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Drama ist sein Erfolgsgeheimnis: der britische Bestseller-Autor Ken Follett. Foto: Albir

Bestsellerautor Ken Follett wird 70

London. Ken Follett schreibt gerade seinen nächsten Bestseller: „Der Abend und der Morgen“ soll er heißen und die Vorgeschichte zu seinem Meisterwerk „Die Säulen der Erde“ erzählen. In dem Mittelalterroman schilderte Follett die Intrigen während des Baus einer gotischen Kathedrale. Das ist sein Erfolgsrezept: Thriller, Spionagegeschichten und Intrigen vor historischem Hintergrund. In den vergangenen Jahren brachte er eine Trilogie heraus, die das Leben mehrerer Familien vor dem Hintergrund des Ersten und des Zweiten Weltkriegs sowie des Kalten Kriegs schilderte. Natürlich landeten alle Bände auf den Bestsellerlisten. Am Mittwoch wird der Multimillionär und geschäftstüchtige Schriftsteller 70. Statt einer Riesenparty wie sonst will er diesmal im kleinen Kreis mit Freunden und Familie in den verschiedensten Winkeln der Welt feiern.

Deutscher Markt wichtig

Seine Bücher sind in so viele Sprachen übersetzt worden, dass über ein Dutzend Mitarbeiter damit beschäftigt sind, die Rechte dafür weltweit zu lizenzieren und Tantiemen einzutreiben. Der deutsche Markt ist für ihn einer der weltweit wichtigsten.

Dafür arbeitet er hart: In 250 Fachbüchern und Nachschlagewerken recherchierte er für seinen letzten Schmöker. Sobald der erste Entwurf steht, lässt er ihn von Historikern und anderen Experten prüfen, um Fehler im zweiten Entwurf zu korrigieren. „Aber die eigentliche Recherche, die Lektüre der Bücher, Interviews, Besichtigung von Kirchen und anderen Gebäuden, all diese Dinge mache ich selbst“, sagt Follett. Denn jeder Schnitzer reiße den Leser aus seiner imaginären Welt in die Wirklichkeit zurück - „und das ist immer eine schlechte Sache.“ Doch detailgetreue Recherche ergibt noch keinen Bestseller.

Das Geheimnis seines Erfolgs? Drama. „Sehr oft sagen Leute zu mir: Oh, du solltest ein Buch über den und den schreiben – einen faszinierenden Menschen, den sie getroffen haben“, erklärt Follett. Aber das mache noch keinen Roman aus. „Eine gute Idee für einen populären Roman erzeugt zwischen 50 und 100 dramatische Szenen.“

Deshalb plant er den Aufbau seiner Werke sehr sorgfältig – sie sind nur dann erfolgreich, wenn Leser sich damit die Nächte um die Ohren schlagen wollen. „Mein Ziel ist es, sicherzustellen, dass es in der Geschichte nie einen Moment gibt, in dem Sie denken: Oh, okay, jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören“, sagt er.

Dass er Romanautor wurde, schiebt er auf seine Kindheit in einer streng religiösen Familie: „Erstens las ich mit 13 oder 14 die ganze Bibel durch. Zweitens las ich Bücher, statt ins Kino zu gehen und fernzusehen. Wenn Sie mal 20 oder 30 Jahre alt sind, haben Sie soviel Belletristik gelesen, dass Sie die Regeln kennen.“ Von der Religion sagte er sich mit einem Philosophie-Studium los. Dann arbeitete er als Journalist, bevor er Geschäftsführer eines kleinen Londoner Verlags wurde. Zur Entspannung fing er an, Romane zu schreiben. Doch erst mit seinem elften schaffte er 1978 den Durchbruch: Sein Spionageroman „Die Nadel“ verkaufte sich gut zehn Millionen Mal, wurde in 30 Sprachen übersetzt und verfilmt.

Neue Art von Spiritualität

Sein Bestseller „Die Säulen der Erde“ (1989) erzählte davon, wie Follett eine andere Art von Spiritualität wiederfand. Heute, sagt er, könne er gar nicht genug von Kathedralen bekommen: „Finden Sie heraus, was während des Baus passiert ist, wo der Architekt seine Meinung geändert hat, wo ein Fehler war, der übertüncht werden musste.“ Er setzte die Saga 2007 mit „Die Tore der Welt“ fort und schloss die Trilogie 2017 mit „Das Fundament der Ewigkeit“ ab.

Nun ist er gerade dabei, die ersten Fassungen der Vorgeschichte mit Hilfe von Historikern zu überarbeiten: Ein kleines angelsächsisches Dorf wird von Wikingern etwa im Jahr 1000 bedroht. Aber eigentlich geht es um die damals revolutionäre Idee, dass das Gesetz über allem stand – eine der Grundlagen der modernen Zivilisation, wie Follett sagt. Im Herbst 2020 soll die Vorgeschichte zu den „Säulen der Erde“ herauskommen.