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Isabel Schmidt-Mappes von Schmuckmuseum mit Arbeiten des Eligius-Preis-Gewinners Paul Iby.  Foto: Meyer/ 

Blick zum Nachbarn: Preisträger aus Österreich zu Gast im Schmuckmuseum

Pforzheim. Österreichs Schmuckszene ist klein – aber kreativ. Das lässt sich zumindest von den Preisträgern des Eligius-Schmuckpreises sagen, deren Arbeiten von heute an im Schmuckmuseum ausgestellt sind. Und neben der Fröhlichkeit und Farbenfreude ist es vor allem „die große Handwerklichkeit, die überrascht“, sagt Schmuckmuseumsleiterin Cornelie Holzach.

Denn zu sehen gibt es unterschiedliche Emaille-Arbeiten, geschwärztes Silber, das mit feinem Japanpapier eine besondere Oberfläche erhält, verschiedene Sägearbeiten und vieles mehr. Wer allerdings auf Edelmetall und Brillis steht, der ist bei den 13 Österreichern fehl am Platz: Beim Großteil der Arbeiten kommen Fundstücke zum Einsatz – von der Fischgräte bis zu Omas Stickmuster. Und das mit gehörigem Witz: Da nutzt Beatrix Kaufmann wurmstichige Holzstücke, die sie in alte Fassungen einbringt, um in ihren „Fraßbildern“ barocke Broschen zu zitieren. Die nervigen Tierchen setzt sie als Graphit-Handzeichnung auf Emaille groß ins Bild und umrahmt das Ganze mit einem geschwungenen Rahmen aus Brillen-Acetat.

Oder die Designer erzählen eine Geschichte wie Izabella Petrut in ihrer „Love Story“, die eine besondere Begegnung auf Rollerskates veranlasst hat, Schmuckstücke aus Einzelteilen der Rollschuhe zu gestalten. Aber auch Schmuckgeschichte inspirierte die meist jungen Gestalter. So lässt Veresa Eybl die Tierwelt von René Lalique (1860–1945) wiederaufleben in ihren 3D-gedruckten Haarkämmen. Und Theresa Macourek nutzt historische Stiche sowie Werke von Brueghel und Bosch, um ihnen in ihren Broschen aus geätztem Neusilber eine ganz andere, hintersinnige Bedeutung zu verleihen.

Doch so verspielt und bunt vieles daherkommt, so reduziert und fein farbig abgestimmt faszinieren beispielsweise die Ketten von Konstanze Prechtl: Aus bedrucktem Leinen und bemaltem Holz baut sie schachtelartige Elemente, die sie zu Colliers zusammenfügt.

Der einzige Mann in der 13er-Gruppe, Paul Iby, ist der Gewinner des mit 7000 Euro dotierten Eligius-Schmuckpreises, der zum sechsten Mal ausgeschrieben wurde. Die Jury, darunter auch Cornelie Holzach, würdigt die Arbeiten des gebürtigen Wieners als „kraftvoll und mutig“. Ibys umfangreiches Werk „Rot wie …“ ist überraschend und humorvoll. Denn Iby setzt Frauenkörper in Szene: mit einem Unterbrustbustier aus emailliertem Kupferblech, einem Kleid aus einzelnen Emaille-Elementen mit hochhackigen Schuhen, in deren Platteausohle sich glühende Kohlen als Fußwärmer unterbringen lassen. Und als Trägerinnen von großvolumigem Halsschmuck – direkt vom Schrottplatz – mit Metallteilen und alten Verstärkerkabeln. Auch seine meterlangen Ketten aus durch Zellwolle verknüpften emaillierten Kupferrohrstücken dürften manche Trägerin einiges an Kraft kosten. „Es ist kein leichtes Unterfangen, so große Emaillearbeiten zu fertigen, gerade das schreckt ihn nicht, sondern spornt an“, bewertet die Jury.

Die Ausstellung

Die Ergebnisse des 6. Eligius-Schmuckpreises des Landes Salzburg sind von Freitag an bis 26. Januar 2020 täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr im Schmuckmuseum zu erleben. Die Ausstellung wird heute um 19 Uhr im Reuchlinhaus eröffnet. www.schmuckmuseum.de

Sandra Pfäfflin

Sandra Pfäfflin

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