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Der Schauspieler (Markus Löchner, Mitte) erklärt Rosenkranz (Sergej Gößner, rechts) und Güldenstern (Henning Kallweit), was er alles in petto hat.
Der Schauspieler (Markus Löchner, Mitte) erklärt Rosenkranz (Sergej Gößner, rechts) und Güldenstern (Henning Kallweit), was er alles in petto hat.
22.02.2016

Deftiges Spiel der Kontraste: Stoppards „Rosenkranz und Güldenstern sind tot“ im Podium

Pforzheim. Eine Kombination für Feinschmecker: Dem „Hamlet“ des Vortags folgte mit der gleichen Besetzung und Ausstattung als eine Art flapsiges Satyrspiel auf die hohe Tragödie die absurde Komödie „Rosenkranz und Güldenstern sind tot“ von Tom Stoppard im Podium – eine kontrastreiche Paarung, die Vergnügen mit Nachdenklichkeit verbindet.

Es gehe ihm in dem Stück, mit dem der britische Dramatiker 1966 seinen Durchbruch erlebte, um „die Unvermeidlichkeit des Schicksals“. Und tatsächlich, die beiden „Helden“ des Werkes, die im „Hamlet“ noch bloße Nebenfiguren waren und dort im Strudel des Dramas untergehen, treten hier in den Fokus des Geschehens. Aus den missbrauchten Handlangern, die in der Intrige des schuftigen Königs Claudius zunächst zu Helfershelfern und dann zu Opfern werden, macht Stoppard überforderte Täter, die freilich wiederum als Opfer enden.

Absurde Rituale

Bis aber ihr Ende sie ereilt, mühen sie sich, der Fremdsteuerung ihrer Existenz zu entkommen. Wie die beiden Landstreicher in Samuel Becketts „Warten auf Godot“ vertreiben sie sich die Zeit der Ratlosigkeit mit allerlei Frage- und Ratespielen, absurden Ritualen sowie müßigen Übungen, dem Unentrinnbaren zu begegnen. Was aber mit ihnen geschieht, wird allemal durch den Verlauf der „Hamlet“-Handlung bestimmt. Da treten unversehens die Komödianten auf, die am dänischen Hof später ihre entlarvende Pantomime vom Königsmord aufführen sollen und sich als bunter Haufen übler Schmieranten präsentieren. Aber auch Hamlet selbst, den sie nach England bringen und dort dem sicheren Tod überantworten sollen, tritt auf und dreht den perfiden Spieß um. Und schließlich erscheint die ganze Hofgesellschaft, um die mörderische Intrige ins Werk zu setzen. In der gewitzten Durchdringung der unterschiedlichen Spiel- und Stil-Ebenen liegt der hohe Reiz von Stoppards Stück, das den Betrachter zu intellektuellen Purzelbäumen mit vergnüglichem Erkenntnisgewinn verführt. In den flinken Dialogen offenbart diese Komödie einen virtuosen Sprachwitz. Da fallen wunderbare Sätze über Abgründe und Flausen des Theaterbetriebs, rabulistische Saltos zu seriösen Themen wie Tod, Glück oder Zufall, hintergründige Aperçus zu Spiel und Ernst, aber auch Albernheiten einer ins Kraut schießenden Lust an der Wort-Jonglage.

Caroline Stolz’ Regie fügt dem Werk und seinem Witz immer wieder noch weitere Gags und Extras hinzu, entfesselt mit Slapstick und klamaukigem Jux einen szenischen Wirbel, in dem manches feinere Detail der Vorlage zu versinken droht. Die beiden ausgezeichneten Protagonisten, Sergej Gößner als Rosenkranz und Henning Kallweit als Güldenstern, zeigen mit animierter Laune ein breites Spektrum von clownesker Posse bis elegischer Pose. Dem Publikum gefiel’s.