Bärbel Stolz weiß, was Berliner Schwaben ausmacht. Foto: Roller
Kultur
Bärbel Stolz tritt als Prenzlschwäbin im CongressCentrum auf
  • Nico Roller

Pforzheim. Das ist wahrlich nichts für schwache Nerven: Pfandflaschen landen einfach so im Mülleimer, in der Bäckerei heißen Berliner auf einmal Pfannkuchen und zu Pfannkuchen sagt man Eierkuchen. Und Weckle gibt es nicht: Das sind Schrippen. Aber am schlimmsten: Den Kartoffelsalat gibt es nicht etwa mit Essig und Öl, sondern mit Äpfeln, Champignons und Mayonnaise. Tja, man hat es nicht gerade leicht als Schwabe in Berlin. Bärbel Stolz kann ein Lied davon singen.

Auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen, lebt die Schauspielerin seit rund 20 Jahren in Berlin, genauer gesagt im Ortsteil Prenzlauer Berg. Als Prenzlschwäbin nimmt sie im Pforzheimer Con-gressCentrum (CCP) gut anderthalb Stunden lang die Eigenheiten der Berliner auf die Schippe – nicht ohne den einen oder anderen Seitenhieb auf die Schwaben.

Sie verkörpert die typische Bewohnerin des Prenzlauer Bergs, der längst zum Tummelplatz für Besserverdiener mit schwäbischem Migrationshintergrund geworden ist. Lebensmittel ohne Bio-Siegel sind dort abgeschafft, Schwabenhass gibt es nicht – wenn man einmal von den Spätzle absieht, die vor gut vier Jahren auf dem Käthe-Kollwitz-Denkmal gelandet sind. Aber das ist noch harmlos im Vergleich zum Kartoffelsalat mit Mayonnaise. Über den könnte sich die selbst ernannte Prenzlschwäbin nämlich wirklich aufregen.

Selbstverständlich hochbegabt

„Pfui Teufel.“ Da hilft nur ganz entspannt durch das dritte Auge schnaufen. Und wenn das auch nichts bringt, dann kann man ja immer noch Touristen zur Schnecke machen. Berlin ist eben ein hartes Pflaster. Da wird man schon mal auf der Straße angeschrien und mit Freundlichkeit kommt man auch nicht weit. Daran hat sich die Prenzlschwäbin erst einmal gewöhnen müssen, die ihre beiden verwöhnten und selbstverständlich hochbegabten Kinder allen Ernstes Bruno-Hugo-Luis und Wikipedia getauft hat. Aber das ist noch lange nicht alles: In der Rolle der Öko-Yuppi-Mutti erzählt Stolz, wie sie einem Anti-Gentrifizierungs-Demons-tranten zu einem Bausparvertrag geraten hat, wie sie vor der Ankunft ihrer Putzfrau extra sauber macht und wie sie einmal nur in eine Diskothek gekommen ist, weil sie nicht mehr damit aufgehört hat, den Türsteher vollzutexten.

So bekommen an diesem Abend nicht nur die Berliner ihr Fett weg, sondern auch die spießigen Schwaben. Dank ihrer wohl platzierten Pointen hat das Publikum an diesem Abend zwar einiges zu lachen, aber stellenweise scheint es, als wolle der Funke nicht so recht überspringen. Das zeigt auch der Umstand, dass am Ende zwar viel applaudiert, aber keine Zugabe verlangt wird.