Mit «Die Gabe des Regens» hat der DuMont Verlag jetzt erfreulicherweise einen weiteren Roman des großen malaysisch-britischen Schriftstellers Tan Twan Eng in deutscher Sprache vorgelegt. Wie schon in «Das Haus der Türen» entführt er uns wieder in die einstige Kolonie Britisch-Malaya. Im Mittelpunkt des Romans, der auf der Insel Penang in den 1930er Jahren spielt, steht der 16-jährige Philip Hutton.
Der Sohn eines britischen Unternehmers und einer Chinesin ist in seiner Familie ein Außenseiter. Umso dankbarer ist er für die Freundschaft des japanischen Diplomaten Hayato Endo, der ihm nicht nur Anerkennung schenkt, sondern ihn auch in die Geheimnisse der japanischen Kampfkunst Aikido einführt. Doch Philips wachsende Bindung an den Meister bringt ihn in Konflikt mit seiner Umgebung. Denn Japaner sind wegen ihrer imperialistischen Politik in Malaya verhasst und Endos Verhalten ist mehr als verdächtig. Als Japan tatsächlich 1941 die britische Kolonie angreift, stürzt Philip in einen schweren Loyalitätskonflikt, der ihn zu zerreißen droht.
Tan Twan Engs Sprache ist von großer Poesie. Mit wenigen Pinselstrichen versetzt er uns in eine fremde, exotische Welt und vermittelt ihre kulturellen und spirituellen Besonderheiten. Das reizvolle Zusammenleben verschiedener Kulturen weiß der Autor ebenso eindringlich zu beschreiben wie die Konflikte und schließlich den blutigen Krieg, den Kolonialherrschaft und Imperialismus hervorrufen. In einem sich anfangs langsam und dann immer schneller entwickelnden Plot erzählt er von einer großen politischen und menschlichen Tragödie.
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