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Die Band Mittelalter-Rockband Saltatio Mortis, aufgenommen vor Beginn einer Probe in Karlsruhe. Foto: Deck
20.08.2018

Band Saltatio Mortis präsentiert Aktuelles mittelalterlich verpackt

Karlsruhe. Dass Mittelalter-Rock modern sein und aktuelle Themen aufgreifen kann, zeigt die Band Saltatio Mortis mit ihrem neuen Album „Brot und Spiele“. Im elften Studiowerk der Karlsruher Spielleute, das gerade erschienen ist, greifen die acht Musiker aktuelle Themen wie Fake-News oder die Situation Europas auf. Mit ihren Alben „Das schwarze Einmal Eins“ und „Zirkus Zeitgeist“ hatten die Mittelalterrocker es zuvor auf Platz eins der deutschen Charts geschafft.

Bildergalerie: Mittelalter-Band Saltatio Mortis mit neuem Album

Drei Jahre nach dem erfolgreichen Vorgänger kommt nun das neue Album der Totentänzer. „Die Platte ist dieses mal sehr bunt“, sagt Alea alias Jörg Roth, Sänger und Gründungsmitglied der Band. Benannt ist das Album nach einem Zitat des römischen Dichters Juvenal. Die Musiker hatten ihre Karriere auf einer kleinen Bretterbühne auf der Straße begonnen. Zwischen den Liedern nahm die Band Stellung zu aktuellen Themen wie einst die Spielleute im Mittelalter: „Wir sehen uns als Spielleute der Moderne“, sagt Schlagzeuger und Haupttexter Lasterbalk der Lästerliche, der mit bürgerlichen Namen Timo Gleichmann heißt und aus Pforzheim kommt. Die kleine Bretterbühne hat die Band inzwischen gegen nationale und internationale Bühnen eingetauscht, aber der Bezug zu Themen, die die Mitglieder bewegen, sind geblieben.

Die Musik der achtköpfigen Gruppe soll zum Nachdenken und Reflektieren anregen. Die Texte beziehen sich nicht nur auf aktuelle oder politische Themen, auch das Privatleben der Bandmitglieder spielt eine Rolle. „Man findet auf der neuen Platte eigene Reflexionen bis hin zum Trennungslied“, sagt Lasterbalk.

„Es gibt Dinge, mit denen wir in der schnellen Zeit vorsichtig sein müssen, wie Fake-News oder dem Internet. Trotzdem sollten wir auch auf die schönen Dinge blicken“, erklärt Lasterbalk. So flackert in dem Musikvideo zu „Dorn im Ohr“ bei der Strophe „Doch wenn Dummheit unsere Welt bedroht“ das Gesicht des US-Präsidenten Donald Trump im Hintergrund auf. Der Song „Spur des Lebens“, der zu den Favoriten von Lasterbalk und Alea gehört, basiert auf einem Brief, den Lasterbalk an sein nicht gezeugtes Kind geschrieben hat. Die Frage sei, ob in der momentanen Situation überhaupt ein Kind gezeugt werden sollte. „Die Welt steht an einem Scheideweg“, sagt Lasterbalk. Das positive Feedback und die Reaktionen zu dem Song und dem Musikvideo überwältigten Sänger Alea. Ein starker Kontrast zu „Spur des Lebens“: „Nie wieder Alkohol“. Ein Song, der zum Mitgrölen und Tanzen einlädt. In zehn Jahren Bandgeschichte haben die Mittelalter-Rocker ihren Denkrahmen immer wieder neu definiert. Jedes Album ist anders. „Dazu gehört eine ganze Schippe Mut“, sagt Alea. Von negativen Kommentaren über ihre musikalische Entwicklung lassen sich die Musiker nicht beeinflussen: „Wir möchten uns die Freiheit erhalten, das zu machen, was wir wollen“, sagt Lasterbalk.

Märkte und Festivals boomen

Passend zur Musik erfreuen sich Mittelaltermärkte- und Festivals in Deutschland großer Beliebtheit. Die Veranstaltungsreihe „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum“ hatte in diesem Jahr in fast jeder Stadt Besucherrekorde. Ähnliches lässt sich auf dem Mittelaltermarkt- und Festival in Feuchtwangen beobachten. „Die Besucherzahlen steigen von Jahr zu Jahr“, sagt der Veranstalter Roland Turba. Auf einigen solcher Veranstaltungen spielten die Totentänzer ihre neuen Songs bereits und freuten sich über positive Rückmeldungen. Wenn es nach Lasterbalk geht, könnte „Brot und Spiele“ das beste Album der Gruppe sein.