Pforzheim. Es war Anfang der 1990er-Jahre, als der Architekt und Bildhauer eine Zeit lang in Zürich tätig war und ein Künstlerkollege zu ihm ausrief: „Du bist der der Eisenmann für uns. Fero!“ Freymark, der bis dahin nicht nur viel mit Eisen (lateinisch: ferrum) und Stein gearbeitet hatte und ansonsten Dieter hieß, griff den neuen Vornamen sofort auf: „Was Besseres kann Dir gar nicht passieren!“
Den neuen Künstlernamen, der einige Jahre später regulär in den Papieren steht, begreift er bis heute als „Geschenk und Anerkennung“. Am Samstag (30. März) wird der in der Region und darüber hinaus tätige und bekannte Künstler 80 Jahre alt. Am Sonntag wird im Hohenwart Forum eine große Ausstellung mit 60 Bildern und 20 Skulpturen aus einem halben Jahrhundert seines Schaffens eröffnet.

Vernissage von Fero Freymark
Die moderne Stadt
Geboren 1939 in Köln, aufgewachsen während des Krieges bei den Großeltern in Westpommern, gelangte der junge Fero über Berlin in den Westen und studierte Architektur in München – nach verschiedenen Stationen unter anderem in einem Künstlerkollektiv in Gelsenkirchen, dem der Architekt Werner Ruhnau und später weltbekannte Künstler wie Yves Klein angehörten. Die Eltern waren zwischenzeitlich in Pforzheim gelandet, wo der Vater im Baugewerbe Anstellung fand.
Noch heute erinnert sich Freymark an seinen ersten Besuch in der Goldstadt 1965. An den eindrucksvollen modernen Bahnhof, in dem er ankam, die ersten Schritte nach draußen, rechts der Bezirksamtsturm, links das Hotel Ruf und ein Stück weiter die altehrwürdige Schlosskirche. Von dort öffnete sich der Blick Richtung Südstadt, eine Perspektive, wie es sie Jahrzehnte später nicht mehr geben sollte. Doch was ihn damals am meisten irritierte: Auch 20 Jahre nach dem Ende des Krieges waren weite Teile der Stadt noch immer nicht bebaut.
Nicht zuletzt auf Anregung seines Vaters blieb er in der Stadt, die noch so viel Potenzial für allerlei moderne Bauten hatte, und so entwarf der junge Architekt damals im Büro Gerhard Aeckerle unter anderem die Gebäude der Industrie- und Handelskammer, beteiligte sich mit Valentin Ritthaler an der Neustrukturierung der Westlichen in Brötzingen und zeichnete auch verantwortlich für die Bebauung an der Östlichen gegenüber dem Alten Rathaus, die wohl bald für die Neugestaltung der Innenstadt-Ost weichen muss.
Untrennbar mit der Architektur verbunden war für ihn aber immer die Kunst. Er hatte unter anderem auch Bildhauerei bei Fritz König studiert. So groß seine Leidenschaft dafür, so ausgeprägt der Pragmatismus: Freymark hatte drei Kinder zu ernähren, inzwischen alle erwachsen. Seine Frau ist Musikerin. Und so verordnete er sich eine strenge Disziplin, entwarf Häuser in Deutschland zum Gelderwerb, um mindestens 60 Tage im Jahr den Rücken frei zu haben für sein künstlerisches Wirken. 1984 kam dazu die räumliche Trennung: Freymark kaufte ein Anwesen in Südfrankreich, wo er regelmäßig vor allem mit dem Material aus einem benachbarten Steinbruch arbeitete.
Preisgekrönte Karriere
In der Provence sah der Bildhauer erstmals ein Motiv, das zum immer wiederkehrenden Thema in seinen Arbeiten wurde, ob Skulptur oder Malerei: in der Silhouette scharfkantige Naturstein-Einfassungen der Weinbergwege. Sie finden sich als taktgebende Struktur in vielen seiner Werke wieder, besonders markant etwa in der Wandgestaltung des Treppenaufgangs zum mittleren Saal im CongressCentrum. So wie dort stehen Arbeiten Freymarks an zahlreichen prominenten Orten der Stadt, etwa am Gasometer, und in verschiedenen Ortschaften der Region.
Dorthin, genauer gesagt in den Weissacher Ortsteil Flacht, waren Freymark und seine Frau Ute Pohl Mitte der 1990er-Jahre gezogen. Nicht im Groll auf Pforzheim, bekräftigt der Künstler, aber doch auch, um etwas Distanz zu der Stadt zu schaffen, in deren „in sich geschlossener“ Künstlerszene er sich nie so recht willkommen gefühlt hatte.
Als Kreativschaffender blieb er Pforzheim indes erhalten und konnte seine Präsenz durch den Wegzug sogar ausbauen. Bei der Aufzählung der bedeutendsten regionalen Künstler der Gegenwart kommt man an Freymark ohnehin nicht vorbei.
Die umfangreiche Schau zu seinem 80. Geburtstag spiegelt einen repräsentativen Blick über sein Werk wider. Zu sehen sind nicht nur die bekannten Stahl- und Steinskulpturen, sondern auch Zeichnungen und Malereien. Neu dürften für viele ruhige, kontemplative Malereien von Meer und Himmel sein, die Freymark in den letzten eineinhalb Jahrzehnten vor allem in Nordfrankreich angefertigt hat, nachdem er sein Atelier in Gordes aufgegeben hatte.
Die Kunsthistorikerin Krisztina Jütten hat die Ausstellung kuratiert und mit dem Künstler eineinhalb Jahrelang daran gearbeitet. In Fero Freymark, unter anderem mit der „Medaille de Bronze“ fürs skulpturale Werk (Grand Palais Paris) sowie der „Goldenen Leinwand“ fürs malerische Werk (Centre Culturel de la France) ausgezeichnet, sieht Jütten einen „Universalkünstler, der die Kunst als ein Zusammenspiel, als eine untrennbare Einheit aller künstlerischen Disziplinen versteht“. Mit der großen Retrospektive wird nun seinem „vielschichtigen Lebenswerk“ Rechnung getragen.
Die Ausstellung im Hohenwart-Forum, Schönbornstrasse 25, eröffnet am Sonntag, 31. März, um 11 Uhr.





