Wandlungsfähig präsentiert sich Teddy in Pforzheim. Foto: Daub
Kultur
Comedian Teddy bringt das CCP zum Kochen
  • Anita Molnar

Pforzheim. Was für eine Show: Die Stimmung kocht, als Tedros Teclebrhan alias Teddy ein letztes Mal über die Bühne geht. Mit seinem Handy, um die begeisterte Menge für Instagram zu filmen. Alle Hände sind oben – wie beim Konzert eines Superstars. Und genauso feiern die überwiegend jungen Leute den Comedian im ausverkauften CongressCentrum Pforzheim (CCP) – bei der Show „Ds passiert alles in dein Birne“.

Kreischend wird der aus Eritrea stammende Komiker, der im Internet mit einer Umfrage zum Integrationstest bekannt geworden ist, empfangen – egal in welche Rolle er schlüpft. Ob als sabbernd-asozialer Percy, als heulende Sängerkarikatur Lohan Cohan, als fremdenfeindlicher Ernst Riedler oder als „Integrationsexperte“ Antoine mit Schnauzer – die Zuschauer biegen sich vor Lachen.

Schwäbeln, lispeln, nuscheln

Alle Figuren hat der Schauspieler selbst erfunden, spielt sie dynamisch und mit Improvisationskunst. Er schwäbelt, lispelt und nuschelt, dass teils nur die Hälfte zu verstehen ist. Aber darum geht es auch nicht. Was die Leute lieben, ist Teddys Authentizität und Spontaneität, seine Interaktion mit dem Publikum. „Pforzheim, geht’s euch gut?“, ruft er immer wieder, geht durch den Saal und bringt den Kameramann, der für die Live-Projektion filmt, ins Schwitzen.

Sein Glück kaum fassen kann ein junges Mädchen, das mit Teddy auf der Bühne das Blödel-Lied „Flieg kleiner Wellensittich“ singen darf. Überhaupt erweist sich der Stimmungsmacher als begnadeter Sänger – und wenn man seinen Stil mag, auch als Comedian, der mit Schimpfwörtern wie Drecksau, Pisser oder „Du bist am Arsch“ nur so um sich haut.

Mit durchdringender Stimme präsentiert er nicht nur eine Ballade zu Klaviermusik, sondern auch den mitreißenden Lionel-Richie-Song „All Night Long“, tanzt dabei durch die Zuschauerreihen und lässt mit einer spontanen Perkussion-Einlage vollends Karibikstimmung aufkommen. Denn auf der Bühne hat sich der weiße Vorhang gehoben und eine Live-Band und Riesenleinwand mit Palmen zum Vorschein gebracht.

Mit wechselnder Garderobe stellt er überzeichnete Typen wie den radikalen Schwaben Ernst Riedler dar: „Ich spiele Pokémon Go, aber nicht das Normale, sondern das mit Flüchtlingen.“ Er habe nix gegen Afrikaner, die unbemerkt klauen – „Das machen sie halt, da können sie nichts dafür“ – und auch nichts gegen das „schwarze Teufele“ von Heidi Klum. Um zu zeigen, „wie dunkel der ist“, wird das Licht ausgemacht: „Das ist der Seal.“

Krönender Abschluss der Teddy-Show ist die Tanzperformance mit virtuellen Mittänzern – ähnlich wie beim Gewinnerlied „Heroes“ beim Eurovision Song Contest 2015. Der Glatzkopf ist nun ganz er selbst, ohne Perücke und verstellte Stimme. Der Saal tobt, bekommt seine Zugabe – nach einer spektakulären Show.

Teddys Video aus dem CCP gibt es zu sehen auf www.pzlink.de/teddy