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Das Cover des Buchs. Olms

Diese 222 jüdischen Persönlichkeiten prägten die Weltkultur - Inklusive einer Pforzheimerin

Pforzheim/Hildesheim. In Zeiten des wieder aufflammenden Antisemitismus könnte der Zeitpunkt kaum besser sein: Mit „222 Juden verändern die Welt“ (Georg Olms Verlag) legt der Physiker Mario Markus ein Buch vor. Die Sammlung von Kurzbiografien weltverändernder jüdischer Persönlichkeiten ist ein Überblick über Leiden und Leistungen des Judentums.

Ob Karl Marx, Levi Strauss, Sigmund Freud, Marc Chagall, Albert Einstein, Bob Dylan oder Mark Zuckerberg – ein Kapitel widmet der Autor der am 15. August 1905 in Pforzheim geborenen Laura (Lore) Perls und ihrem Ehemann Fritz, den Mitbegründern der „Gestalttherapie“, wie auch das Kapitel im Buch überschrieben ist. Ihre therapeutische Arbeit im Hier und Jetzt habe neue Wege geöffnet, schreibt Mario Markus.

Leitfaden des Buches ist die Darstellung jüdischer „Integration und Leistung“. Entlang der Biografien zeigt der Autor auf, welche bedeutenden Beiträge die jüdische Kultur zur Weltkultur geleistet hat. Der Erfinder der Schallplatte, ein Pionier der Pop-Art, der Vater der Psychoanalyse, die Entdeckerin der dunklen Materie oder der Begründer der Chemotherapie. Sie stellten die Weichen für eine neue Methodik, Stilrichtung oder Gedankenwelt. Und dies, so der Autor, mit „atemberaubendem Erfolg“, wie die hohe Zahl 195 jüdischer Nobelpreisträger aufzeige.

„Aus der Weisheit gelernt“

Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, erklärt diesen maßgeblichen Anteil an Demokratie und Prosperität im Geleitwort damit, dass sie „trotz Heimatlosigkeit und Vertreibungen in den Ländern, in denen sie siedelten, aus der eigenen Weisheit und der Weisheit ihrer Umgebung gelernt und zu deren Entwicklung beigetragen haben“. Vor allem Deutschland habe profitiert.

Markus konzentriert sich nicht auf die Opferrolle der Juden in Jahrtausenden, sondern auf deren kreatives Potenzial. Er betrachtet die 222 Persönlichkeiten und nimmt ihre Herkunft, ihre Schwierigkeiten, ihren Aufstieg und ihre weltverändernden Beiträge unter die Lupe. Das Buch ist ein Kaleidoskop für Einsichten in rund 3000 Jahre Geschichte. Die Intention des Autors: Vielleicht mögen sie Vorbehalte abbauen und dem ein oder anderen Leser die Augen öffnen.

Mario Markus wurde 1944 als Sohn deutschjüdischer Einwanderer in Santiago de Chile geboren. Die Berliner Eltern und eine Großmutter waren dorthin ausgewandert. Der Rest der Familie wurde im Holocaust getötet. Als 20-Jähriger ging er nach Heidelberg, wo er in Physik promovierte. Er veröffentlichte über 160 wissenschaftliche Artikel. „222 Juden verändern die Welt“ ist sein neuntes Buch.

Mario Markus, „222 Juden verändern die Welt“, Georg Olms Verlag, 428 Seiten mit 222 Schwarz-Weiß-Abbildungen, 29,80 Euro

Michael Müller

Michael Müller

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