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Ein besonderer Geburtstag steht an: Bernhard Jablonski, ehemaliger Rektor der damaligen Fachhochschule für Gestaltung, wird am Montag 95.  Fotos: Seibel/privat 
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Der Altar der Rosenbergkirche in Stuttgart stammt von Bernhard Jablonski. 

Der Meister der stillen Ästhetik - Bernhard Jablonski begeht am Montag seinen 95. Geburtstag

Pforzheim. Was wünscht man einem lieben Menschen zum 95. Geburtstag? Gesundheit vor allen Dingen – und weiterhin viel Freude, die Welt um sich herum zu gestalten. Denn wenn Bernhard Jablonski am Montag den runden Jahrestag begeht, dann hat er noch vieles vor. So will er an den von Anina Gröger organisierten Offenen Atelier am 8. und 9. November teilnehmen. Ein Blick auf ein bewegtes Leben.

Der Designer

Viele Geschichten ranken sich um das von Bernhard Jablonski geschaffene Design: Bereits Anfang der 1960er-Jahre entwirft er für das Unternehmen Bosch in Stuttgart Auto-Scheinwerfer und Rücklichter, ist 18 Jahre lang für die Formgebung der Bosch-Haushaltsgeräte verantwortlich. 1963 kommt er nach Pforzheim, als Professor an die Fachhochschule für Gestaltung (FHG). Eine Tätigkeit, die er auf ungewöhnliche Weise nutzt. Als Freiberufler hat er von Bosch den Auftrag erhalten, eine neue Kaffeemühle zu konzipieren. Und es bedarf keiner großen Überlegung, diese Aufgabe in den Studiengang und seine Arbeitsgruppe hineinzutragen. Was daraus entsteht? Eine der ersten angewandten Partnerschaften der Industrie mit der Wissenschaft an Hochschulen. Mit großem Nutzen für die Studenten und für die Stuttgarter Firma.

Jablonski und seine junge Mannschaft sind höchst innovativ. Kaffeemühlen sind bislang mit einem Schlagmahlwerk versehen – raumeffizient und kostengünstig in der kleinen elektrischen Maschine untergebracht. Der große Nachteil: Die Kaffeebohnen werden zu schnell und aromaschädigend zerkleinert. Doch jetzt bringen die Studenten gemeinsam mit Jablonski ein langsam und schonend arbeitendes Kegelmahlwerk in der Maschine unter. Und versetzen damit nicht nur die Bosch-Chefs in Erstaunen. Gestaltet ist das Ganze selbstverständlich auf der Höhe der Zeit und sorgt im Bereich der Hausgeräte und des Industriedesigns auch international auf Messen für Furore.

„Den Gebrauchswert zu verbessern, das hat für mich immer im Mittelpunkt gestanden“, sagt der Designer im Rückblick, dem es stets gelingt, Funktionalität und Formschönheit zu vereinen. Vieles entsteht in dieser Zeit als Formgeber: von der Schaufensterpuppe in den 1950er-Jahren bis hin zum großartigen Entwurf seines Wohnhauses und Ateliers im Mäuerach.

Auch in Pforzheim hinterlässt der Designer Spuren, so stammen der Entwurf des Spielplatzes in Dillweißenstein (1975) und die zwei mal zwei Meter große Uhr am Neuen Rathaus (1977) von ihm. Für den Enzkreis gestaltet er 1986 eine der Ehrenmedaillen.

Mit 60 Jahren verabschiedet sich Jablonski von der Lehrtätigkeit, um sich seiner Kunst und einem seiner Schwerpunktthemen zu widmen, der Gestaltung von Arbeitsumfeldern. So ist er für die Gesamtkonzeption der Leitstelle der Rheinbahn in Düsseldorf zuständig, liefert das „Human Factors Design“ im Kontrollzentrum der Nahverkehrsbahn in Vancouver und baut im alten Londoner Hafengelände das Kontrollzentrum für die Hochtrassenbahn.

Der Künstler

Eigentlich ist Bernhard Jablonski Bildhauer. Von 1948 bis 1954 studiert er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Und noch heute zeugen Werke in der Landeshauptstadt von seiner erfolgreichen künstlerischen Tätigkeit: Der Altar, die Kanzel und der Taufstein der Stuttgarter Rosenbergkirche sind von Jablonski gestaltet, die Eingangstür zum Stuttgarter Rathaus ziert sein Relief aus Pferden. Und der Dukaten-Esel sowie der sprechende Papagei begeistern im Blühenden Barock in Ludwigsburg seit Jahrzehnten nicht nur die kleinen Besucher.

Die Fotografie wird ein immer wichtiger werdender Bestandteil seiner Kunst. 1998 folgt die erste Ausstellung im Kunstverein Pforzheim mit seinen subtilen Bildern, die einen intensiven, genau durchdachten Blick auf die Natur bieten: Bilderreisen ins Innerste des Motivs. Er ist ein Meister der stillen Ästhetik, dessen Fotografien eine verinnerlichte Ruhe ausstrahlen – selbst wenn die Wellen des Mittelmeers festhält.

Der Professor

„Die Fakultät für Gestaltung dankt Professor Jablonski für seine Jahre als herausragender Industrie-Designer und Lehrer mit Witz und Esprit für seine Studenten“, sagt Rektor Michael Throm in seiner Würdigung des Jubilars. Von 1976 bis 1985 leitet Jablonski als Rektor die damalige FHG – und macht auch als „Vater des Automobildesigns“ Furore, nutzt seine guten Kontakte zur Industrie, um höchst erfolgreich diesen Studiengang zu etablieren. Die Würdigung dieser intensiven Zeit: Staatssekretär Norbert Schneider lobt den gebürtigen Königsberger bei der Emeritierung als „einen der profiliertesten deutschen Designer“ und heftet ihm das Bundesverdienstkreuz ans Revers.

Der Mensch

„In diesen funkelnden Augen stecken nicht nur Geschichte und Erfahrung, sondern daneben eine unermüdliche Neugier und Gestaltungsfreude – sowie der Schalk und die Freiheit, Dinge auch anders als gewohnt sehen zu können“, sagt Kulturreferentin Isabel Greschat bei der Eröffnung der Jablonski-Ausstellung in der Pforzheim Galerie im Februar 2015. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Sandra Pfäfflin

Sandra Pfäfflin