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Eine reizende Christel von der Post gibt Verena te Best an der Seite von Tenor Richard Klein als Vogelhändler (rechts) und Ivaylo Guberov als Baron Weps. Foto: Molnar
Eine reizende Christel von der Post gibt Verena te Best an der Seite von Tenor Richard Klein als Vogelhändler (rechts) und Ivaylo Guberov als Baron Weps. Foto: Molnar
01.03.2018

Das Thalia Theater Wien gastierte mit Carl Zellers Operette „Der Vogelhändler“ in Remchingen

Remchingen. Auf die Wiener ist Verlass: Sie bewahren die Tradition, bringen den „Vogelhändler“ des österreichischen Komponisten Carl Zeller ganz klassisch auf die Bühne. Mit Waldkulissen, Wegweiser und grünen Bänken ist das Operetten-Gastspiel des Thalia Theaters Wien – einer Koproduktion mit dem Opernhaus Usti an der Elbe – in der gut besuchten Kulturhalle Remchingen ausgestattet.

Auch die Kostüme fügen sich mit Tiroler Trachten, Jägerröcken und Dirndl ganz in das Bild der volkstümlichen Verwechslungskomödie, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts spielt. Eine Jagd soll vorbereitet werden, doch die Bauern haben beim Wildern alle Wildschweine erschossen. Und dann sagt auch noch der Kurfürst ab.

Baron Weps braucht Geld, um die Schulden seines Neffen, Graf Stanislaus, bezahlen zu können. Dieser gibt sich kurzerhand als Kurfürst aus und treibt damit das Spiel aus Verwechslungen, Liebe und Eifersucht voran. Im Mittelpunkt des Dreiakters stehen der Tiroler Vogelhändler Adam und seine Christel, die nicht heiraten können, weil sie nichts haben. Mit einer Bittschrift tritt die Briefträgerin vor den angeblichen Kurfürsten, um eine Anstellung für Adam zu erwirken. Dieser flirtet indes mit der als Bauernmädchen verkleideten Kurfürstin Marie. Doch am Ende siegt die Liebe – in einer Doppelhochzeit.

Die Inszenierung von Rudolf Pfister bietet leichte Unterhaltungskost in österreichischer Mundart. Gejauchze und Grußformeln wie „Pfiat di“ gehören dazu – und natürlich wogende Walzermelodien, etwa „Wie mein Ahn’l zwanzig Jahr“. Das Orchester schwelgt unter Leitung von Milan Kañàk in schönen Tönen, überstimmt jedoch an mancher Stelle Solisten wie den zart-timbrierten Tenor Michael Kurz als Graf Stanislaus – etwa beim Duett „Schau mir nur recht ins Gesicht“ mit Verena te Best, die eine reizende Christel mit blonden Zöpfen, strahlendem Lächeln und Sopran abgibt. Ihr Auftrittslied „Ich bin die Christel von der Post“ meistert sie mit Charme und großer Präsenz. Bei Richard Klein als Vogelhändler Adam erschwert der Tiroler Dialekt ein wenig die Verständlichkeit. Sein Entree präsentiert er aber mit Elan, spielt auch ganz den eifersüchtigen Dickschädel. Seine warmherzige Seite zeigt er bei dem Schmachtfetzen „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ im Duett mit Sopranistin Heidi Manser als Kurfürstin Marie. Herrlich vor allem die eingesprungene Franziska Stanner als rüstige „alte Schachtel“ Adelaide, die am Ende den sauflustigen, plötzlich zum Lustmolch mutierten Baron Weps (Ivaylo Guberov) zum Mann nimmt. Ein waschechter Tiroler Komödienstadl.