Feiern ihr 50-jähriges Bestehen im Stil eines bretonischen „Fest-noz: die Band „An Ermining“. Hier mit Barbara Gerdes und Hans-Martin Derow, nicht auf dem Bild zu sehen ist Andreas Derow.
Robin Daniel Frommer
Kultur
Bretonische Energie im Gasometer: Band „An Erminig“ feiert Jubiläum
  • Robin Daniel Frommer

Sie gehen in der bretonischen Musik ganz auf: Die Musiker der Formation „An Erminig“ feiern in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bandjubiläum – natürlich auf Tour.

Am Dienstag spielte das aus Deutschland stammende Trio – Barbara Gerdes, Andreas und Hans Martin Derow – beim Folkclub Prisma im ausverkauften Pforzheimer Gasometer auf. Unter den 95 Zuschauern war auch ein gutes Dutzend eingefleischter Folklore-Tänzer, die den Konzertabend in kollektiver Bewegung verbrachten, ganz nach dem Vorbild eines bretonischen „Fest-noz“ (dt: nächtliches Tanzfest).

„Von der Schülerband zur Rentnerband“, witzelt Barbara Gerdes (Flöten, keltische Harfe und Bombarden) – und lässt die Gründungszeit im Jahr 1975 kurz Revue passieren: „Ich hätte mir am Anfang gar nicht vorstellen können, dass ich in 50 Jahren noch immer bretonische Musik mache. Sie erzählt den Pforzheimer Konzertgästen weitere Erinnerungen: „Wir haben lange nicht auf Bretonisch gesungen, weil wir es anmaßend fanden. Später wurden wir tatsächlich mit dem Vorwurf der kulturellen Aneignung konfrontiert. Freunde haben uns daraufhin bretonische Pässe zugesandt. Leider hat es an der französischen Grenze, eine Woche später, nicht geklappt“.

Gerdes und die beiden Derows zählen neben bretonischen Musikern auch die irischen Fureys und die Battlefield Band aus Glasgow sowie den Franzosen Alan Stivell zu ihren Vorbildern. Entsprechend international und vielfältig ist das Repertoire mit dem sie im Hier und Jetzt unterwegs sind. Auf das Liebeslied „An Hini a Garan“ folgt beispielsweise der ursprünglich irische Titel „Lord Lovell“ und im zweiten Set sind Muñeiras, keltiberischer Tänze im 6/8-Rhythmus, die Nachbarn des besungenen Schotten „Lang Jonny Moir“. Und zur Suite „Plinn“ verraten die Musiker, dass sie, wie die vermutlich aus der Provence stammende Gavotte, ganz gerne zum Feststampfen der Fußböden verwandt wurde.

Natürlich erfordert ein so vielfältiges Repertoire eine Armada an Instrumenten. Im Gasometer waren neben der mittig positionierten keltischen Harfe, zwei bis drei Ziehharmonikas, je eine Gitarre, eine Bouzouki, eine Schlüsselharfe und eine Geige, vier Flöten, eine Bombarde und ein Dudelsack in wechselndem Einsatz.

Das Konzert von An Erminig klingt mit dem heiteren Titel „Avant Deux de Travers“, mit viel Beifall und zwei Zugaben aus, darunter das von der Band als Lieblingstitel präsentierte bretonische Schäferlied „Duhont“; (CD Plomadeg).

www.folkclub-prisma.de