Calw-Hirsau. Wummernde Bässe, schnelle Rhythmen, eingängige Melodien und jede Menge Spielfreude: Es dauert keine fünf Minuten, bis das Publikum in der Hirsauer Klosterruine tobt, bis es die Arme in die Luft reißt, bis es singt, klatscht, springt und vor der Bühne etwas macht, das wie Pogen aussieht.
LaBrassBand bringen am Samstagabend beim Calwer Klostersommer die Stimmung zum Kochen, die Zuhörer zum Ausflippen und die dicken Klostermauern zum Beben. Und das, obwohl die vom Chiemsee stammende Band ausgerechnet Blasmusik macht.
Aber wer jetzt an Ernst Mosch und die Egerländer Musikanten denkt, der liegt falsch, völlig falsch. Bei der Formation hat die Blasmusik überhaupt nichts Behäbiges, Angestaubtes, Konservatives an sich: Sie ist schnell, modern, mitreißend, voller Kraft und Dynamik.
Vielfalt im Gepäck
Wenn die Musiker zu ihren Instrumenten greifen, dann entsteht ein voller, satter Klang, dann fangen Trompete, Posaune und Tuba an zu flirren und zu kreischen. Melodische Passagen wechseln sich ab mit harten, tiefen Bässen, die mit Wucht durch die Klosterruine dröhnen. Ihre Songs tragen Titel wie "Auerhahn", "Tecno", "Ujemama", "Holland", "Alarm" und "Scheena Dog".
Während dichter Nebel über die Bühne wabert, die bunten Scheinwerfer kreisen und wild blinken, kommen die Musiker von einem Stück zum nächsten. Im Gepäck haben sie so viele, dass sie sich beeilen müssen – behauptet zumindest Sänger Stefan Dettl. Und nutzt die Gelegenheit, dem Publikum zu erklären, wie zeitsparender, "südamerikanischer Applaus" funktioniert: kürzer, aber dafür umso lauter und heftiger.


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Mitsingen ist auch erwünscht, aber "nicht so wie im Kirchenchor", sondern so, dass es Spaß macht. Und beim Tanzen zählt nicht die Optik, sondern allein das Gefühl: "Zu unserer Musik kann man gar nicht cool tanzen", sagt Dettl. Wobei: So ganz stimmt das auch wieder nicht, denn später fordert er das Publikum auf, die Hüften frei zu bewegen, aber nicht irgendwie: "Wenn man brutal südamerikanisch tanzen will, dann muss man sich unfassbar scharf fühlen."
Publikum voll im Griff
Überhaupt hat er das Publikum voll im Griff: Anfangs hält er ihm als Aufforderung zum Mitsingen noch den Mikrofonständer entgegen, später funktioniert das von ganz allein. Immer wieder erzählt er kurze Geschichten und Anekdoten: etwa, wie die Band 2009 beim dänischen Roskilde-Festival aufgetreten ist, was so toll am Tour-Leben ist und wie Radfahren in Holland funktioniert. Eigentlich sei es ja nicht seine Art, sich beim Publikum einzuschmeicheln, erklärt Dettl – um dann zu sagen, dass Calw "eine der schönsten Konzertstädte" sei.
Der Sänger weiß, wie er das Publikum um den kleinen Finger wickelt. "Versteht's Ihr mein Dialekt eigentlich?", fragt er nach einigen Stücken, um dann fast schon etwas verlegen zu erklären: "Ich kann es nicht anders." Das Publikum ist bunt gemischt, besteht genauso aus dem älteren Ehepaar wie aus aufgedreht tanzenden Jugendlichen und dem Vater, der seinen kleinen Sohn auf die Schultern sitzen lässt.
Die meisten kennen die Band bereits, deren Mitglieder auf der Bühne weder Schuhe noch Socken, aber dafür Lederhosen tragen. Als sie rund zwei Stunden gespielt haben, bedankt sich Dettl für das "wunderschöne Konzert". Schluss ist da aber noch lange nicht.

