Durchweg alle auf dieser kleinen Party sind arrogante Idioten. Zwischen Ekel und Freude an den Exzessen um sie herum berichtet die Ich-Erzählerin in Zoe Dubnos Roman «Nur das Allerbeste» von einem Dinnerabend der New Yorker Kunst-Upperclass – und hält nicht zurück mit Gift und Galle.
Die namenlose Erzählerin sitzt nach der Trauerfeier für eine frühere Freundin auf dem Sofa im großzügigen Loft des nahestehenden Kunstsammler-Paares Eugene und Nicole. Jahre zuvor hatte sie sich von ihren einstigen Gönnern abgewandt, wollte nie wieder einen Fuß in diesen «Palast aufgebrezelter Schalheit» setzen. In Erwartung eines Abendessens («dekonstruierte Pampe») blickt sie nun mit einer etwa 50-köpfigen Gesellschaft der Ankunft einer Schauspielerin entgegen – und lästert immer heftiger über die Anwesenden.
Ihre Erzählerin gehe «mit einem Maschinengewehr auf alle möglichen Dinge los», sagt Dubno in einem Interview nach der Veröffentlichung von «Happiness and Love» in den USA. Literatur, Kunst, Mode, Journalismus. «Zu allem, was ihr in die Finger kommt, hat sie etwas Negatives zu sagen.» Kostprobe aus dem Roman: Eugenes affektiertes Benehmen und überbordende Kunstliebe seien «eine Patina aus Scheiße auf der glänzenden Bronzebüste seiner Dummheit, seines chronischen Alkoholismus und [...] seiner sexuellen Zudringlichkeit».
Inspiration von Thomas Bernhard
Stilistisch bedient sich die New Yorkerin bei Thomas Bernhard. In dessen «Holzfällen. Eine Erregung» von 1984 zieht der Ich-Erzähler im Ohrensessel während des Wartens auf einen Theaterschauspieler angewidert über die Kulturszene Wiens her. «In seinen verlogenen, hohlen, nur auf den eigenen Vorteil bedachten Pseudointellektuellen erkannte ich – traurigerweise – etwas mir nur allzu Vertrautes wieder», erklärt die Autorin. Wie der Österreicher verzichtet auch sie auf Kapitel oder Absätze und weitgehend auf direkte Rede. Ebenso prägen lange Sätze mit vielen Einschüben den Monolog.

Die durchaus kurzweiligen Tiraden in «Nur das Allerbeste» richten sich gegen das oberflächliche Gewese der modernen Kunstszene. Allerdings bleibt die Erzählerin mit ihrer klischeebeladenen Aversion auf einer Ebene mit den gestelzten Banalitäten der kritisierten Figuren. Ihre leere Verachtung fällt also auch auf die eigene Oberflächlichkeit zurück. Der Roman ist dadurch eher keine geschliffene «Holzfällen»-Adaption mit Blick auf die Jetztzeit.
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