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Zum Schluss sind bei John Lennons berühmten Song „Imagine“ alle Künstler des Abends auf der Bühne im Malersaal vereint. Foto: Frommer

Deutliche Worte beim Konzert gegen Rechts im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Was für ein Konzert. Was für ein Geschenk für unsere Stadt. Knapp zwei Dutzend Musiker gestalteten am Mittwochabend „Let’s get loud“ im voll besetzten Malersaal im Osterfeld. Sie haben sich, unterstrich die Ende März scheidende Kulturhaus-Chefin Maria Ochs, „ohne Aussicht auf Gage auf dieses Abenteuer eingelassen“. Und sie sind „laut, bunt, friedlich und viele“ wie es Moderatorin Stefanie Wally als Botschaft der Benefiz-Veranstaltung formulierte.

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Let's get loud: Konzert gegen Rechts im Osterfeld

Wohl auch, um zu unterstreichen, wie facettenreich Pforzheim, seine Musiker und kulturellen Einflüsse sind. Sie ließ nicht unerwähnt, dass die „Initiative gegen Rechts“ Mit-Initiator des ungewöhnlichen Musik-Events war und dass die Kosten für die zusätzlichen Security-Kräfte von der IG Metall getragen wurden.

Die Politisch(st)en

Die sicher schwersten Jobs des Abends hatten die Band Subtext und Liedermacher Dieter Huthmacher. Der vierköpfigen Formation (Milenko „Miki“ Stefanovic, Martin Flasch, Walter Schmude und Milan Kopriva) fiel die Aufgabe des musikalischen Eisbrechers zu: Das frisch gegründete Quartett mit teils serbischen Wurzeln musste den Übergang von Reden und Grußworten zum Konzert stemmen. Sänger Miki und den drei Gitarristen gelang dies mit Songs wie „That’s Live“ und mit klarer Kante: „Die Nazis sind daran schuld, dass wir einen Monte Scherbelino haben.“ Dieter Huthmacher musste unmittelbar nach einem mitreißenden Gig von Harry Klenk und Peter Freudenthaler ran, den sehr viele Konzertbesucher als frühen Höhepunkt wahrnahmen. Huthmacher überzeugte auf leisen Sohlen mit seinen besinnlichen Songs „Verantwortung“ sowie „Heimatlied“ und mit einem eigens für diese Veranstaltung geschaffen Text „Machtspiele“: „Und dieser Gauland, ganz gewiss, ein Männlein wie ein Vogelschiss. Sitzt da auf seinem Stuhl und schaut, als ob er sich nichts Böses traut.“

Die Klassiker

Ohne Mikrofon und Verstärkung, nur unterstützt von seiner Pianistin Juna Tcherevatskaja, gelang Star-Tenor Jay Alexander ein Gänsehautmoment und ein nicht weniger klares Statement. Er beschränkte seinen Vortrag auf ein einziges, aber ganz besonderes Lied: „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, dessen Text der von den Nazis noch kurz vor Kriegsende, am 9. April 1945 im KZ Flossenburg ermordete Pfarrer Dietrich Bonhoeffer geschaffen hat. Auf Jay Alexanders ausdrücklichen Wunsch mündete der Song in kurzes kollektives Schweigen. Die junge Mezzosopranistin Laura Rieger, Nichte von Maria Ochs, die in Wien klassischen Gesang studiert, trug einen Rock-Klassiker vor: „Wind Of Change“ von den Scorpions. Sie eroberte die Sympathien im Saal sofort und mühelos: Ihrer Bitte, beim Pfeifen doch bitte zu helfen, kam das Pforzheimer Publikum sofort nach.

Im Doppelpack

In der frühen Phase des Konzertabends sorgten Sonja Priehn und Roland Bliesener mit ihren Songs „Volk“ und „Komm’ wir bauen ein Haus“ für das erste – eher zufällig entstandene – Duett der langen Konzertnacht. Bliesener nutzte die Bühne auch, um für die von Techniker Andy Wagner und seinem Team gestemmte Herkulesaufgabe eines solch abwechslungsreichen Konzert-Marathons zu danken. Singer-Songwriter Joans Gavriil und Joachim Orawetz sind hingegen seit 2017 (seit Gavriils Internet-Hit „Perfect Day“) Teamplayer. Pforzheims bekanntester Spanier – Luis Vicario – verstärkte sich mit dem italienischen Gitarristen Kai Antonio Portolano zum zugkräftigen Duo. Und Quiet Lane – Simon Hartfelder und Hannes Liewald – sind ohnehin seit 2016 im Doppelpack mit ihrem instrumental beeindruckend starken Soulful Folk unterwegs. Ein längst überfälliges Duo bildeten Peter Freudenthaler und Harry Klenk mit im besten Sinne des Wortes ansteckender Spielfreunde – und dem Crowded-House-Ohrwurm „Weather With You“. Peter Freudenthaler erzählte, auf einem Konzertfestival in Dresden habe das Publikum „Nazis raus“ gerufen. Sängerkollege Stoppok habe nur lakonisch geantwortet: „Deshalb sind wir ja alle da“.

Band und Chor

Die krankheitsbedingten Absagen von Sebastian Studnitzki und Lú Thome waren bei „Let’s get loud“ zu verschmerzen. Für den Schlussakkord sorgte die junge Alternative-Punk-Band „MonoXside“: Till Trawiel (Gitarre und Gesang), Tim Tittjung (Bass), Sebastian Leininger (Keyboards und Gesang) und Jascha Pfäfflin (Schlagzeug). Auch dieser erneute Stilwechsel fand viel Beifall, selbst auf der überwiegend von älteren Zuschauern bevölkerten Empore. Zum großen Finale kamen nochmals alle Musiker als Chor (MonoXside mit Instrumenten) auf die Bühne. Gemeinsam trugen sie den unvergessenen Evergreen „Imagine“ des visionären Ex-Beatle John Lennons vor. Bleibt nur noch nachzutragen: Die Spenden des Abends fließen ungeschmälert an „Leuchtlinie“, einer Beratungsinitiative für die Betroffenen rechter Gewalt.