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Kraftvoller Mix: Sängerin Mara Immler umringt von der Blechbläser-Phalanx der Band 9 Bar.  Foto: Frommer 

Brass-Bands teilen sich zweite Konzertnacht der Mühlhausener Musiktage

Tiefenbronn-Mühlhausen. Der sofort nach vorne gehende Sound beider Formationen baut auf üppig besetzte Horn-Sections: Nicht weniger als sieben Blechbläser und ein Schlagzeuger verleihen der Band Little Joe and The Facking Horns aus Ravensburg enorme Durchschlagskraft; gleich zehn Mann und eine zierliche Sängerin fahren 9 Bar aus Meckatz im Westallgäu auf. Beide Combos entstanden 2014 – und, was mit Blick auf ihre geografische Nachbarschaft nicht sonderlich überrascht, ihre Mitglieder kennen und schätzen sich.

Für die Mühlhausener Musiktage haben 9 Bar ihre Kollegen sogar aktiv vorgeschlagen: als Vorgruppe. Das ist mutig – denn beim Support darf eine Vorband zwar gerne das Eis im Saal brechen, aber sie sollte dem Headliner qualitativ nie zu nahe kommen. Hierfür sorgen mitunter klammheimlich reduzierte Beschallung und zurückgefahrene Beleuchtung.

Nun, grau ist alle Theorie, auch bei den Musiktagen: In der ausverkauften Würmtalhalle punkten beide Brass-Bands ansatzlos mit dem kraftvoll satten Sound eines heranbrausenden 40-Tonnen-Trucks. „Stilecht“ nehmen Little Joe and The Facking Horns bei heulenden Sirenen die Bühne ein. Sie laufen bereits beim zweiten Titel – Beyoncés „Crazy In Love“ – zu ganz großer Form auf. Spätestens zu Roberta Flacks Soul-Klassiker „Killing Me Softly“ tanzen die Jüngeren im Saal, als gäbe es kein Morgen – und in den Gesichtern der Älteren scheint sich ein Lächeln dauerhaft einzunisten. Das getragene „Stand By Me“ (Ben E. King) begleitet das gesamte Publikum mit rhythmischem Klatschen. Die deutsch gesungenen Titel „Türlich Türlich“ und „Randale“ sind weitere Höhepunkte – sie bereiten auf den sich anschließenden Gig von 9 Bar vor.

Ska und deutscher Rap, viele Titel von Jan Delay, eine Prise Reggae, etwas Russen-Disko und ein eher einsamer Matthias-Reim- Schlager fügen sich zum wild gemischten Repertoire der Allgäuer Band. Die meisten Songs interpretiert Frontfrau Mara Immler; dazu stiefelt sie im betont coolen John-Wayne-Cowboyschritt quer über die Bühne und feuert das Publikum immer wieder an. Zuletzt hält die Jungen im Saal nichts mehr auf ihren Stühlen, selbst als 9 Bar das schon zuvor von den Ravensburger Kollegen dargebotene „Gangsta’s Paradise“ (Coolio) wiederholt. Und so wird diese sich fast aufzwingende Gelegenheit für eine Jam-Session leider verspielt.