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Musikalisch temperamentvoll zeigt sich Tangente Quattro in Birkenfeld.  Foto: Molnar 

Das Streichquartett Tangente Quattro gastiert bei „Musik aus Dresden“ in Birkenfeld

Schon das Vorkonzert von Musik aus Dresden in der katholischen Kirche Birkenfeld fällt kontrastvoll, wenn auch sehr lieblich aus: Rein und fein singen die fünf Nachwuchssängerinnen von „Fleur Rouge“ der Jugendmusikschule Neuenbürg „Let it be“, „Im schönsten Wiesengrunde“ und „Hallelujah“ unter der neuen Lei-tung von Miriam Kurrle. Tempe-ramentvoll dann das erstmals gastierende Dresdner Streichquartett Tangente Quattro, dem mit Ale-xandra Vrebalovs „Pannonia Boundless“ (Grenzenloses Pannonien) ein tänzerisch-mitreißender Einstieg gelingt. Schon allein das innige Solo des Bratschisten lässt aufhorchen. Der verheißungsvolle Abend unter dem Titel „Groove der Klassik“ scheint sich also zu erfüllen.

Doch ganz so „überraschend verrückt“ ist das Konzert von Anja Krauß (Violine und Moderation), Franz Schubert (Violine), Heiko Mürbe (Viola) und Ulrich Rüger (Cello) dann doch nicht. Stevie Wonders „Sir Duke“ kommt erst bei der Zugabe, George Gershwins schwungvoll-groovige Fantasie über Themen aus der Oper „Porgy and Bess“ als letztes Stück.

Überzeugende Spieltechnik

Dazwischen gibt es Tangos, Filmmusik und teils folkloristische und traurige Melodien aus England, Portugal oder Mexiko. Eine musikalische Reise also, die die vier mit Herzblut beschreiten. Denn eines ist sicher: Die Streicher, die bei der Staatskapelle oder Philharmonie Dresden engagiert sind, sind exzellente Musiker, überzeugen in Spieltechnik und Ausdruck. Und wenn die Geigerin gerne nah am Steg knarzt – etwa bei dem rhythmisch eigenwilligen Stück „Se Me Hizo Fácil“ von Agustín Lara oder bei „Four for Tango“ von Astor Piazzolla – dann ist das durchaus so gewollt.

Markant bei der Piazzolla-Interpretation sind vor allem die pfeifartigen Bogenakzente, die stets wiederkehren. Bis auf diese originale Komposition für Streichquartett handelt es sich bei allen anderen Stücken um Bearbeitungen – teils von Cellist Ulrich Rüger, der dem Publikum durch seine Auftritte mit dem Karalis Cello Quartett bereits bekannt ist. Fernöstliche Klänge dringen bei „Morango . . . Almost A Tango“ des chinesisch-amerikanischen Komponisten Thomas Oboe Lee durch.

Über einem dunklen Ostinato-Rhythmus des Cellos entfalten besonders die Violinen einen tiefemotionalen Klangteppich. Ein zauberhaftes Stück, das auch ein bisschen in die Beine geht, ist „Tabú“ der Kubanerin Margarita Lecuona. Mit französischem Charme kommt das englische „Salut D’Amour“ von Edward Elgar daher, mit Melancholie und viel Gefühl durch den Geiger Franz Schubert „Gloomy Sunday“ von Rezső Seress.

Ein Programmzettel wäre angesichts der vielen unbekannten Titel schön gewesen. Kurzweilig ist das Konzert aber allemal.