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Helmut Janz versteigert Kunst, Möbel und andere Antiquitäten.
Helmut Janz versteigert Kunst, Möbel und andere Antiquitäten.
Bei drei Gemälden taucht der Name Adolf Hitler auf.
Bei drei Gemälden taucht der Name Adolf Hitler auf.
12.05.2017

Die Bilder sind gar nicht von Adolf Hitler: Gefälschte Gemälde bei Pforzheimer Auktionshaus

Bilder von Adolf Hitler standen im Katalog des Pforzheimer Auktionshaus. Doch Auktionator Helmut Janz prüft nach und findet heraus, dass die Bilder gar nicht echt sind.

Pforzheim. Als der Auktionator Helmut Janz das Paket öffnet, wittert er Betrug. Die drei Bilder wirken seltsam, die da per Post gekommen sind. Die Signatur passt nicht zu ihnen – „die stand so heraus“, sagt Janz. Er nimmt die Blaulampe zur Hand und sieht unter dem Licht: Die Signatur muss später hinzugefügt worden sein. Janz soll recht behalten.

Es ist nicht irgendein Name, der auf den drei harmlosen Landschaftsbildern steht. Es ist der Name Adolf Hitler. Bevor der im Zweiten Weltkrieg Europa ins Chaos stürzt, war er Maler. „Ein ziemlich miserabler“, sagt Janz.

Trotzdem: Seine Werke erzielen höchste Preise auf Auktionen. Nur die Bilder, die Janz bekommen hat, stammen nicht von Hitler. Was war passiert? Im Nachhinein ist Janz die Episode etwas peinlich. Das merkt man, wenn man mit ihm spricht in seinem Auktionshaus auf der Wilferdinger Höhe. Wer den Katalog zu seiner 104. Kunstauktion aufschlägt, entdeckt im Inneren des Umschlags die drei Bilder. Zweimal Bäume, die an Straßen stehen, einmal eine Hütte in einer alpinen Seenlandschaft. Schön ist das nicht – künstlerisch wertvoll erst recht nicht. 800 Euro ist ihr Startpreis bei der Auktion.

Wenn sie wirklich von Adolf Hitler gemalt worden wären, hätten sie eine Menge mehr Geld eingebracht. Für über 100.000 Euro sind schon Bilder des späteren Diktators versteigert worden. Aber sie sind es ja nicht, das stellt Janz sofort fest, als er sie auspackt.

Wie konnten sie trotzdem in den Katalog kommen? Janz hat sich auf den Einlieferer verlassen. Der hat angegeben, die Bilder bei einer Nachlassauflösung entdeckt zu haben. Janz vertraut seinem Geschäftspartner. Seit rund 15 Jahre arbeiten die beiden zusammen. Janz nimmt die Bilder in den Katalog auf, ohne sie im Original gesehen zu haben. Als die Bilder in Pforzheim ankommen, ist der Katalog schon gedruckt. Von der Internetseite nimmt Janz sie nach eigener Aussage umgehend. „Ich habe die Bilder sofort zurückgeschickt“, sagt der Auktionator, „und meinem Einlieferer gesagt, dass er sie niemals mehr in Umlauf bringen darf“ Wie kam der Name „Adolf Hitler“ auf die Bilder? Janz weiß es nicht.

Harmlose Bilder fünftklassiger Künstler gibt es ja genug. Janz vermutet, dass irgendjemand so ein belangloses Bild genommen – und einfach den Namen Hitler hinzugefügt hat. Findet es Janz denn nicht problematisch, mit der Kunst Hitlers Geld zu verdienen. „Als mir die Bilder angeboten wurden, habe ich schon nachdenken müssen“, sagt er „Das ist einfach ein heikles Thema.“ Am Ende siegt die betriebswirtschaftliche Vernunft. „Wir sind einfach Kaufleute“, sagt der Auktionator „Kunst zu versteigern ist unser alltägliches Geschäft – auch, wenn es schlechte Kunst ist wie hier.“

Janz ist froh, dass die Geschichte mit den vermeintlichen Hitlergemälden nun vorbei ist – und dass er vergleichsweise selten mit Fälschungen zu kämpfen hat. Bevor ein Werk versteigert wird, prüft es Janz’ hauseigene Kunsthistorikerin, Signaturen werden abgeglichen, Werkverzeichnisse gewälzt. „Aber Fälschungen nehmen schon zu in der Szene“, sagt der Auktionator. Woher kommt das? Das Kaufverhalten habe sich verändert. Zunehmend werde Kunst bloß als Wertanlage gesehen – und da würden eben nur die ganz berühmten Namen ziehen – oder wie in Hitlers Fall die Skandalösen. Das Interesse an der Kunst kleinerer Meister sei zurückgegangen. Janz aber hat noch viel Freude an den Werken, die sich prinzipiell Jeder leisten kann – und die nicht unbedingt einen großen Namen tragen muss.