abdulmajid) und dem Häftling Gabriel. Das Drama erzählt von Entbehrung, von der Suche nach Liebe und dem wunschgetriebenen Bild eines Idealpartners.

„Jibril“ ist Kulls Abschlussarbeit an der Filmuniversität Babelsberg. Ihre Begeisterung fürs Filmemachen hatte sich langsam entwickelt. Zunächst absolvierte sie ein Soziologie-Studium in Köln. „Ich wollte meine Erfahrungen und das, was ich erlebe, aber anders darstellbar machen.“ So startete sie 2012 das Studium der Filmproduktion an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und 2014 dann das Regie-Studium in Babelsberg – mit Fokus auf Dokumentarfilme.

Die Zeit zwischen Berlinale und Kinostart hat Kull genutzt, vor allem für Arbeit an einem neuen Projekt: Drehbuch geschrieben, Schauspieler gecastet, Crew zusammengestellt. „Glück“ (Arbeitstitel) werde eine Kino-Koproduktion mit dem ZDF und der Berliner Produktionsfirma Flarefilm.