Erstein. Es ist ein ausführlicher Blick zurück und dennoch ein Blick in die Zukunft: Von Sonntag an zeigt das Musée Würth im elsässischen Erstein die große Retrospektive „Christo und Jeanne-Claude. Sammlung Würth“. Nach dem überraschenden Tod Christos am Pfingstsonntag beleuchtet die Schau das Lebenswerk dieses ungewöhnlichen Paars. Und weist in die Zukunft: Als letztes Großprojekt wird nach Christos Plänen vom 18. September bis 3. Oktober 2021 der Triumphbogen in Paris mit 25 000 Quadratmetern silber-bläulichem Stoff verhüllt werden, die 7000 Meter rotes Seil zusammenhalten.
Die Entwürfe dazu stammen bereits von 1962. Schon damals wollte Christo das Wahrzeichen verpacken, das neben der historischen Symbolik für ihn auch eine sehr persönliche Bedeutung hat: Vier Jahre zuvor lernte sich das bulgarisch-französische Paar an der Seine kennen, Christo wohnte damals in einem winzigen Zimmer ganz in der Nähe. Von Paris aus traten Christo und Jeanne-Claude, die 2009 verstarb, einen künstlerischen Siegeszug rund um die Welt an: die verhüllte Brücke Pont Neuf in Paris 1985, die Verhüllung des Reichstags vor 25 Jahren, die gelb schimmernden „Floating Piers“ am Iseo-See in Norditalien im Jahr 2016 und vieles mehr. Die beiden verzauberten mit ihrer Kunst Millionen Menschen und verliehen existierenden Dingen eine ganz neue Wahrnehmung.
Mit dem Unternehmer und Sammler Reinhold Würth verband Christo und Jeanne-Claude eine jahrelange Freundschaft, die unter anderem 1995 zu dem Projekt „Wrapped Floors and Stairways and Covered Windows“ im Museum Würth in Künzelsau führte. Rund 80 Arbeiten aus der Sammlung Würth, die mit über 130 Kunstwerken eine der weltweit bedeutendsten Kollektionen von Christo verwahrt, beleuchten nun in Erstein in einem Querschnitt das Gesamtwerk.
Verbindendes Element der meisten Projekte ist das Medium Stoff. Zudem verstanden die Ausnahmekünstler ihre Arbeiten stets als Werke in mehreren Schritten, bei denen die Zeichnungen und maßstabsgetreuen Modelle gleichbedeutend sind zur zeitlich begrenzten Installation. Dokumentierende Fotografien und Filme, Skizzen und Collagen sowie Arbeiten aus dem Frühwerk sind ebenfalls Teil der Würthschen Sammlung.


