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Applaus für die Solisten des Eröffnungskonzerts. Foto: Kühn
Applaus für die Solisten des Eröffnungskonzerts. Foto: Kühn
10.07.2017

„Belcanto Opera Festival“: Stimmiger Auftakt mit großer Kirchenmusik

Bad Wildbad. Ein schöner Einfall: Am Turm des Baumwipfelpfades über Bad Wildbad sollte das „Belcanto Opera Festival“ mit Mozarts „Großer Messe in c-Moll (KV 427)“ unter freiem Himmel eröffnet werden. Der Himmel aber wollte es anders. Und so musste denn das Konzert wegen Regens in die nicht ganz so romantische Trinkhalle verlegt werden.

Ein kleiner Rest der ursprünglichen Idee freilich lebte auch dort fort. Denn vor Beginn der Aufführung wurde in einem kurzen Festakt erstmals der Ehrenpreis „Rossini in Cima“ (Rossini auf dem Gipfel) verliehen. Die Auszeichnung ging an den international ausgewiesenen Dirigenten und Rossini-Spezialisten Gianluigi Gelmetti, den langjährigen Chef des SWR-Radio-Sinfonieorchesters, der sich insbesondere um die Pflege Rossinis verdient gemacht und von Schwetzingen bis Pesaro mustergültige künstlerische Umsetzungen von Werken des „Schwans von Pesaro“ geschaffen hat, aber bislang noch nie bei „Rossini in Wildbad“ am Pult stand.

Zu den zahlreichen bedeutenden Schülern des Maestro zählt auch Antonio Fogliani, der seit 2011 als Musikalischer Leiter des renommierten Festivals im Schwarzwald fungiert und dem es nun gelungen ist, Gelmetti doch noch nach Wildbad zu locken, wo dieser nicht nur den Preis entgegennahm, sondern auch (am 16. und 21. Juli) in einem späten Debüt die konzertante Aufführung der Rossini-Oper „Eduardo e Cristina“ dirigieren wird. Zunächst aber ging es um Mozart, dessen „c-Moll-Messe“ im geistlichen Schaffen des Komponisten an Größe und Anspruch besonderen Rang einnimmt. Das monumental angelegte Werk, das nicht zuletzt durch Bachs großartige „h-Moll-Messe“ beeinflusst wurde, entstand 1782 und sollte eigentlich 1783 in Salzburg uraufgeführt werden. Dazu allerdings kam es nicht – und schlimmer noch: Das Werk blieb unvollendet. Teile des „Credo“ und das gesamte „Agnus Dei“ fehlen, und so machte das Stück mit einiger Verspätung und als Torso seinen Weg. Die Versuche nachfolgender Komponisten, aus kargem Material die Lücken aufzufüllen, hatten unterschiedlichen Erfolg und konnten sich nicht recht durchsetzen.

Ursprüngliche Klanggestalt

Die Wildbader taten gut daran, für ihre Aufführung unter der Leitung von Antonio Fogliani auf die vorsichtig rekonstruierte Ausgabe von Helmut Eder zurückzugreifen, die dem Fragment seine ursprüngliche Klanggestalt weitgehend bewahrt. Die tschechischen „Virtuosi Brunenses“, das ständige Orchester von „Rossini in Wildbad“, setzte in großer Besetzung die Partitur mit animiertem Elan und in verlässlicher Qualität um, auch wenn einige Feinheiten etwa in den großen Fugen etwas weniger ausgefeilt anmuteten als etwa der breit ausgreifende Gestus des „Qui tollis“ oder der majestätische Posaunenruf im „Kyrie“. Da bewies das bewährte Ensemble nachdrücklich seine Affinität zur musikalischen Sprache vor allem der Oper.

Leider erwies sich der „Camerata Bach Chor Poznán“ als nachhaltige Schwachstelle des Konzerts. Namentlich die allzu dünn besetzten Frauenstimmen mit nur fünf Sopranen und sechs Altistinnen, die dann etwa bei Teilungen in Doppelchöre beklemmend schütter und vereinzelt klangen, schmälerten den Hörgenuss der Aufführung erheblich. Es fehlte dem vielseitigen polnischen Chor, der seit Jahren bei den Wildbader Opernproduktionen routinierte Dienste tut, hier ganz entschieden an Homogenität und Ausgewogenheit des Klangs.

Einen Ausgleich für die offenkundigen Schwächen des Chors schufen die Solisten. Allen voran die italienische Sopranistin Silvia Dalla Benetta, die auch bei einigen Wildbader Opern dieses Sommers prominent mitwirken wird, wuchs stimmlich und stilistisch zunehmend in die umfangreiche, anspruchsvolle Sopranpartie des Werks hinein, die Mozart ursprünglich für seine (frisch angetraute) Ehefrau Constanze schrieb und der die schönsten Momente dieser Messe gehören – vor allem das wunderbare „Et incarnatus“, das Benetta zu einem ergreifenden Höhepunkt gestaltete. Den Mezzopart übernahm Francesca Longari mit warm getönter, in der Tiefe etwas matter Stimme; Patrick Kabongo Mubenga mit schönem, weichem Tenor und Baurzhan Anderzhanov mit rundem, kernigem Bass fanden sich gut ins Ensemble. Dirigent Fogliani gab dem geistlichen Werk in souveräner Übersicht durch zügige Tempi und nachdrückliche Akzente spannungsvolle Kontur und bewegende Intensität.