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Mit dramatischer Geste und enormem Tempo: das Ensemble NeoBarock.  fotomoment
Mit dramatischer Geste und enormem Tempo: das Ensemble NeoBarock. fotomoment
27.09.2016

Das Ensemble NeoBarock gastiert zum Abschluss der Klosterkonzerte

Zum Abschluss der diesjährigen Klosterkonzerte sorgte das Ensemble NeoBarock mit „Schatzkammermusik“ und prächtig-barocken Klangfarben für kollektiven Jubel des Konzert-publikums.

Die mitreißende Spielfreude der vier zu einem einzigen Instrument verwobenen Solisten Volker Möller (Violine), Maren Ries (Violine und Viola), Ariane Spiegel (Cello) und Rossella Policardo (Cembalo), ihre stürmisch bewegte akrobatische Kunst wurde von den Zuhörern mit raunendem Staunen beobachtet – obwohl ihre körperbetonte Theatralik zuweilen übertrieben wirkte. Vor allem die Cembalo-Spielerin führte an ihrem Instrument – das als Ruhepol im Basso continuo gilt – tänzerische Kunststücke auf.

Barockgrößen standen mit teils kuriosen Fundstücken auf dem Programm: Heinrich Ignaz Franz Biber, Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi, Georg Philipp Telemann und natürlich Johann Sebastian Bach. Mit enormem Tempo und dynamischen Attacken präsentierte das Ensemble einleitend „Partita VI“ von Biber. Einige Sätze der Händel-Sonate in G-Dur (HWV 399) leuchteten dagegen lyrisch in glückseliger Ruhe. Dann stellte die Wiedergabe der Vivaldi-Sonata „La Follia“ (Die Närrin) mit farbintensiven Variationen alles in ihren Schatten: Getragen dunkel die Einleitung, Glissandos der Geigen, gekratzte und gerissene Staccati des Cello, abenteuerliche Springbogen-Folgen. Und das Accelerando wollte in seiner Rasanz kein Ende nehmen. Mit Feuer, Rhythmik und Verve jagten die Musiker durch halsbrecherische Skalen bis zur Erschöpfung. Da waren virtuose Artisten mit einer musikantischen Zirkusnummer am Werk.

Nach der Konzertpause bestimmten mit Bach und Telemann („Musique de Table“) ruhigere Geläufigkeit und Schönklang das Programm, gepaart mit einer verschwenderischen Fülle an Verzierungen und überraschenden Details. Dass sie mit Hingabe geschmeidig atmende Phrasierungen zum Funkeln bringen, kann niemand den vier Solisten absprechen. Aber ihre auf einer fragwürdigen „historischen“ Rekonstruktion beruhende Interpretation von Bachs Konzert für zwei Violinen und Orchester in d-Moll (BWV 1043), das NeoBarock auf das Format einer „Sonate für zwei Violinen und Basso continuo“ zurückführte, blieb doch erstaunlich blutleer und blass.