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Für die Demokratie wollen Musiker aus der Region am 13. Februar ein Konzert geben. Foto: Alejandro/Adobe Stock
Für die Demokratie wollen Musiker aus der Region am 13. Februar ein Konzert geben. Foto: Alejandro/Adobe Stock
28.12.2018

Bunte Töne gegen Rechtsextremismus: Kulturhaus Osterfeld plant Konzert mit Musikern aus der Region

Pforzheim. Maria Ochs will nicht länger zusehen. Die Leiterin des Kulturhauses Osterfeld sucht seit einigen Wochen Künstler für ein ganz besonderes Konzert. Der Hintergrund: „Pforzheim ist negativ in den Schlagzeilen, vor allem was die hohen Prozentzahlen der AfD-Wähler angeht“, sagt Ochs.

„Das wollen wir so nicht stehen lassen. Rassistische und menschenverachtende Äußerungen werden salonfähig und Menschenrechte angezweifelt. Es ist kaum zu ertragen, wie rasant das geschieht. Dem wollen wir uns entgegenstellen.“ Zumal im kommenden Frühjahr wieder Kommunal- und Europawahlen anstehen.

Bekenntnis zur Demokratie

„Die Welt ist aus den Fugen. Lasst uns gemeinsam laut werden“, schreibt Ochs an diverse Künstler in der Region. Sie wolle ihnen eine Möglichkeit geben, sich klar zur Demokratie bekennen – und zeigen, dass es in Pforzheim auch Andersdenkende gibt. Die Dramaturgie des Abends werde demnächst festgezurrt. Einige Künstler hätten bereits zugesagt.

So auch Dieter Huthmacher. Gedanken gegen Rechts waren in seinen Programmen immer Thema, angefangen in den 1970er-Jahren, als in den Fußballstadien die ersten Neo-Nazis ihre Sprüche brüllten, mit dem Lied „Der Wind von rechts“, heute auf der neuen CD der Titel „Verantwortung“. „In vielen Liedern beziehe ich angedeutet Stellung“, so Huthmacher. „In einer Stadt, die in neuerer Zeit immer schon ihre Wähler am rechten Rand gesucht und gefunden hat – aktuell zeigt sich Pforzheim als AfD-Hochburg –, sollte es auch für Künstler ein Akt der Solidarität sein, bei solch einer Veranstaltung mitzumachen.“

Für den Jazztrompeter Sebastian Studnitzky gibt es „1000 Gründe“, sich zu engagieren. „Dass Pforzheim als braunes Nest gilt, finde ich total bedrückend“, sagt der in Berlin lebende Musiker aus Neuenbürg. Ebenso die generellen politischen Tendenzen, im Land wie international. „Da muss man gegenhalten und kann mit solch einem Konzert eine gewisse Aufmerksamkeit erzeugen.“

Peter Freudenthaler findet es wichtig, dass in der Öffentlichkeit stehende Künstler Farbe bekennen und ein Zeichen setzen. „Auch, damit der Gesprächsfaden zu jenen nicht abreißt, die unzufrieden sind“, sagt der Fools-Garden-Sänger. Für ihn sei die Veranstaltung eher ein Konzert für ein Miteinander, für die Demokratie. Diese sei an einem Punkt, „an dem wir begreifen müssen, dass sie nicht mehr selbstverständlich ist“. Er wolle ein Bewusstsein schaffen, für „das tolle Land, in dem wir leben – weil es Tendenzen gibt, das Wesentliche zu vergessen, das wir in Händen halten“.

Laut Ochs haben auch die Band No Bacon, Roadsong-Frontmann Harry Klenk und der Entertainer Luis Vicario zugesagt. Sie veranstaltet das Konzert mit der „Initiative gegen Rechts Pforzheim“ „Wir halten es für wichtig, dass wir uns mit allen zusammenschließen, die gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus Flagge zeigen wollen“, sagen die Mitglieder Christiane Quincke und Christa Mann. Dies könne in Gesprächen am Arbeitsplatz oder beim Familienessen genauso passieren wie durch eine Lesung, eine Demonstration – oder eben ein Konzert. „Wir müssen alles dafür tun, damit die Rechten nicht noch mehr Einfluss auf die politischen Entscheidungen bekommen.“ Was dies bedeutet, sehe man an den Angriffen auf die Presse- und Kunstfreiheit in Ländern wie Polen, Ungarn, Italien und Österreich.

Auch in Pforzheim habe der Rechtspopulismus „leider viele Anhänger“, so die Initiative, und werde immer noch viel zu sehr verharmlost. Das sehe man auch daran, dass der Fackelaufmarsch der Rechtsextremen am 23. Februar von vielen gar nicht als „Störung“ empfunden werde. „Und wer sich gegen diese Rechtsextremen positioniert, wird allzu schnell in eine linksextreme Ecke gestellt. Dabei geht es hier um unsere demokratischen Werte“, geben sie zu bedenken. Auch mit Blick auf die anstehenden Wahlen sei es gut, wenn möglichst viele Menschen – und eben auch Künstler – aus Pforzheim Stellung beziehen. „Wir freuen uns sehr, dass dieses Konzert zustande kommt“, sagen Quincke und Mann. Der Eintritt ist frei, es wird aber um Spenden gebeten. Nach Abzug der „harten Kosten“ für Plakate und Flyer werden die Erlöse an eine Organisation gespendet.

"Let's get loud – Pforzheimer MusikerInnen gegen Rechts" findet statt am Mittwoch, 13. Februar, ab 20 Uhr im Malersaal des Kulturhaus Osterfeld. Interessierte Bands können sich per E-Mail melden bei maria.ochs@kulturhaus-osterfeld.de.