Stuttgart. In Baden-Württemberg hat Otto Dix seine zweite Heimat gefunden: 1933, nach dem Verlust der Dresdner Professur und der zunehmenden Diffamierung durch die Nationalsozialisten, zog sich der Künstler an den Bodensee zurück, wo er mehr als 30 Jahre lebte. Aus Anlass des 50. Todestags am 25. Juli laden in dem neuen Museumsführer „Otto Dix in Baden-Württemberg“ sieben Einrichtungen gemeinsam ein zu einer Reise auf Otto Dix’ Spuren.
Eine sehr erlebnisreiche Tour, verfügen diese Museen doch über die weltweit umfangreichste Sammlung seiner Werke, die einen Einblick in alle Facetten des Schaffens erlaubt: von der heftigen Gesellschaftskritik des Hauptwerks über die altmeisterliche Lasurmalerei der inneren Emigration bis hin zu den expressiven Gemälden der späten Jahre.

Spannende Reise in den Kosmos von Otto Dix
Kunstmuseum Albstadt
Hier ist die Grafik beheimatet: Mit über 400 Zeichnungen und druckgrafischen Werken verfügt das Museum über eine der wichtigsten Sammlungen. Noch bis 1. September gibt es im „jungen kunstraum“ die sehenswerte Schau „OTTO mit + ohne Farbe. Otto Dix, der Pinsel und der Zeichenstift“. Hier ist zu entdecken, wie Dix seine erste Radierung schuf und wie er porträtierte – schwarzweiß und farbig. Zu sehen ist unter anderem die seltene Lithographie auf Makulatorbogen von Sege Poliakoff „Hafenarbeiter mit Kind“ aus dem Jahr 1968.
Zeppelin Museum Friedrichshafen
Mit 406 Werken hat das Museum eine der bedeutendsten Sammlungen des über viele Jahre am Bodensee beheimateten Künstlers. Unter dem Titel „Eigentum verpflichtet. Eine Kunstsammlung auf dem Prüfstand“ widmet sich das Haus noch bis 6. Januar einem hoch aktuellen Thema: Raubkunst. Nach einem Totalverlust während des Zweiten Weltkriegs erwarb man ab 1950 in einer euphorischen Aufbruchsstimmung rasch die ersten 100 Kunstwerke. In der Ausstellung werden die Folgen des NS-Kunstraubs und der gigantischen Kulturgutverlagerungen des 20. Jahrhunderts beleuchtet. Auch anhand von Dix-Gemälden, wie „Blumenstrauß“.
Haus Dix in Hemmenhofen
Das neu renovierte Wohnhaus des Malers in Hemmenhofen (Kreis Konstanz) soll den Besuchern die Lebenswirklichkeit der Künstlerfamilie Dix nahebringen, die hier ab 1936 lebte. Während der Arbeiten entdeckten Handwerker sechs große Original-Wandgemälde des Malers. Die Otto-Dix-Stiftung vermutet, dass Dix sie für ein Faschingsfest im Februar 1966 gezeichnet hatte. Sie zeigen unter anderem ein Ungeheuer, das mit seinen Trompetenrüsseln eine ganze Jazzband zu ersetzen scheint. Auch die Wohnräume und das Atelier, vor allem aber der großartige Blick über den Gnadensee machen einen Besuch lohnenswert. In der Petruskirche im benachbarten Kattenhorn können die von Dix gestalteten Kirchenfenster besichtigt werden.
Kunstmuseum Singen
Otto Dix zeigte bereits ab 1947 in der jährlich stattfindenden Kunstausstellung seine Bilder und war mit dem damaligen Oberbürgermeister Theopont Diez befreundet. Davon zeugt auch das monumentale Wandbild „Krieg und Frieden“, das der Künstler 1960 für den Ratssaal des neuerbauten Rathauses gemalt hat. Es ist während der Sommerferien in Deutschland an Samstagen und Sonntagen zu besichtigen. Das Kunstmuseum selbst zeigt unter anderem Werke der Höri-Maler, deren berühmtester Vertreter Otto Dix ist.
Kunsthalle Mannheim
Bereits 1925 wird Dix zum ersten Mal in der Kunsthalle Mannheim ausgestellt: Sein „Knabenbildnis“ und „Die Witwe“ sind in der wegweisenden Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ zu sehen. Wichtige Werke des Künstlers, wie „Die Irrsinnige“ und „Der Streichholzhändler II“, sind in Mannheim ausgestellt – neben Grafiken und Zeichnungen.
Staatsgalerie Stuttgart
Dix’ erbittertes Fazit des Ersten Weltkriegs schlägt sich in seinen Krüppelbildern nieder: „Der Streichholzhändler“ von 1920 ist eines der Hauptwerke – und in der Staatsgalerie zu sehen. Die verfügt über drei weitere Gemälde und zahlreiche Grafiken.
Kunstmuseum Stuttgart
Das Kunstmuseum besitzt die bedeutendste Dix-Sammlung: rund 250 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken aus allen Schaffensphasen. Herausragend ist das Triptychon „Großstadt“ (1927/1928) – ein zentrales Werk der Kunst des 20. Jahrhunderts.





